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Streifzüge durch das Abendland: Europa für Anfänger und Fortgeschrittene von Bill Bryson |
Streiflichter aus Amerika: Die USA für Anfänger und Fortgeschrittene von Bill Bryson |
Die sieben größten Rätsel der Wissenschaft. .und wie man sie versteht von David E. Brody |
von Bill Bryson
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Eine kurze Geschichte von fast allem ist längst ein Weltbestseller, und das hat viele Gründe: Bryson schreibt humorvoll statt nüchtern, persönlich statt abstrakt, charmant statt hölzern, anschaulich statt hochgestochen. Und nicht zufällig beginnt sein Buch mit einem Kindheitserlebnis: Wissenschaftliche Neugier treibt schließlich jedes Kind um, das sich fragt, woher man weiß, dass die Erde innen flüssig ist, und ob es wohl irgendwo im All Außerirdische gibt.
Jetzt können endlich auch junge LeserInnen ab zehn Jahren in ihrem eigenen „Bryson” schmökern. Dafür wurde die „Erwachsenenausgabe” zum einen hervorragend gekürzt – man vermisst kaum Informationen, sogar wenn man beide Ausgaben nebeneinander liest – und zum anderen herrlich illustriert. Jede Doppelseite bildet nun eine gut strukturierte, übersichtliche inhaltliche Einheit. Brysons Humor wird dabei durch die Illustrationen und Fotos wunderbar unterstützt. Aber vor allem machen die Bilder die Informationen (vor allem die sehr abstrakten) noch anschaulicher und damit verständlicher. Und sie geben zahlreiche „versteckte” Informationen (zum Beispiel zur Epoche, in der ein Forscher gelebt hat), auf die man ansonsten viel Text verwenden müsste.
Das klingt nicht nur gut, es ist schlichtweg DIE ideale Lösung für ein populärwissenschaftliches Buch: Text und Bild ergänzen sich, lassen einen staunen, lachen und verstehen. Deshalb sollten nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, die sich für „fast alles” interessieren, zu dieser Ausgabe des Bestsellers greifen. Denn warum sollte man darauf verzichten, Informationen in der bestmöglichen Form präsentiert zu bekommen, nur weil man kein Kind mehr ist? -- Gabi Neumayer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Alles fing mit einer tückisch einfachen Frage an: Wieso ist eigentlich das Meer salzig, und wieso wird es mit der Zeit nicht immer salziger?
Bill Bryson hatte keine Ahnung. Dabei war der Amerikaner als Bestsellerautor von Reisebüchern weit herumgekommen. Schwer bepackt mit Rucksack und Zelt war er der Länge nach dem Appalachen-Gebirgszug im Osten der USA gefolgt. Kreuz und quer war er durch Europa gestreift, von Hammerfest bis Capri, von London bis Istanbul. Auch Australien hatte er bereist.
Doch eines Tages, als er wieder einmal im Flugzeug saß und aus dem Fenster blickte auf den Pazifik tief unten, entdeckte er plötzlich Neuland: die wunderbare Welt der Wissenschaft.
Warum ist das Meer salzig? Bryson wusste es nicht. Und schlimmer noch: Je mehr er grübelte, desto mehr Fragen tauchten auf: Wie schwer ist die Erde, wie alt ist das Universum, und wie jagen Forscher den Antworten nach?
Bryson beschloss, das Neuland zu bereisen. Es sollte seine langwierigste Expedition werden. Drei Jahre lang las er alles, was er bekommen konnte über Chemie, Geologie, Biologie, Astronomie und noch eine Handvoll weiterer Fächer. Und schrieb das bislang beste Buch seiner Karriere: ein kurzweiliges Überblickswerk, das selbst die trockensten Lehrbuchweisheiten so lebensprall erzählt, dass sie fast wie Science-Fiction-Märchen erscheinen.
Die Leser zum Beispiel begrüßt er mit einer Gratulation: Willkommen. Und herzlichen Glückwunsch. Damit Sie da sein können, mussten sich zunächst einmal ein paar Billionen unstete Atome auf raffinierte, verblüffend freundschaftliche Weise zusammenfinden und Sie erschaffen. Es ist eine hoch spezialisierte, ganz besondere Anordnung sie wurde noch nie zuvor ausprobiert.
