Da ich selbst chronisch krank bin und auch schon einige schwere Erkrankungen im Familienkreis mitgemacht habe, bin ich generell sehr an autobiografischen Romanen zu Erkrankungen aller Art interessiert. Als Teilnehmerin eines Hospizkurses scheue ich auch das Thema Tod nicht, also war für mich klar dieses Buch zu lesen als ich es auf der Leipziger Buchmesse entdeckte.
Das Buch schildert den Leidens- und Lebensweg des Schweizer Journalisten Eric Baumann, der an seinem 34.Geburtstag die Diagnose 'Hirntumor' bekommt. Das Buch ist gut geschrieben, es liest sich flüssig und ist ohne Pathos verfasst. Baumann beginnt mit dem Tag der Diagnose, führt uns aber auch immer wieder zurück in sein Leben vor dem Tag X. Für Menschen die sich vorher nie mit dem Thema auseinander gesetzt haben, bietet das Buch einen guten Einstieg in das Thema. Für Menschen oder Angehörige, die gerade die Diagnose Krebs bekommen haben, halte ich es allerdings für nicht geeignet.
Baumann hat ein privilegiertes Leben als er erkrankt, hat sich noch nie vorher mit einer Erkrankung befassen müssen, kannte Geldsorgen nur vom Hörensagen, führte eine Art Jet-Set Leben. Dieses Leben führt er, so weit die Erkrankung es zulässt, fort.
Es wird wohl der kleinste Teil krebskranker Menschen sein, die sich von Chemotherapien und anderen Behandlungen in London, Lissabon, Teheran und Japan erholen/ablenken können. Oder die es sich leisten können, dank großer finanzieller Sicherheit alle Arten von kostenpflichtigen alternativen Heilmethoden ausprobieren zu können. Zudem hat Baumann die Sicherheit der Liebe seiner Freundin, die nie in Frage stellte, dass Sie bei Ihm bleibt. Zusätzlich geben ein großer Freundeskreis und sein Vater ständig Rückhalt. Im Hospiz sind Menschen mit diesen Randbedingungen die absolute Ausnahme.
So bleibt bei mir am Ende des Buches, obwohl Baumann immer wieder gerne von Demut spricht, der schlechte Beigeschmack eines sehr privilegierten Menschen, der sich das ganze Buch über die Frage stellt, warum es ausgerechnet ihn treffen musste. Für mich irgendwie trotz dieser reellen, brutalen Krankheit am Leben vorbei.