Aus der Amazon.de-Redaktion
Uff, geht das fies los auf
Einer muss in Führung gehen. „What’s that noise“ schallt es aufgeregt zu einem harten und abgehacktem Rhythmus-Feuerwerk, das mit enervierenden und fickerig machenden Sounds unterfüttert wird, die klingen, als wolle jemand menschliche Hörzentren zum Kollabieren bringen. Na gut, den Soundtrack zu einem geselligen Abend lieferten die Beat-Hektiker der Mediengruppe Telekommander noch nie, hier aber geht es noch überdrehter als gewohnt zu. Der in Salzburg geborene Gerald Mandl und der in München aufgewachsene Florian Zwietnig sind so etwas wie der musikalische Gegenentwurf ihrer atmosphärisch eher entspannten und gutbürgerlichen Heimatstädte: laut, aufmüpfig, ruppig, bohrend, aggressiv, herum rempelnd, konfrontativ. Einen gehörigen Anteil am noch radikaleren Klangbild hat der auf
Einer muss in Führung gehen wie neuerdings auch auf der Bühne am den Drums sitzende Nico Friedrich, der die wie einst die Beastie Boys kreischenden und bellenden Florian & Gerald mit einem Trommelfeuerwerk antreibt, dass es einen durchschüttelt und wach rüttelt. Was MTK hier abliefern, ist radikaler und unversöhnlicher elektro-punkender Noise-Rock, der keine Gefangenen macht. Mit wen sie auf dem Cover, das eine Schafherde zeigt, wohl gemeint haben? - Sven Niechziol
"Einer muss in Führung gehen" - mit ihrem neuen Album wird dies der Mediengruppe Telekommander wohl eher nicht gelingen.
„Ich sollte endlich auf's Management kotzen und eigene Wege gehen“. Genau das haben Mediengruppe Telekommander für ihr neues Album getan – es allein produziert. „Einer muss in Führung gehen“ ist eine gesellschafts- sowie selbstkritische Platte, die jedoch noch nicht so ganz ausgreift scheint.
Mediengruppe Telekommander sind Florian Zwietning und Gerald Mandl. Kennen gelernt haben sie sich während einer Zugfahrt und machen seit 2000 Musik. Musik, die unterschiedliche Genre enthält: HipHop, Techno, Rave und Noise-Rock. In diese betten Florian und Gerald ihre Anti-Haltung ein. Nach „Die ganze Kraft einer Kultur“ und "Näher am Menschen" ist nun ihr drittes Album „Einer Muss in Führung gehen“ am Start. Immer noch kritisch, aggressiv und laut.
„What's that noise?“ - mit dieser Zeile fängt das neue Album der Telekommanders an. Weiter geht es mit progressiven Tönen aus dem Computer sowie vom Schlagzeug. Aber nicht, dass es mit dieser Progressivität schon getan wäre. Man hört Mediengruppe Telekommander nicht nur, um mal zu tanzen und um die elektronischen Beats gut zu finden. Man hört ebenso auf den Text, auf die kritischen Auseinandersetzungen mit der Gegenwart sowie der skeptischen Selbstreflexion. "Ich sollte auf meine Ausgaben achten/Ich sollte wirklich pragmatischer sein/Ich sollte endlich gesünder Leben/Und mehr unter Leute gehen."
Mediengruppe Telekommander - Einer Muss In Führung Gehen
Bei Florian und Gerald tritt somit nicht nur eine Rezension der Gesellschaft auf, sondern auch dessen, was sie selbst besser machen könnnen. Das mag nett klingen, ist aber textlich nicht wirklich einfallsreich umgesetzt worden.
Es ist kein Dadaismus wie einst zu NDW-Zeiten, der dahinter steckt – das wäre ja noch ein wenig komisch – es ist der Ernst und die Wut, die „Einer muss in Führung gehen“ prägt. Dabei schlagen Mediengruppe Telekommander jedoch keine neuen Sounds und Statements an. Im Kommentieren und Kritisieren geht ihnen langsam die Luft aus.
Musikalisch gesehen machen sie immer noch guten Noise-Rock, zu dem es sich hüpfen und brüllen lässt. Nur schade, dass ihnen Innovation und Impression während der Produktion scheinbar ausgangen sind. So klingen sie zwischendurch schon mal wie die Hamburger Teenies 1000 Robota - diese Assoziation mag doch keiner so recht haben.