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5.0 von 5 Sternen
Eine lange Flucht aus Ostpreussen,
Rezension bezieht sich auf: Eine lange Flucht aus Ostpreußen (Gebundene Ausgabe)
Das Ende des 2. Weltkriegs schuf eine Anomalität, die heute nach fast 70 Jahren der jüngeren Generation kaum bekannt ist. Das am weitesten nach Osten reichende Land des ehemaligen deutschen Reiches, Ostpreußen, wurde geteilt. Der südliche Teil wurde polnisch, der nördliche Teil einschließlich der Hauptstadt Königsberg russisches Staatsgebiet.In den letzten Jahren wurde das Interesse an Ostpreußen und andere ehemals deutsche Gebiete wieder geweckt. Es begann wohl mit den Erinnerungen von Marion Gräfin Doenhoff 'Kindheit in Ostpreußen' (1988). Gunter Nitsch erinnert sich ebenfalls an Ostpreußen, allerdings auf eine andere Art. Er beschreibt mit den Augen eines Kindes den Fluchtversuch aus dem russischen Teil, das Zusammenleben mit den russischen Zuwanderern und dann die Übersiedelung nach Westdeutschland. Es ist ein sehr persönliches Buch. Für mich ist die Großmutter die zentrale Figur, die die Familie kompromisslos zusammenhält und das Überleben ermöglicht. Sein Erinnerungsvermögen ist phänomenal, immerhin war der Autor im Jahr 1945 erst 7 Jahre alt. Die akribische Beschreibung der elenden Zustände und die klaren Dialoge der Betroffenen sind bemerkenswert. Seine Worte über die zugewanderten Russen sind nicht anklagend, sondern beschreiben einen Sachverhalt, mit dem die zurückgebliebenen Deutschen zu leben hatten. Wer könnte auch anklagen, wenn man sich das Verhalten der deutschen Besatzung in Polen, Russland, der Ukraine und anderen Staaten vor Augen hält. Gunter Nitsch ist Chronist einer Vergangenheit, die lange verdrängt wurde. Er hat ein zeitgeschichtliches Dokument geschaffen, das einen festen Platz in der Literatur über die ehemaligen deutschen Ostgebiete gefunden hat. Ich empfehle sein Buch, ebenso die Fortsetzung 'Stretch: Coming of Age in Post-War Germany', die sein Aufwachsen in Westdeutschland bis zu seiner Auswanderung in die USA schildert. (Liegt noch nicht in deutscher Übersetzung vor.) Chris Dreher St. Gallen Schweiz 2/20/2012 Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Eine lange Flucht aus Ostpreußen,
Rezension bezieht sich auf: Eine lange Flucht aus Ostpreußen (Gebundene Ausgabe)
Ein bis zur letzten Seite spannendes Buch; erlebte Zeitgeschichte,die so in keinem Geschichtsbuch steht! Gunter Nitsch, 1937 in Königsberg geboren, jetzt Chicago, erzählt mit einem Abstand von mehr als 50 Jahren aus Kindertagen in der Zeit von 1944 bis 1950 glaubwürdig und präzise, was sich so fest in sein Gedächtnis eingebrannt hat: sein Überlebenskampf und der seiner nächsten Angehörigen. Vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des deutschen Reiches, der militärischen Niederlage an allen Fronten, riesiger Zerstörungen von Städten und Anlagen, Millionen Toter, dramatischer Flucht und endgültiger Ausweisung aus den Ostgebieten, steigt sein Alltag aus der Erinnerung heraus. Die Flucht mit Mutter, Bruder und Großeltern mit Pferd und Wagen nach Westen - der Vater ist Soldat und lange verschollen - ist zunächst kurz, sie endet bereits an der Ostsee. Die Familie bleibt im nachfolgend russisch besetzten Ostpreußen, sie erleidet Hunger, Krankheit, äußere Not; der Tod ist immer wieder nahe. Mit beachtlicher Erzählkunst und tiefem Einfühlungsvermögen beschreibt G.N. die aufopferungsvollen Leistungen insbesondere seiner Mutter, die Zwangsarbeit erdulden muß, und von Opa und Oma. Ihnen allen gibt er nochmals Stimme, ihnen setzt er ein bleibendes Denkmal. Er selbst ist als älterer Sohn besonders gefordert. er muß täglich mithelfen, muß Holz für den Küchenherd sammeln, ebenso Eßbares, muß Brot erbetteln. Der Schulbesuch ist unterbrochen, zum Spielen ist weder Zeit noch Platz noch Material. Jeder Tag verlangt Pflichtgefühl, sprich Gehorsam, Mut, Entschlossenheit. Es heißt: er "reift". Gott sei Dank, dass es eine bessere Zukunft in der Bundesrepublik Deutschland und für G.N. später in den USA gibt. Insgesamt hat mich das Buch sehr berührt und an ein eigenes Ergehen im polnisch besetzten Pommern erinnert. Es könnte Anregung zum Schreiben sein... Empfehlen möchte ich es den Nachgeborenen, die das Glück gehabt haben, in Frieden, Freiheit und Wohlstand aufzuwachsen und zu leben. Der Wiederaufbau ist hart erabeitet worden, die Beseitigung der Ruinen ein langer Weg gewesen. Das darf nicht vergessen werden und ebensowenig das, was wir unseren Eltern verdanken. Diesen Dank richte ich hiermit auch an Gunter Nitsch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Eine abenteuerliche Flucht,
Rezension bezieht sich auf: Eine lange Flucht aus Ostpreußen (Gebundene Ausgabe)
Es übersteigt jede Vorstellungskraft. Die Front kommt näher. Eine Familie bestehend aus Großeltern, Mutter, kleinerem Bruder und dem Icherzähler, einem Jungen von 7 Jahren, fliehen auf einem mit 2 Pferden bespannten Holzfuhrwerk. Es ist ein Treck voller Schrecken bei eisiger Kälte über das nicht ganz zugefrorene Meer begleitet von tausenden anderer Menschen, die ebenfalls fliehen. Weggeworfene, überflüssig gewordene Gegenstände des täglichen Lebens, tote Pferde, ja sogar tote Menschen und auch Kinder liegen am Wegesrand.Die Familie schafft es nicht zu entkommen. Sie wird von der Front eingeholt und findet eine vorläufige Bleibe. Neue Gefahren drohen. Soldaten bedrohen besonders die Frauen. Wo soll Holz geholt werden, um Feuer zu machen, wo ist etwas Essbares aufzutreiben, um eine ganze Familie satt zu bekommen, wie kann man Kleider und Schuhe flicken, wie ist eine Toilette zu ersetzen. Menschen verhungern, darunter der geliebte Großvater. Die Kinder verwildern. Wie durch ein Wunder überlebt der Rest der Familie. Getragen von einem unerschütterlichen christlichen Glauben und geführt von der Mutter und der Großmutter als alle überragende Persönlichkeiten, die alles tun, um die Familie durchzubekommen, kommt schließlich die unverhoffte Rettung. Die Familie darf in den goldenen Westen ausreisen. Der Autor des Buches hat alles an eigener Haut erlebt. Der Bericht wirkt authentisch und geht unter die Haut. Es wird daran erinnert, dass es einmal ganz anders war. Es gilt die heutigen Werte Frieden und Menschenwürde zu verteidigen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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