Millionen von Lesern aus aller Welt ließen sich und ihre Atome nur all zu gern auf diese Reise ins Wunderland ihres eigenen Körpers und der Naturwissenschaften mitnehmen. Monatelang hielt sich das Buch auf den Bestsellerlisten.
Ein ganz und gar erstaunlicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass Bryson nicht nur ein kompletter Außenseiter im Wissenschaftsbetrieb ist, sondern auch noch ausgiebig damit kokettiert, wie wenig er von dem versteht, über das er schreibt: Ich war nie gut in Chemie oder Physik als Kind. Ich habe das nie kapiert. Selbst jetzt, nachdem ich dieses Buch geschrieben habe, würde ich, wenn ich in einem Physik-Seminar an der Uni sitzen würde, ab der dritten Woche nichts mehr kapieren, und müsste meinen Sohn darum bitten, mir bei den Hausaufgaben zu helfen.
Doch die demonstrative Naivität der scheinbaren Außenseiterrolle liegt derzeit im Trend: Wenn der britische Stand-up-Comedian Mark Steel in Vive la Revolution über die Französische Revolution schreibt, ist das gleichzeitig lebendig dargestellt, brillant argumentiert, und irrsinnig komisch. Er selber bezeichnet das als Stand-up History. Und wenn der amerikanische Autor David Brill in Desire & Ice über seine Besteigung des Denali berichtet, immerhin der höchste Berg Nordamerikas, setzt er dabei auf Slapstick statt Heroismus.
Diese Form des komischen Sachbuchs hat noch keinen Namen, aber man könnte sie als Comic Nonfiction bezeichnen, denn vor allem in der englischsprachigen Welt gibt es davon etliche Beispiele und eine lange, ehrwürdige Tradition. Mark Twain zum Beispiel kann als einer der Väter dieses Genres gelten, mit Reisebuchklassikern wie Die Arglosen im Ausland, in dem er 1869 die Bildungsreise frömmelnder Pilger ins Heilige Land zwar mitmacht aber gleichzeitig verulkt als Trauerzug ohne Leiche.
Seit Mark Twain ist das Rezept der Comic Nonfiction ähnlich geblieben: Man nehme ein Thema der Hochkultur, sei es Alpinismus, Allgemeinbildung oder Religion, ersetze Pomp durch Ulk, und schon ergibt sich eine reizvolle Fallhöhe, in der Fakten und Pointen um die Wette Purzelbäume schlagen. Hierzulande dagegen dominieren bei Bildungsthemen oft immer noch der Ruf nach Disziplin, Fleiß und Parolen wie Schluss mit lustig. Besonders beliebt scheint der professorale Ton, wie ihn zum Beispiel der inzwischen verstorbene Dietrich Schwanitz (Bildung) oder Ernst Peter Fischer pflegen (Die andere Bildung). Während Schwanitz dem Leser so etwas wie einen Spickzettelkasten für gelehrten Smalltalk unterbreitet, ähnelt Fischers Buch einem empfindsamen Groß-Essay. Viel zu lachen gibt es bei beiden nicht.
Brysons Ton ist anders: frisch, naiv, respektlos. Seine Methode ist nicht Belehrung sondern Staunen. Alles, was man wissen muss, heißt es bei Schwanitz schulmeisterlich im Unter¬titel; Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte, tönt Fischer mit moralischem Unterton. Brysons Unterzeile dagegen könnte lauten: Alles, was ich schon immer wissen wollte, aber mich nie zu fragen traute, weil ich dann als dumm gelten könnte. Aber egal, dann mache ich mich eben zum Trottel, um genau das Dir, lieber Leser, zu ersparen.
Auch Bücher haben ihre Geschichte, und Brysons Bestseller ist ein Beleg dafür, wie weit man es mit Dreistigkeit und Neugier auch und gerade als Fremder im Neuland bringen kann. Diese Erfahrung machte der junge Bryson schon auf seiner ersten großen Reise. Geboren 1951 und aufgewachsen in dem Provinzkaff Des Moines in Iowa, brach William McGuire Bryson mit 20 Jahren in die weite Welt auf.
