Sechs komma zwei Millionen!
Die gewinnt der Held aus Thommie Bayers neuem Roman "Eine kurze Geschichte vom Glück" Robert Allmann im Lotto.
Das ist der Auftakt eines ganz wunderbaren Buches, das mich vom ersten Satz in seinen Bann zog und begeistert hat.
Robert Allmann ist eine ungeheuer sympathische Figur:
Er ist etwa Mitte vierzig, freier Autor, hat desöfteren sein Konto überzogen und weiß eigentlich ganz genau, wie Glück geht! Denn er lebt ein schönes Leben, hat viele Interessen, einen wachen Blick für die alltäglichen Freuden. Er ist verheiratet mit Regina, die er sehr liebt. Sie ist Ärztin, arbeitet zu viel und verdient zu wenig. Und während Robert am Küchentisch darüber nachsinnt, dass das Leben eigentlich zu kurz ist, um schlechten Wein zu trinken, kommt die Nachricht, die sein Leben auf den Kopf stellen wird: Die Mitarbeiterin der Lotto-Gesellschaft gratuliert zum Gewinn von 6,2 Millionen.
Was macht Robert Allmann? Er geht erst mal an die frische Luft, überlegt und verwirft tausend Dinge, die man mit so viel Geld plötzlich ohne Aufschub machen könnte.
Und bleibt doch gelassen, sieht erst mal zu, was die Nachricht mit ihm macht, gibt den Bettlern zehn Euro und kauft ein. Für Regina, die er am Abend mit dieser Nachricht überraschen will.
Und dann kommt alles ganz anders...
Etwas mehr als sehr kurzweilige zweihundert Seiten erleben die Leser das ständige Wechselbad von Robert Allmanns Gefühlen.
Unangestrengt und souverän erzählt Thommie Bayer von einer Ausnahmesituation, für die sich wahrscheinlich jeder gerne mal zur Verfügung stellen würde.
Er erzählt aber auch vom Unglück im Glück, wie sich Prioritäten verschieben, wie Euphorie und Lähmung einander abwechseln.
Es ist ein sehr unangestrengt und souverän erzähltes Buch. Und diesen Robert Allmann würde man auch ohne seine 6,2 Millionen sicher sehr gerne mögen!