Vorab: V/H/S ist ein Found Footage Film, aber nicht einer von vielen, sondern etwas ziemlich besonderes - er erreicht sogar knapp meinen All-time-favorite ff-Film "Noroi - the curse". V/H/S ist keiner dieser Horrorfilme, die mit billigen Mitteln Spannung aufbauen, um den Zuschauer zu erschrecken, nein, V/H/S will nie einfach nur erschrecken - er will verstören und Angst einjagen und das gelingt ihm vor allem, weil er die Stilmittel des hier vorhandenen Setting PERFEKT ausnutzt.
Hartgesottene Horrorfans, die sich mal wieder ordentlich gruseln wollen sollten also garnichtmehr weiterlesen, sondern sich einfach unvoreingenommen überraschen lassen - denn auch wenn er einem doch garnicht gefällt - V/H/S ist eine bisweilen einzigartige Horrorerfahrung mit teils neuen Ideen und teils nicht ganz so innovativen Ideen, die aber dennoch bestechend gut in Szene gesetzt wurden. Und um kurz zu beweisen, dass ich nicht horrorfilmunerfahren bin und einfach leicht zu begeistern war hier ein paar meiner Lieblingshorrorfilme: (Martyrs, Noroi - the curse, Shutter (2004), Henjel gwa Geuretel (2007), [Rec], The Ring) In der Liste habe ich mal versucht nur Filme mit Gruselfaktor aufzuzählen und nicht nur reinen Gore, aber Splatterknaller wie Frontiers, Inside und High Tension sind mir auch nicht unbekannt. Noch ein Hinweis für Horrorfans denen das vorab schon wichtig ist: V/H/S geht stark ins paranormale, V/H/S geht von unheimlich subtil bis volle Breitseite Splatter, enthält aber, wie bereits erwähnt, keine dieser langweiligen Schockeffekte wie z.B. in Paranormal Activity.
Ich zum Beispiel habe mit einer Gruppe von Jugendlichen gerechnet die auf eine Snuff-Film Sammlung stoßen, die einfach kriminelle und brutale Aufnahmen beinhaltet, es kam aber ganz anders.
Eine kleiner Gruppe von Männern mittleren Alters brechen in das Haus eines, wie sich nachher rausstellt, scheinbar toten Mannes, der vor mehreren flimmernden Fernsehern sitzt. Es hat den Anschein, dass sie auf der Suche nach der V/H/S-Snuff Sammlung des Mannes sind, denn sofort durchforsten sie die Kasetten und schauen ein paar davon an - welche dann eben auch der Zuschauer zu sehen bekommt. Hinter dieser "Haupthandlung" kommen nun auch 5 Segmente in Form dieser Videokasetten, die einer der Charaktere abspielt, um das zu finden, was sie suchen. Durch den gesamten Film ist es schwer eine klare Struktur und Zusammenhänge zu erkennen, das muss man aber auch nicht, in V/H/S geht es nicht zwingend um den Inhalt, sondern mehr um die Wirkung, die sich durch die Machart entfaltet - denn so eine Snuff-Kassetten-Sammlung an sich alleine ist unheimlich und verstörend genug. Viele Inhalte werden dem Zuschauer zur Interpretation überlassen, aber warum hat man überhaupt immer den Anspruch darauf alles verstehen zu müssen? Darum geht es doch beim Paranormalen, dass man es nicht versteht und überhaupt, diese Frage sollte man sich wirklich mal stellen. Man muss nicht immer alles verstehen, lasst es einfach auf euch wirken. Wenn dein Interesse geweckt wurde solltest du nun wirklich aufhören zu lesen.
Episodisch kommen nun also mehrere Geschichten zum Vorschein, mein unangefochtener Favorit der Kurzfilme beinhaltet einen weiblichen Dämon, einen Sukkubus, eine dämonische Form, die man in Filmen recht selten zu Gesicht bekommt - umso begeisterter war ich, als das dann auch noch meisterhaft gut war, ohne zu übertreiben! Weiter geht es mit japanoähnlichem Geisterhorror, Slenderman-Legenden ähnliche Folklore und ähnlichem, eigentlich alles was ein Horrorfilm haben kann, einfach perfekt. Trotz dem offenbar geringen Budgets entstehen keine Effektschwächen, nein, die Spezialeffekte sind wirklich ordentlich und handwerklich einwandfrei. Der Film sollte denke ich auch laut geschaut werden - ein lauter und leiser drücken verdirbt einem nur einiges, also gebt euch die volle Dröhnung für den maximalen Effekt!
Fazit: Nichts für Pedanten, die hinter allem einen Anspruch darauf haben ALLES verstehen zu müssen - aber eine Bereicherung für Horrorfans, die sich auf diese verstörenden und unheimlichen Aufnahmen einlassen können, denn schafft man das lohnt es sich! V/H/S hat alles was ein Horrorfilm braucht und nutzt sein Setting als Found-Footage-Snuff-Paranormal Film wirklich, ohne zu übertreiben, perfekt aus. Trotz geringem Budget entstehen keine Effektschwächen, hier wurde wirklich ordentliche Arbeit geleistet, man merkt einfach, dass die Macher NICHT auf den - minimales Budget, maximales Einkommen found footage - Zug á la Paranormal Activity aufspringen wollen, sondern dass sie wirklich terrorisierenden Horror erschaffen wollten - hätten sie es auf Einkommen abgesehen wäre der Film viel weniger verstörend ausgefallen, um sich dem Mainstream anzupassen - denn hier sei zu sagen, V/H/S ist durchaus auch nur für hartgesottene Fans, Splatter ist hier vorhanden, aber diese Gewalt lässt entgegen anderer Splatterfilme wie Frontiers, Saw o.ä. nicht jeglichen Horror wegfallen, nein, V/H/S kann auch subtil sein und verdammtnochmal unheimlich.
Gesehen habe ich den Film im O-Ton. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die deutsche Synchro, falls eine solche herauskommt, an den OTon rankommt, ich empfehle also jetzt schoneinmal den Film in der Originalfassung anzusehen, genaueres editiere ich aber bei Release dazu.
5/5 Videokasetten!