Reichholf gelingt es, in einer sehr gut verständlichen Sprache und Gedankenführung einen Streifzug durch die Naturgeschichte des letzen Jahrtausends vorzulegen. Sein Schwerpunkt liegt auf Europa, aber er wendet den Blick auch immer wieder auf die gesamte "globalisierte" Welt. Die Fakten und Entwicklungen, die er aufzeigt und ausführlich darlegt und begründet, sind immer wieder überraschend: das mediterrane Mittelalter, der von Lachsen überquellende Rhein, die schmelzenden und sich wieder aufbauenden Gletscher der Alpen - alles zeigt deutlich, wie sehr die Natur, das Klima, die Erde insgesamt in einer andauernden Veränderung begriffen sind. Es gibt keinen festen Normal-Status, keinen Stillstand, sondern nur eine ständige Änderung, Anpassung der Lebenswelten, Zunehmen, Abnehmen, Weichen und Wachsen.
Reichholfs Blick zurück lehrt die Gegenwart besser zu verstehen und auch die Zukunft gelassener einzuschätzen. Statt der verbreiteten Katastrophen-Hysterie ("Klimakatastrophe") ist der Blick zurück in die Vergangenheit der letzten Jahrhunderte und Jahrtausende sehr lehrreich. Er zeigt, welche Veränderungen unsere Erde und der Lebensraum in Mitteleuropa durchgemacht haben, welchen Herausforderungen Pflanzen, Tiere und Menschen immer wieder gegenüberstanden und wie die Kulturgeschichte nicht ohne die Naturgeschichte verständlich ist.
Das Buch ist sehr lesenswert, wirklich bedenkenswert und äußerst empfehlenswert!