"Eine offene Rechnung", im Original "The Debt", ist das Remake eines israelischen Filmes von 2007.
Da ich das Original nicht kenne, können Vergleiche damit von mir nicht gezogen werden.
Im Jahr 1966 sollen drei junge Mossad-Agenten (Sam Worthington, Jessica Chastain, Marton Csokas) in Ostberlin den ehemaligen KZ-Arzt Dr Vogel (Jesper Christensen) aufspüren und entführen, damit er in Israel vor Gericht gestellt werden kann.
Tatsächlich spüren sie Vogel auf, aber dann geht ihr so gut ausgeklügelter Plan gründlich schief, wobei die Unerfahrenheit der drei Agenten, insbesondere die der jungen Rachel, die unerwartete psychische und physische Stärke Vogels und amouröse Verstrickungen unter den Agenten eine entscheidende Rolle spielen.
Um dem Mossad gegenüber das Gesicht zu wahren, denken sie sich eine Geschichte aus, die die drei in der Heimat zu "Helden" werden lässt und schwören einander ewiges Stillschweigen.
Als Rachels Tochter rund dreißig Jahre später einen Roman über die Geschichte veröffentlicht, droht die Wahrheit ans Licht zu kommen und zwingt die drei Ex-Agenten (Helen Mirren, Tom Wilkinson, Ciarán Hinds), erneut tätig zu werden...
"Eine offene Rechnung" ist ein spannend gemachter Thriller mit gut getroffenem Zeit- und Lokalkolorit Berlins während des Kalten Krieges.
Dabei kann der Film zwar das Rad gut gemachter Thriller nicht neu erfinden (und hat dies wahrscheinlich auch nie beabsichtigt), vermag neben der spannend konstruierten Handlung aber vor allem mit hervorragender Besetzung (allen voran Helen Mirren und Jessica Chastain, die sich die Rolle der Rachel teilen, und Jesper Christensen als ehemaliger KZ-Arzt, der auch über zwanzig Jahre nach Kriegsende noch vor allem psychologische Stärke und Überzeugungskraft besitzt) und stimmungsvoller Atmosphäre zu überzeugen.
Die im Film dramaturgisch so wichtige Skurrilität einer innerstädtischen West-Berliner S-Bahn-Linie, die auch nach dem Mauerbau teilweise durch Ostberlin verlief, wo die im 20-Minuten-Takt verkehrenden Züge aber selbstverständlich nicht hielten, entspricht übrigens der Realität und die entsprechenden Szenen scheinen auch tatsächlich am Berliner Bahnhof Wollankstraße gedreht worden zu sein.
Erwähnenswert für Interessenten ist eventuell noch die Feststellung, daß es in dem Film nicht vordergründig um Kriegsverbrechen und die KZ-Thematik und auch nicht um die Geschichte des Mossad geht, sondern diese lediglich den Aufhänger für einen spannend konstruierten Thriller bilden.
Satte vier Sternchen und eine klare Empfehlung an alle Fans spannend gemachter Agenten-Thriller.
Abschließend noch ein Hinweis, diese Rezension bezieht sich (vorerst) ausschließlich auf den Film in der Kinofassung.