--- Inhalt ---
EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE war immer schon die etwas andere Sitcom. In jeder einundzwanzigminütigen Folge gehen die Witze eigentlich auf Kosten der Protagonisten, die es nicht lassen können, sich in heftigen Dialogen gegenseitig nieder zu machen.
Am meisten bekommt dabei wohl Schuhverkäufer Al Bundy (Ed O'Neill) sein Fett weg. Ständig kritisiert seine rothaarige Frau Peggy (Katey Sagal) sowohl die Größe seines Gehalts als auch die seines Gemächts. Kelly (Christina Applegate) und Bud (David Faustino), die Früchte aus dieser fünfundzwanzigjährigen Pflichtkür genannt Ehe, werden ewig von ihrem Dad enttäuscht. Kinder von Traurigkeit sind der hohle Bimbo und der fleischgewordene "Lonely Boy" deswegen aber nicht gerade, reiten sie gerne auf den Defiziten des anderen herum.
Al weiß sich übrigens durchaus gegen die verbalen Attacken seiner Familie zu behaupten. Genauso gut kann er sein Mundwerk gegen seine liebenswürdigen Nachbarn richten. Marcy D'Arcy, erklärte Feministin und konstanter Gegenpol zu Als chauvinistischer Ader, sorgt für viel Zündstoff im Bundy-Haushalt. Der Verbündete von Al ist ausgerechnet Marcys Mann Jefferson, der jedoch in heiklen Situationen seiner Ehefrau beisteht, beistehen muss um es genau zu nehmen.
--- Kritik ---
Schwanengesang: Die elfte Staffel von EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE, die im amerikanischen Original MARRIED WITH CHILDREN heißt, bedeutet Abschiednehmen von der kultigen Sitcom, die bis heute die Gemüter wie keine andere scheidet. Der Humor wurde Jahr um Jahr derber, die Charaktere immer gemeiner und die einzelnen Geschichten lächerlicher. Ganz klar zielte die Comedyserie auf eine hohe Gagquote ab, was sie oftmals parodistisch erscheinen lässt.
Dieses schlichte, konsequent durchgezogene Konzept hat viele Anhänger, aber auch viele Kritiker. Einen Sinn oder Daseinszweck in den Folgen zu erkennen, dürfte ziemlich schwer sein. Man sollte die SCHRECKLICH NETTE FAMILIE deshalb nicht allzu ernst nehmen und sie stattdessen für die pure Unterhaltung zu schätzen wissen.
In der elften Staffel mit insgesamt vierundzwanzig Folgen ziehen die Autoren noch einmal alle Register, legen sie mit dem finalen Jahr eines der besten der Serie vor. Alleine schon die neue Aufteilung der Episoden, in denen der Vorspann erst nach einer kurzen Einführungspointe eingespielt wird, sorgt für frischen Wind in den letzten Abenteuern.
Beim Stoff der Folgen treibt man es mitunter bis an die Spitze und zum Rand der herrlichen Lächerlichkeit. Beispielsweise richtet Al im Zweiteiler AUTO AM TROPF eine Beerdigung für seinen heißgeliebten Dodge aus.
In EIN STÜCK VOM KUCHEN wohnt man einem weiteren Begräbnis bei und zwar dem von Als Lieblingsbäckerin Tante Maddy. Makabere Züge erhält das Ganze, als Al beschließt, ihren letzten Kuchen von der Beerdigung zu klauen.
Wer jetzt glaubt, Al hätte dadurch seine Seele verloren, der irrt gewaltig. Die verkauft er nämlich in TEUFLISCH GUT dem Teufel, der von keinem Geringeren als Robert "Freddy Krueger" Englund gespielt wird.
Den großen Höhepunkt bildet aber der Dreiteiler SCHEIDEN TUT WEH, in welchem Al seine jahrelangen Drohungen Peggy zu verlassen, wahr macht. Sind die Bundys in ihren letzten Drehtagen etwa getrennt? Das kann nur die DVD-Staffel beantworten, wenn man nicht schon die Endloswiederholungsschleife auf Kabel1 beigewohnt hat.
Einer Aufklärung bedarf diese Staffel aber noch, weil sie genauso kritikwürdig wie schleierhaft anzusehen ist. Die Sitcom, die elf lange Jahre lang als zu heiß fürs Fernsehen eingestuft wurde, zig Millionen Fans weltweit hat und deshalb längst Kultstatus erlangte, hat kein richtiges Ende! Die letzte Folge KUHHANDEL lässt den Abschied von der asozialen Bundy-Familie vermissen. Keine Finalstimmung, keine Retrospektive, kein nichts! Die Al-Bundy-Ära endet vollkommen ohne Rührseligkeiten und Paukenschlag. Anscheinend hatten die Schreiber nicht mit der Absetzung gerechnet, sodass EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE wohl für immer ungeschlossen bleibt...
--- Zur Präsentation auf DVD ---
Bis auf die haarsträubenden Abenteuer der Bundys und D'Arcys haben die DVD-Boxen nicht viel zu bieten. Insbesondere bei der Herausgabe der letzten Staffeln wurde an Bonusmaterial gegeizt bzw. es wurde gänzlich weggelassen. So findet man auch auf der vorliegenden Veröffentlichung wieder nur Trailer zu anderen Sony-Home-Entertainment-Produktionen und keinerlei Featurettes: schwach!
Wenigstens ist das Qualitätsniveau von Bild und Ton angesichts des nicht lange zurückliegenden Produktionsjahres 1997 deutlich höher als bei früheren DVDs der SCHRECKLICH NETTEN FAMILIE: ein kleiner Trost!
Optisch ist eigentlich nur die Erstauflage positiv zu erwähnen. Diese ist im aufklappbaren Digipack erschienen, während die jetzigen DVDs nur noch in einer schäbigen Plastikhülle mit aufgedrucktem FSK-Symbol auf dem Cover zu haben sind.
Nostalgiker dürften bestimmt nicht zuletzt den populären Titelsong LOVE AND MARRIAGE von Frank Sinatra vermissen, der aufgrund zu hoher Lizenzgebühren ab DVD-Staffel Drei durch ein ähnelndes Instrumental ersetzt wurde: damit muss der Fan leben; mehr als die ersten zwei Staffeln und die Best-Of-Box mit dem Originalsong bleiben ihm zu diesem Thema nicht übrig...
--- Einzel- und Gesamtbewertung ---
Staffel: viereinhalb von fünf (Top-Folgen, leider mit einem Finale, das keines ist)
Qualität Bild und Ton: vier von fünf (gutes Niveau wohl wegen den Spätneunzigern)
Bonusmaterial: ein von fünf (Trailer zählen einfach nicht!)
Gesamt: vier von fünf Sternen
--- Fazit ---
Wenn um EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE geht, nehme ich mir am liebsten die dritte und die elfte Season aus dem Schrank, da sie meiner Meinung nach das Beste aus beiden Welten bieten: Die dritte besticht durch vergleichsweise harmlose Witze in den Bundy-Evergreens wie z.B. DER KÖNIG DER KLOS oder SEX, VIDEO, AL UND PEGGY, wohingegen die elfte ganz und gar nicht bodenständig daherkommt und mit total verrückten Einzel-Episoden, neuem Look und Humor weit unterhalb der Gürtellinie glänzt, ganz nach der einfachen Divise "Wem's gefällt".
Leider wurde der kultigen Sitcom kein richtiges Ende bereitet, was mich als Fan der ersten Stunde ziemlich unbefriedigt zurücklässt. Zählt man dann noch die vor Mängeln nur so strotzende DVD-Präsentation hinzu, ergeben das zum Schluss nur vier Sterne.