Zuallererst eine Warnung für diejemigem Leser, die Robinsons vorhergehenden Roman "Kein Rauch ohne Feuer" noch nicht kennen: Finger weg! In dieser Geschichte wird offenbar der Täter aus "Rauch ohne Feuer" verraten, und das gibt einen dicken Punkteabzug. Man ist ja nicht verpflichtet, die Bücher in chronologischer Reihenfolge zu lesen, daher ist es wirklich ärgerlich und unprofessionell, wenn wichtige Zusammenhänge aus vorhergehenden Romanen verraten werden.
Ansonsten ist an diesem Buch nichts auszusetzen. Die Banks-Legende wird perfekt weitergeführt; selten kommt ein Kommissar so völlig authentisch, in sich logisch, jederzeit glaubwürdig rüber, er ist einfach ein Mensch aus Fleisch und Blut, keine papierne Figur. Überhaupt ist der lebendige, in der Fülle der Informationen zeitweise fast schon dokumentarisch anmutende Stil des Autors eine der ganz großen Stärken der Alan-Banks-Reihe, neben den packenden, anrührenden Themen und der immensen Spannung, die Robinson auch hier wieder sorgfältig aufbaut.
Es wird wieder an zwei Schauplätzen ermittelt, Banks in London, Annie in Yorkshire, bis sie in London zusammentreffen und ihre Erkenntnisse austauschen. Obwohl man sich irgendwann im letzten Drittel denken kann, um welches Thema es hier geht, läuft das Ganze am Ende doch auf eine Überraschung hinaus, die die üblen Vorgänge noch einmal toppt.
Es ist rundherum ein konsequent erdachter und perfekt gestalteter Krimi, der allemal sein Geld wert ist - und eben weil der Autor solch ein Könner ist, werde ich nun doch noch den vorhergehenden Krimi lesen, auch wenn ich den Täter schon kenne... einfach weil ALLE Robinson-Romane von gleichbleibend guter Qualität und absolut lesenswert sind ...