" Einer flog übers Kuckucksnest " sah ich Ende der 1970er Jahre das erste Mal im Programmkino. Ich fand den Streifen damals ziemlich unglaubwürdig. Noch wusste ich nicht, dass die Filmhandlung auf einem Roman des Schriftstellers Ken Kesey beruht, der diesen 1962 veröffentlicht hatte. Der vorliegende Film stammt aus dem Jahre 1975.
Die Filmhandlung nimmt Kritik an den vormaligen Zuständen in psychiatrischen Anstalten in den USA, indem sie die Psychiater als sehr abgehoben und wenig realitätsbezogen darstellt und das Anstaltspersonal als Schlägertypen , machtgeile Krankenschwestern und korrupte Wärter präsentiert. Haben so die psychiatrischen Krankenhäuser in den USA der 1960er Jahre tatsächlich ausgesehen?
Der Sträfling Randle Patrick Mc Murphy ( Jack Nickelson) kommt in die psychiatrische Anstalt( Kuckucksnest), weil dort sein Geisteszustand überprüft werden soll. Er ist gewalttätig und hat Unzucht mit Minderjährigen betrieben.
Mc Murphy wirkt locker und nicht unsympathisch. Kann ein solcher Mensch einen geistigen Defekt haben? Ist ein Mensch, der gewalttätig agiert und Unzucht mit Minderjährigen betreibt voll zurechnungsfähig? Dieser Frage gehen die Psychiater nach, ohne sich aber ein tatsächliches Bild von Mc Murphy zu machen.
Der Neuankömmling lebt nun mit Debilen und Angstpsychotikern auf engstem Raum und gewinnt aufgrund seiner kommunikativen, freundlichen Art Zugang zu ihnen. Sie fühlen sich von ihm akzeptiert und mögen ihn. Szenen auf dem Sportplatz dokumentieren dies besonders.
Ganz anders das Personal, insbesondere die herrschsüchtige Krankenschwester Mildred Ratches, die sich an den Ängsten der psychisch gestörten weidet und für deren Genesung alles andere als hilfreich ist.
Wo beginnen psychische Schräglagen? Sollten sich nicht viele Menschen einer psychologischen Behandlung unterziehen? Insbesondere hochgradig destruktive, machtbesessene Personen?
Mc Murphy fühlt sich durch die herrschsüchtige Krankenschwester provoziert und reagiert renitent. Auf diese Weise schaukelt sich der Konflikt zwischen den beiden allmählich hoch und endet alles andere als erfreulich.... Die Angstpsychotiker kuschen und werden immer kränker. Ein Mikrokosmos, ein Abbild des Lebens außerhalb der Anstaltsmauern...?
Die Psychiater ahnen von all dem nichts, weil sie sich zu wenig um die tatsächlichen Verhältnisse in der Anstalt kümmern, so spitzen sich die Dinge zu und führen zu verhängnisvollen Konsequenzen....
Mich stört an diesem Film, dass er ein wenig differenziertes Bild von der Lebensrealität vermittelt und weder den vielen sich rührend um ihre Patienten kümmernden Psychiater, Psychologen noch dem oft überforderten Anstaltspersonal gerecht wird. Schwarze Schafe gibt es überall. Man muss sie benennen, aber man sollte nicht den Eindruck erwecken, dass alle so sind.
Die schauspielerischen Leistungen sind exzellent. Die Bild- und Tonqualität lassen auch nichts zu wünschen übrig.
Beurteilen Sie den Film bitte selbst.