Allen Chefs und Chefinnen, die Drohungen und subtile oder gar offene Einschüchterungen, Schreien, Keifen, beleidigtes oder sogar beleidigendes Verhalten für echte Führungsqualitäten halten (aber immerhin soviel Grips haben, irgendwie doch an der Wirksamkeit ihrer Methoden zu zweifeln) sei dieser Ratgeber dringend empfohlen. Und auch all jenen Chefinnen und Chefs, die einfach einsehen, dass in ihrem Team nicht alles zum Besten bestellt ist. UND auch an solche, die schlicht wissen: Nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte. -
Was kann dieses Buch? Es erklärt ausführlich und mit bestechender Kompetenz, was Führungsstärke eigentlich bedeutet und aus welchen Elementen sie sich zusammensetzt. Es zeigt, dass es keinen Sinn macht, Mitarbeiter mit üblen Launen und unberechenbarem Handeln zu malträtieren. Es zeigt auch, wie Chefinnen und solche, die sich diesen Namen wirklich verdienen möchten, überlegt und souverän handeln müssen und wie eine solche Angemessenheit des Tuns erreicht werden kann. "Heraus aus der Mittelmäßigkeit des Managements" heißt die Devise, und der Anspruch dieses Buchs, in Sachen Managementkompetenz gut zu schulen, wird in jeder Hinsicht eingelöst.
Die richtigen Führungsaspekte wie Anleitung, Lob, Belohnung, aber auch (Re-)Aktionen wie angemessene Sanktionen bei Fehlverhalten jedweder Art werden hier nicht nur aufgezählt und hinsichtlich ihrer Relevanz für ein gutes Arbeitsklima und effektives Handeln untersucht. Stattdessen wird darüber hinaus ein Prozess der Selbstreflexion eingeleitet. Der Autor beschreibt ganz konkret, wie sich eingefahrene Verhaltensweisen und der eigene Führungsstil überprüfen und verändern lassen. Mit viel (auch psychologischem) Geschick kann auf Grundlage der hier vorgestellten Überlegungen das richtige Verhalten bei Mitarbeitergesprächen und Konferenzen erlernt werden.
Die Position des Chefs definiert Bruce Tulgan als die eines Menschen, der für ein konstruktives Miteinander ohne lähmende Angst sorgt. Auch hilft er dabei, sich von Vorstellungen zu verabschieden, echte (manchmal auch hart scheinende) Führungsstärke werde als verletzendes Verhalten empfunden und mache unbeliebt. Vielmehr, das macht dieser Ratgeber klar, kann eben auch zu "weiches" Verhalten, verunsichern und zu Frustration von Chef und Mitarbeitern gleichermaßen führen. Solche Einsichten überraschen manchmal, sind damit aber umso hilf- und lehrreicher. Die goldene Mitte zwischen sinnlosem Autoritätsgebaren und ängstlicher Zurückhaltung zu finden, dabei aber immer auch das eigene Wohl und das der Mitarbeiter und des Unternehmens im Ganzen im Blick zu behalten, das ist das erklärte Ziel. Mit den hier aufgestellten Managementregeln kann man seine Führungsrolle und seinen Führungsstil selbst überprüfen. Mumm, Disziplin und Selbstmanagement sind dabei die wichtigsten Stichworte, die als Voraussetzungen für effektives Management hier unterstützt und geschult werden. Es leuchtet direkt ein, dass die hier beschriebene Entscheidungsstärke gepaart mit Fairness und dem ehrlichen Blick auf sich und andere viel mit effektivem Management zu tun hat. Wohl dem/der, der/die sich an diesem Ratgeber selbst überprüfen kann.
Zusammengefasst gilt für "Einer muss der Chef sein" (und zwar ein/e großartige/r Chef/in, die weiß was sie will und fair tut, was er/sie tut): Es ist ein ausführlicher Ratgeber von einem Autor, der etwas von seiner Sache versteht. Es ist ganz sicher ein Ratgeber für Menschen mit Personalverantwortung, die auf der Suche nach echter Führungsqualität sind und leistungsstarke Mitarbeiter auf Erfolgskurs bringen wollen (durch Mitarbeitergespräche, Regeln, ein offenes und konstruktives Miteinander usw.). Es räumt mit Führungsmythen gründlich auf. Und es ist daher ein Ratgeber, den Führungskräfte aller Positionen eigentlich nicht links liegen lassen können - es sei denn, sie sitzen schon im Olymp wirklich gekonnten Chef/innen-Daseins! Und wer möchte das von sich selbst behaupten?!
Ein guter Berater und noch besserer Management-Trainer. Wärmstens zu empfehlen.