Aber kaum war er als Rucksacktourist in England gelandet, verliebte er sich in eine Krankenschwester, gründete mit ihr eine Familie und wurde vierfacher Vater. Seine Eltern waren beide Journalisten, und so begann auch er zu schreiben, erst für Zeitungen wie dasBournemouth Evening Echo, dann für die Times und den Independent. 1995 hatte er seinen Durchbruch mit dem Buch Reif für die Insel, in dem er liebevoll über die Schrulligkeiten der Engländer herzieht. Die nahmen es mit Humor. Und wählten den Reisebericht ein paar Jahre später zum Buch, das England am besten beschreibt.
Immer wieder brach Bryson zu ausgiebigen Reisen und Auslandsaufenthalten auf und schrieb seine Erlebnisse zu launigen Anekdotensammlungen zusammen einige davon gelten heute als Klassiker der komischen Reiseliteratur, zum Beispiel Picknick mit Bären.
Dabei eignet sich der brysoneske Humor eher für grobmotorische Lachmuskeln, einige seiner Sottisen über dicke Amerikaner, dumme Zeitgenossen und hässliche Shopping-Malls scheinen wie von einem vollautomatischen Brysomat vorgestanzt zu sein. Als ihm in Belgien ein Bier angeboten wird, notiert er: Ich überlegte, woran mich das Bier erinnnerte, und kam schließlich darauf, dass es einer riesigen Urinprobe ähnelte, vermutlich der eines Elefanten. Good, yes? fragte der Belgier.
Darüber kann man sicher herzlich lachen muss man aber nicht. Viele seiner Pointen richten sich gegen Ignoranz, Denkfaulheit und Kommerz. Der Erzähler in Brysons Büchern entpuppt sich immer wieder als eine Kippfigur, die man als Humoralist bezeichnen könnte ein Moralist, der seine Strafpredigten in Humor kleidet.
Er spielt gerne den Teddybär, kommentierte der Independent einmal, aber dann teilt er plötzlich einen Hieb aus wie ein Grizzlybär. In seinem Buch Wo, bitte, gehts nach Domodossola? zum Beispiel brandmarkte er den damaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim wegen seiner Nazivergangenheit als pathologischen Lügner und resümierte: Es muss schon ein ganz besonderes Volk sein, das einem solchen Mann die Treue hält. Ausgerechnet diese Seite fehlte in der deutschsprachigen Erstausgabe Schuld sei ein sogenannter Schimmelbogen, redete sich der Verlag heraus. Es war wohl eher ein Schummelbogen, mutmaßte daraufhin der SPIEGEL. Und Bryson suchte sich einen anderen Verlag, der das Buch unter dem Titel Streifzüge durch das Abendland herausbrachte, fast unzensiert. Der Begriff pathologischer Lügner allerdings ist auch in dieser Ausgabe unauffällig herausgekürzt.
Schon vor seinen großen Verkaufserfolgen gab er seine Arbeit als Tageszeitungs-Journalist auf, und wurde hauptberuflicher Reisehumorist. 1995 zog er mit seiner Familie in die USA um. Als er acht Jahre später wieder reif für die Insel war und nach Jolly Old England zurückkehrte, wurde er von seinen britischen Fans jubelnd begrüßt wie ein lange vermisster Freund. Er bemühte sich sogar um die britische Staatsbürgerschaft.
Die wundersame Verwandlung vom Reiseautor zum Edutainment-Star kam jedoch nicht völlig überraschend. Denn Bryson hatte schon immer ein Faible für Bildungsthemen. Sein erstes Buch erschien 1984, eine relativ trockene Sprachfibel. 1990 legte er mit Mother Tongue nach, in dem er die Geschichte der englischen Sprache auf unterhaltsame Weise erzählt. In diesem Buch lässt sich bereits die Blaupause für die Kurze Geschichte erkennen: Es beginnt mit dem Neandertaler und der Urgeschichte der Sprache, bietet unendlich viele Anekdoten, endet mit einem Lob der linguistischen Artenvielfalt und ist dabei etwas oberflächlich, wie die Zeitschrift Publishers Weekly mäkelte zu Recht.
