Voller Vorfreude machte ich mich an den neuen Roman von A. Fried und kann jetzt nur sagen - was ist denn diesmal passiert??
Eine Mischung aus Verschwörungskrimi, Familiengeschichte und Frauenroman, dazu noch ein Background aus abschreckender Reisebeschreibung eines baltischen Landes und auch noch Abhandlungen, warum Windräder das Beste an alternativer Energie sind.
Dieses Buch hat mich nur gelangweilt und auch verärgert, der Stil war oberflächlich, die Personen wurden nur so hingehauen und das Ende - Happyend pur - geht garnicht.
Ich denke der Ansatz war garnicht schlecht, ein Emanzipationsroman einer Frau, die einige Jahre ihres Lebens eher die Mutterrolle gespielt hat und jetzt wieder beruflich Fuß fassen möchte, aber was die Autorin dann alles noch reinpacken musste, war für mich überhaupt nicht überzeugend.
Dazu immer noch der moralische Zeigefinger im Hintergrund - oberflächliche Anekdoten aus dem Demokratisierungsprozeß von Litauen - wobei alles natürlich nur gelingt, weil die taffe Katja aus München als einzige ehrlich und offen ist und ihre Moral deshalb auch siegt und alles gut wird, im Job, in der Ehe, mit den Kindern und auch bei all den Nebenfiguren, die wir kennenlernen dürfen, die Bösen bekommen ihre gerechte Strafe - sie überführt natürlich einen langjährig gesuchten Betrüger und übergibt ihn sozusagen der Polizei, was den Litauern natürlich vorher nicht möglich war, dann auch noch die Einwürfe der Lebensgeschichte des korrupten und verschlagenen Journalisten Strauß, der natürlich auch noch ganz schlechte Gefängniserfahrungen aus dem DDR-Alltag in Berlin-Hohenschönhausen hat - dafür rettet sie dann aber wieder die Tochter aus dessen 1. Ehe und auch da gibt es ein wunderbares Happy-End mit dem einzigen nicht korrupten Litauer, der natürlich Katjas Assistent ist.
Auch die Innensicht der Katja ist einfach nur ganz schnell zusammengeschustert, all ihre Ängste, die zum Teil auch wirklich so vorkommen in den Frauenköpfen - wer kennt sie nicht - erreichen mich nicht, sondern ich denke, naja naja naja. Dazu immer wieder Kalendersprüche, die das Leben erklären sollen, alle inneren Konflikte werden angesprochen und lösen sich dann aber auch ganz schnell - leider ist das Leben dann doch nicht auf 383 Seiten in seiner Komplexität zu erklären, schade.
Ne, das geht für mich überhaupt nicht - Lore-Roman im Hardcover - dazu dann noch die Abhandlungen über alternative Energien, wobei die Firma, für Katja Moser arbeitet, natürlich die einzige rechtschaffene Firma auf dem Markt ist und dann als Tüpfelchen auf's i - ihr Chef Franz, ein bisher nicht so wirklich sympathisch beschriebener Mann kommt noch mit einer der Windenergie-Gegnerinnen zusammen und es gibt sogar noch ein Baby und sein bisheriges Unverständnis in Bezug auf Kinderbetreuung usw. war ja nur sein nie eingestandener Frust, weil er schon soooooo lange Vater werden wollte und die Frauen nicht :-))- wäre es nicht schön, wenn man alles so in Schubladen stecken könnte.
Ach kann das Leben schön sein, alles klärt sich in Sonnenschein und auch die Phobien und Ängste der Katja Moser sind plötzlich weg - schade, es hätte wirklich was Gutes werden können, aber das war für mich das wirklich schlechteste Buch, was ich von A. Fried gelesen habe.