Der von H. Krüger dargestellte Pilot Franz von Werra ist in vieler Hinsicht durch seine bizarre Lebensgeschichte Beispiel für die Verführung der Jugend in der Zeit vor und im Zweiten Weltkrieg. Die reale Person war, wie im Film teilweise durchscheint, von einer tragischen Familiengeschichte neurotisierter junger Mann, der in der aufstrebenden Nazi-Bewegung eine Existenxberechtigung fand. Leicht zu blenden und zu idealisieren, erlebt sich der von seinen Wächtern als gutausehend und selbstbewußt beschriebene Pilot als Mittelpunkt eines Cowboy und Indianer Abenteuers, in dem es einzig und allein darum geht, aus seiner Gefangenschaft zu entkommen. Was danach kommt und nur kommen kann, liegt völlig ausser Sichtweite.
Hardy Krüger spielt den Character mit einer authentischen Selbstverständlichkeit, eine gelungene Identifikation trotz großer Unterschiede in der realen Kindheit.
Realismus wird nicht überstrapaziert, es geht nicht darum, die Schrecken des Krieges zu verdeutlichen, die waren zum Zeitpunkt des Erscheinens der Welt noch gut genug in Erinnerung. Die Atmosphäre im englischen Hinterland wird wohl authentisch eingefangen, soferne ich das beurteilen kann. Plausibel auch der sportliche Aspekt der Auseinandersetzung, der auch der britischen Mentalität nicht unbekannt war. So ist es vorstellbar, dass sich ein englischer Offizier durchaus zu einer Wette hinreissen ließ, was die Fluchtaussichten eines deutschen Jagdfliegers betraf.
Das Ende von Werras erleben wir im Film nicht mit, es beibt uns aber dennoch ein peinliches happy end erspart.
Fragt sich, warum sich eine englische Produktion überhaupt für "the one that got away" interessierte, hatte man doch genug eigene Kriegshelden. Alleine deswegen schon bemerkenswert.
Fazit: kein Film, der neue militätgeschichtliche Erkenntnis bringt, jedoch einen diskreten, Einblick in ganz spezielle Alltagssituationen. Hohes Spannungsniveau durch den ganzen Film. Wertvoll nicht nur für Genre-Fans.