Doch erst mit Erscheinen der Kurzen Geschichte outete sich Bryson auch vor einem größeren Publikum als bekennender Bildungsbürger. Die stereotypen Witze über Dicke zum Beispiel tauchen in der Kurzen Geschichte nicht mehr auf vielleicht auch deshalb, weil Bryson mit seinem Bäuchlein mittlerweile selber wie eine der Couch Potatoes aussieht, die er früher verhöhnt hat.
Vor allem aber dürfte Brysons neue Versöhnlichkeit damit zusammenhängen, dass er nun endlich sein bildungsbürgerliches Programm nicht mehr ex negativo durch Meckerei formulieren muss, sondern sich einfach verzaubern und hinreißen lässt.
Wer die kurze Geschichte aus dieser Perspektive liest, kann Erstaunliches entdecken. Der amerikanische Humorist scheint im Kern weniger dem großen Vorläufer Mark Twain verpflichtet. Sondern eher Wilhelm von Humboldt und seinem Ideal der Bildung als Selbstzweck. Der lernende Mensch, so Humboldt, versuche, soviel Welt als möglich zu ergreifen und so eng, als er nur kann, mit sich zu verbinden.
So viel Welt als möglich zu ergreifen, dieser Maxime folgt auch Bryson, und das liest sich dann so: Jedes Atom in einem Menschen hat wahrscheinlich schon Aufenthalte in mehreren Sternen hinter sich und war auf dem Weg zu seiner jetzigen Position schon Bestandteil von Millionen Lebewesen. Jeder von uns besteht bei seinem Tod aus so vielen ständig wieder verwerteten Atomen, dass eine beträchtliche Zahl davon nach manchen Schätzungen bis zu einer Milliarde in jedem Menschen vermutlich einst zu Shakespeare gehörte. Jeweils eine weitere Milliarde stammt von Buddha, Dschingis Khan und Beethoven oder jeder anderen historischen Gestalt, die uns einfällt.
Wilhelm von Humboldt empfahl das Studium der griechischen Antike als ideales Mittel, um Menschen zum Menschsein zu erziehen. Denn, so Humboldt, die alten Griechen zeigten ein treueres Bewahren der kindlichen Einfachheit und Naivetät. Und genau diese Naivetät ist es, der Bryson in seinem Buch nachspürt.
Dies Experiment gelingt nicht immer. Fast alle Wissenschaftler, die er porträtiert, erscheinen als eigenartige Kauze. Der Geologe und Geistliche William Buckland zum Beispiel hegte den Wunsch, jedes Tier aus Gottes Schöpfung einmal zu essen, erzählt Bryson: Je nach Laune und Verfügbarkeit ließ Buckland seinen Gästen gebratene Meerschweinchen, Mäuse im Bierteig, gegrillte Igel oder gekochte südostasiatische Meeresschnecken vorsetzen. Nur Maulwurf mundete ihm nicht. Auch Newton wird als ziemlich verschroben beschrieben, ebenso Einstein.
Die spontane Ursprünglichkeit, die Humboldt in den Tempeln der Antike sucht, findet Bryson in den Labors der Neuzeit. Die kauzigen Forscher, die der Wahrheit nachstellen, indem sie Mäuse im Bierteig backen, scheinen für ihn eben jene Naivetät zu verkörpern, die er auch hemmungslos nostalgisch in seiner 2006 erschienenen Autobiografie besingt (The Life and Times of the Thunderbolt Kid): Mit zehn Jahren wusste ich mehr als zu irgendeinem späteren Zeitpunkt. Ich kannte den Schmerz, wenn man im Mund einen getoasteten Marshmallow hat, dessen Inneres ungefähr die Temperatur und Zusammensetzung von Magma hat. Schade nur, dass er damals Bucklands Rezept für gegrillte Igel noch nicht kannte.
