Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einer von den Besten, 4. September 2009
"Einer von Vielen" ist ein dickes Buch. Aber vor allem ist es ein großes Buch.
Braucht es anfangs etwas Konzentration, um die vielen Erzählstränge verfolgen zu können, wird man nach einigen Seiten belohnt, wie schon lange nicht mehr in der deutschsprachigen Literatur der letzten Jahre. Lebensprall und fantasievoll, humorvoll und rasant ist Zähringers Roman. Im Laufe der Kapitel erhöht sich das Tempo, werden die einzelnen Geschichten und Figuren auf aberwitzige, unterhaltende Weise miteinander verbunden und ineinander verschlungen. Der Roman umfasst ein ganzes Jahrhundert und schreibt sich - über Zeiten und Orte hinweg Geschichte schreibend, selbst in die Geschichte ein.
Zähringer hat ein trauriges Buch geschrieben, ohne dabei in den üblichen Betroffenheitskitsch abzusacken. Hier gibt es immer was zu lachen. Gleichzeitig ist das Buch komplex konstruiert, gebaut wie ein Labyrinth ohne Zentrum, mitten hinein in die Kathedrale des 20ten Jahrhunderts, der die Kriege das Dach, den Glauben und die Hoffnung weggebombt haben. Von den grotesken Tragödien der letzten hundert Jahre derart angemessen und unterhaltend, derart emotional und anspruchsvoll zu erzählen, ist eine Meisterleistung - und ein Genuss für den Leser.
Zähringers Roman ist einer von vielen Romanen, die dieses Jahr erscheinen.
Aber er ist einer der Besten.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nicht einer von vielen, sondern einzigartig, 24. August 2009
Zwei Männer werden am selben Tag geboren, einer in Amerika, der andere in Deutschland. Die Handlung springt fortan hin und her über den Atlantik. Folgt mal Frimm, nach dessen Geburt in der Mojawe-Wüste nach Hollywood, mal Siggi, dessen Vater als glühender Anhänger der Nazis von einem geheimnisvollen Serienmörder ermordet wird. Ein Berliner Polizist bleibt dem Killer jahrzehntelang auf der Spur.
Ein Piratenfilm, der in einem Swimming-Pool in Hollywood gedreht wurde, taucht immer wieder auf. Frimm reinigt diesen Pool, Siggi sieht den Film im Kino. Während des Zweiten Weltkrieges wird Frimm mit dem Hauptdarsteller des Films, einem abgewrackten Stummfilmhelden, nach Deutschland reisen, um Spielszenen für die Wochenschauen zu drehen. Sie werden abgeschossen und müssen sich in den letzten Kriegstagen durch Berlin schlagen. Bei ihnen der Armenier Bebo, der an Bord eines Flüchtlingsschiff aus Deutschland entkam, in Los Angeles zufällig auf Frimm traf und mit ihm nach Berlin zurückkehrte. Spätestens bei der Ankunft in Berlin schlägt der Ton des Buches um und wird schärfer, wenn Zähringer in drastischen Szenen die Absurdität des Krieges beschreibt.
Zähringer spinnt ein feines Netz aus Haupt- und Nebenfiguren, die auf vielfältigste Art miteinander verbunden sind und durch eine schier unglaubliche Abfolge von Zufällen. Über Wahrscheinlichkeit sollte man besser nicht spekulieren und stattdessen die ironischen Wendungen genießen. Der Roman hat keine stringente Handlung und der Verlauf wirkt völlig willkürlich. Er ist unvorhersehbar und könnte sich jeder Zeit in jede Richtung entwickeln. Gerade dieser Umstand macht das Buch so unglaublich fesselnd und am Ende angelangt, hätte man diesen Geschichten und diesem Autor gerne noch länger zugehört.
Einer von vielen ist ein postmoderner Roman auf hohem sprachlichem Niveau und mit einer hochkonzentrierten Handlung, die einen ebensolchen Leser erfordert. Humorvoll, verspielt, abenteuerlich und fernab der gängigen Konventionen und Lesegewohnheiten. Zähringers erste Romane So und Als ich schlief haben mir schon sehr gut gefallen, aber sein drittes Buch ist sein bisheriges Meisterwerk. Eine perfekte Mischung aus Thomas Pynchon und dem frühen T.C. Boyle. Für mich schon jetzt einer der besten Romane des Jahres.
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4.0 von 5 Sternen
Keiner wie viele andere, 3. Oktober 2009
Edison Frimm heißt so, weil seine Mutter an den Erfinder der Glühlampe dachte, als sie ihren Sohn während eines Erdbebens am Küchenboden liegend zur Welt brachte. Und so ungewöhnlich seine Geburt war, so ungewöhnlich sind die Zusammenhänge, die der Autor in seinem Buch spinnt. Da gibt es einen japanischen Gärtner der zur Geburtsstunde von Edison seine Familie verloren hat, da gibt es einen Jungen in Deutschland der zur selben Zeit in das beginnende Dritte Reich geboren wird, das wiederum der junge Edison in einem Bomber sitzend in 16 Jahren angreifen wird.
Als Leser ist es nicht leicht die vielen Erzählstränge zu verfolgen und auch den einen oder anderen Zusammenhang zu erkennen. Man schwebt wie ein Vogel über der Geschichte, die 1923 beginnt und im Heute endet.
Wie ein Film läuft das Leben des Edison Frimm ab, man ist Beobachter, geht mit ihm mit, ist seltsam unberührt und doch betroffen. Aber gerade das macht vermutlich die Qualität des Buches aus! Von der ersten Zeile weg ist man gefangen ist einem Leben, das viele Personen umfasst - in einer Epoche - in einer Geschichte, die im Grunde "alltäglich" ist und gerade deshalb so reizvoll.
Ich würde dieses Buch als gehobene Literatur einstufen, der Erzählstil ist fesselnd, die Wortwahl geschliffen, die Sätze genauso wie sie sein müssen: Kurz, wenn es nicht mehr zu sagen gibt und länger, wenn eine Menge Gedanken hineinspielen.
Das Buch werden jene Menschen mögen, die sich gerne auf Ungewöhnliches einlassen. Man darf sich weder "Action" noch "Spannung" im klassischen Sinn erwarten. Dafür bekommt man eine Geschichte geliefert wie sie eine von vielen ist - und wie sie nur das Leben schreiben kann.
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