"EXIT...JETZT!" eine der letzten Zeilen auf der neuen MTK CD ist Programm...so radikal und authentisch wie Mediengruppe Telekommander gibt momentan kaum jemand in Deutschland Konter. Konter gegen unreflektierte Anpassung, Bequemlichkeit, rastlose Pflichterfüllung, unerträgliches "Self-Improvement" und hohle Werbephrasen. Dass die neue CD so radikal, so hässlich und so aufrichtig dunkel und aggressiv ist, ist keineswegs selbstverständlich. Auf ihrem nerdig-coolen Debut "Die ganze Kraft einer Kultur" hatten Mediengruppe Telekommander zwar starke Statements, waren aber auch oft nah an dem gegenkulturellen (Electroclash / Electropunk)Trend, den sie laut Lyrics verabscheuten. Noch krasser fiel das beim selbstironischen, aber doch ziemlich poppig phrasendreschenden "Näher am Menschen" auf. Jetzt aber kommt der Cut. Nicht nur mit dem Major Label, sondern auch mit den Teenie-Fans. Das neue Album ist roh, eckig, böse - und grenzenlos geil. Da piept es, es schraddelt, es knallt, es kreischt, es hagelt Echo, Hall und treibende Beats, Megaphon-verzerrte Stimmen, "What's that noise" Samples und "Alarm" Rufe - doch nichts davon ist Selbstzweck oder Pose. Hier ist keiner dabei, sein Style-Meter zu pimpen, hier wird ehrlicher Widerstand artikuliert. Die Texte sind gereift - zynisch, mit dem Plakativen spielend, aber fast immer voll auf die zwölf, fast immer ohne Schnörkel. Die Musik ist reichlich bestückt mit Elementen der (Electro)Punkattitüde, aber vielschichtig und anspruchsvoll aufgebaut. Keine Frage: Das ist Kunst, aber eben keine, die auf Museen aus ist, sondern eine, die die Faust ballt, Ekel, Frust und Opposition artikuliert und dabei die reine Sloganizing-Maschine, der viele "Protest" Bands verhaftet sind und in der auch MTK in der Vergangenheit fröhlich das Gaspedal getreten haben, verlässt, um greifbare Themen und Haltungen anzugehen, dem vagen Unwohlgefühl eine Richtung zu verleihen. "Doch der Rest hat das Gefühl, er hätte was verpasst" - und das hat er auch, wenn er diese Scheibe nicht kennt und fühlt...denn hier passiert etwas, das bedeutsam werden könnte.