Brysons Überhöhung der kindlichen Naivetät ist jedoch mehr als ein Pointengenerator. Es ist ein wissenschaftspädagogi¬sches Programm, das zum Selbermachen anregt. Durch die Überfülle an Anekdoten schützt Bryson die Schönheit seiner Fragen gegen vorschnelle Antworten, frei nach dem Motto: Was bekannt ist, wird nicht erkannt. Was für ihn zählt, sind kreative Lösungswege, je abenteuerlicher, desto besser. Am liebsten kartiert er die Irrwege und Umwege zum Wissen.
Der Forscher J.B.S. Haldane zum Beispiel erforschte das Verhalten des menschlichen Körpers unter extremen Druckbedingungen am liebsten an sich selbst. Mal explodierten ihm beim zu schnellen Aufstieg aus dem tiefen Wasser seine Zahnfüllungen, mal fiel seine Lunge zusammen, erzählt Bryson genüsslich. Und als sich Haldane ein Loch im Trommelfell zuzog, notierte der Forscher, dass er dadurch zwar ein wenig schwerhörig sei, aber dafür kann man Tabakrauch aus dem fraglichen Ohr blasen, und das ist eine soziale Errungenschaft.
In derlei Anekdoten verpackt, kommen die Wissensinhalte selbst fast beiläufig daher, manchmal sogar leicht unsortiert. Aber das stört nicht weiter. Schließlich ist für Bryson der Erkenntnisweg selbst schon das Ziel.
Warum zum Beispiel ist das Meer salzig, und warum wird es nicht immer salziger? Diese Ausgangsfrage wird eher beiläufig beantwortet im Kapitel Die elementare Verbindung: Das Salz wird von den Flüssen in die Meere gespült, wo es sich anreichert, weil ein Teil des Wassers verdunstet. Und dass das Meer nicht immer salziger wird, dafür sind Unterwasservulkane maßgeblich verantwortlich, die das Wasser, das beim Einsickern in die unterseeische Erdkruste vom Salz gereinigt wurde, wieder ausspeien, fast wie die Filter in einem Fischbecken.
Und die Moral von der kurzen Geschichte? Im 30. und letzten Kapitel erzählt Bryson nicht etwa vom Ende der Schöpfung durch eine Supernova oder eine andere galaktische Katastrophe. Sondern der Humoralist liest dem geneigten Homo sapiens noch einmal ordentlich die Leviten in Sachen Artenschutz: Möglicherweise sind wir die höchste Leistung im Universum des Lebendigen und gleichzeitig sein größter Albtraum.
Mit seinem Neo-Humboldtianismus traf Bryson einen Nerv auch in der Scientific Community selbst. Er wurde mit Ehrungen überhäuft, darunter der Aventis- und Descartes-Preis. Die in London ansässige Royal Society of Chemistry benannte sogar eine Auszeichnung nach ihm, den Bill Bryson Prize. In einer Dankesrede sagte er: Noch nie ist jemand so reichlich belohnt worden für sein Unwissen.
Und das war nur der Anfang. Er bekam nicht nur einen Ehrendoktor von der renommierten Universität Durham verliehen. Sondern auch gleich noch den Job als Unikanzler. So kam es, dass der kleine Lausebengel von einst aus Des Moines, Iowa, heute als Dr.h.c. William McGuire Bryson eine alteuropäische Universität repräsentiert. Nicht trotz seiner Kindheit als tom-sawyeresker Träumer, sondern gerade weil er sich und seine Leser so gerne an die Wunder der Kindheit erinnert.
Nach seiner erfolgreichen Einbürgerung in das Uni-Versum wurde er natürlich immer wieder gefragt, ob er nach seinem Naturwissenschaftsbuch als Nächstes plane, auch dem Kanon der Kunst und Philosophie eine Frischzeilenkur zu verpassen.
Über Spinoza würde ich nur unter einer Bedingung schreiben, antwortete der Doktor humoris causa auf diese Frage: Nur wenn es sich dabei um einen spanischen Drink handelt. Klingt fast wie die Ankündigung seines nächsten, saukomischen Bildungsbuches.
Nachwort von Hilmar Schmundt zu Eine kurze Geschichte von fast allem. SPIEGEL-Edition Band 36
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