Pressestimmen
»Der Reiz der Latour’schen Kritik besteht gerade darin, dass sie nicht allzu rücksichtsvoll mit dem Überkommenen umgeht. Sie verspricht, den verschlafenen sozialtheoretischen Diskurs zu irritieren. An manchen Stellen des Buches meint man sogar zu spüren, wie der Autor selbst darüber staunt, wohin ihn seine Verve führt. Und Staunen und Irritation stehen ja bekanntlich am Anfang jeder Erkenntnis.« (Robin Celikates Literaturen )
»Beeindruckend ist, wie Latour auf eine Beschreibung des Sozialen drängt, die nicht länger von der Gesellschaft, sondern von Individuen ausgeht, denen es trotz aller Widerstände der Realität gelingt, neue kollektive Strukturen zu erzeugen, mit deren Hilfe sich der Umgang mit Differenzen und Konflikten auf halbwegs humane Weise bewältigen lässt. Der Bau intelligenter Netzwerke, den Latour vor Augen hat, erleichtert nicht nur eine »Kosmopolitik« der Verständigung zwischen westlichen und nichtwestlichen Kulturen, wie es am Schluß heißt. Er könnte auch dabei helfen, den längst fälligen Sprung über den Graben zwischen Akteuren und Systemen zu machen, den die Soziologie des vergangenen Jahrhunderts aufgerissen hat, die - nach einem anderen Buchtitel des Autors - nie wirklich »modern« gewesen ist.«
(Ludger Heidbrink
Die Zeit )
»Gerne konzediert man Latour den polemischen Übermut, mit dem dieses Buch geschrieben ist. und mit dessen Hilfe er sich vom Normalbetrieb eines Faches absetzt, das sich so empirisch wie kritisch mit einem Bild der Gesellschaft eingerichtet hat, das zunehmend folkloristische Züge trägt. Mit diesem Buch steht ein weiteres Mal vor Augen, wie groß der Unterschied ist zwischen der soziologischen Theorie auf der einen Seite, die in der Lage ist, sich und der Sache, um die es ihr geht, nie so ganz über den Weg zu trauen, und einer Sozialforschung auf der anderen Seite, die ihr Repertoire an Begriffen und Methoden nur bereithält, um den nächsten Gegenstand damit einzufangen und einzuordnen.«
(Dirk Baecker
Frankfurter Allgemeine Zeitung )
Kurzbeschreibung
"Man muß die Gesellschaft verändern" – diese Parole aus alter Zeit ist nach wie vor aktuell, denn die Gesellschaft, in der wir leben, ist voller Härte und Zumutungen. Aber um dies Veränderung zu ermöglichen, sollte man vielleicht erst einmal versuchen, den Begriff "Gesellschaft" zu verändern. Heute läßt sich ein immer größeres Auseinanderklaffen der Praxis der Soziologie, der Theorie der Politik und des Glaubens an die Idee der Gesellschaft beobachten. Um einen Ausweg aus dieser Krise zu finden, sollte, so die provokative These dieses Buchs, diese Spannung bis zum äußersten ausgereizt werden. Bruno Latour, der die etablierten Grenzen zwischenWissenschaft, Kultur, Technik und Natur eingerissen hat, schlägt vor, zwei unterschiedliche Konzepte von Gesellschaft zu unterscheiden. Der einen Auffassung zufolge ist "Gesellschaft" eine unveränderliche abstrakte Entität, die ihren Schatten auf andere Bereiche wirft: auf die Wirtschaft, das Recht, die Wissenschaft etc. Nach der anderen hingegen ist "Gesellschaft" notwendig instabil: eine Verbindung überraschender Akteure, die die einlullende Gewißheit, einer gemeinsamen Welt anzugehören, in Frage stellen. Die Analyse dieser unerwarteten Verknüpfungen höchst unterschiedlicher Bereiche, wie etwa zwischen Viren, Wissenschaftlern, Leidenschaften, Naturkatastrophen oder Erfindungen, ist nach Bruno Latour Aufgabe der Soziologie.