Die Autorin Albertine Sprandel und der Fotograf Volker Miosga nehmen den Leser mit auf eine kulinarische Reise durch Bayerisch- Schwaben.
Zu Beginn des Buches kann man sich anhand einer Karte einen Überblick über die beschriebene Region verschaffen. Die Zahlen dort sind identisch mit den Seitenzahlen der einzelnen Betriebe in diesem Buch und bezeichnen ihre Lage in der Region.
Thematisiert werden Landschaften, Städte, kleinere Orte und Sehenswürdigkeiten in Bayerisch-Schwaben, hauptsächlich allerdings urige Landgasthöfe, lukullische Perlen und herrschaftliche Schlossrestaurants in dieser traumhaften Gegend.
Viele der vorgestellten Restaurants warten mit einem Rezept aus der jeweiligen Küche auf, sodass man sich eine konkrete Vorstellung von dem machen kann, was man kulinarisch zu erwarten hat.
Die Rezepte sind gut nachvollziehbar beschrieben und lassen sich einfach nachkochen. Umfangreiches Bildmaterial sorgt für einen guten visuellen Eindruck von all dem, was textlich näher beschrieben wird.
Sprandel beginnt ihre Reisebeschreibung in Augsburg. Dort hat einst der Handelsherr Jakob Fugger, der Komponist Leopold Mozart und der Schriftsteller Bert Brecht gelebt.
Einen herausragenden Ruf hatte auch der Stadtbaumeister Elias Holl, der das Stadtbild des 17. Jahrhunderts mit Bauten wie dem Rathaus mit dem goldenen Saal und dem Perlachturm prägte. Sehenswert sind die Annakirche mit der Fuggerkapelle, das berühmte Fuggerhaus aber auch das Maximilianmuseum mit der Brunnenfigur von Adriaen de Vries.
Man liest von der Via Claudia Augusta, dem Glanzstück der römischen Straßenbaukunst. Augsburg war einst die ehemalige römische Provinzhauptstadt der Region.
Gefallen hat mir die Beschreibung von " Eber`s Wolfsklause" in Augburg. Es handelt sich hierbei um das so genannte Hugenottenhaus am Rande der Augsburger Altstadt. Das Lokal aber auch der südländische Garten machen einen netten Eindruck. Die Weinkarte zeugt von einer enormen Auswahl an internationalen Weinen. Das präsentierte Gericht "Gebratene Scampi auf Quarknockerln mit Kräutersauce" überzeugt durch die Zutaten. Die Sauce enthält Noilly Prat, ein Indiz, dass der Koch sein Handwerk versteht.
Man lernt das Wittelsbacher Land kennen und dort das Schloss in Unterwittelsbach bei Aichach, den Wallfahrtort St. Leonhard, der im Mittelalter zu den größten Wallfahrtsorten überhaupt zählte.
Erwähnt wird des Weiteren das größte Taglilienfeld Mitteleuropas bei Rehling, eine unter Naturschutz stehende Rarität. Erwähnt wird auch das Paartal, eine der letzten naturnahen Flusslandschaften Bayerns.
Einen guten Eindruck macht das "Wirtshaus zum Andechser in Mehring". Im Sommer findet das Leben vor der Wirtshaustür auf der herrlich blühenden Biergartenterrasse statt. Das Rezept für "Bachsaibling auf Gemüsenudeln und Petersilienschaum" zeigt, dass man dort gut aufgehoben ist.
Wirklich schön ist es im Unterallgäu. Stolze Burgen und Schlösser künden von mächtigen Herrschergeschlechtern, so die weitläufige Anlage des Fuggerschlosses in Babenhausen oder auch das stattliche Schloss in Bad Grönach. Beeindruckend sind übrigens im Unterallgäu die geschichtsträchtigen Städte Memmingen und Kempten mit ihrer historischen Bausubstanz.
Hinweisen möchte ich auf das "Restaurant d `Rescht" in Hawangen in der Nähe von Memmingen . Der junge Gastgeber setzt auf gehobene, innovative Küche. Die Inneneinrichtung ist sehr geschmackvoll. Die "Dorade rosé mit Jakobsmuschel an roter Zwiebelmarmelade an aufgeschäumter Fischvelouté mit Artischocken-Ravioli als Beilage " lädt ein dieses Lokal recht bald aufzusuchen.
Man lernt den Ort Günzburg kennen und Restaurants in Krumbach und Balzhausen, bevor man das Dillinger Land mit seinen Schlössern und anderen Sehenswürdigkeiten durch die Autorin und den Fotograf nahegebracht bekommt. Zu erwähnen ist hier das Wertinger Schloss , aber auch der Skulpturenweg in Donauried bei Wertingen.
Den Ort Lauingen , oberhalb von Günzburg sollte man sich merken, nicht zuletzt wegen des " Genießerhotels Lodner Restaurant und Kaffeehaus". Sehr gute Weine und Grappa- Spezialitäten aber auch eine ausgezeichnete Küche überzeugen und lassen einen Abstecher nach Lauingen lohnenswert erscheinen.
Interessant sind die geologischen Besonderheiten im Donauries. Das Nördlinger Ries zählt zu den besterhaltenen Großkratern der Erde und wurde zum "Nationalen Geopark Ries" ernannt.
Erwähnen möchte ich die "Brauereigaststätte Fürstlicher Keller in Wallerstein", nicht zuletzt wegen des Rezepts "Rinderrouladen mit Landsknechtbiersoße und Bierspätzle". Rinderrouladen sind nach einer Umfragen der Deutschen liebstes Sonntagsgericht. Das Rezept von Michael von Grumppenberg ist das beste Rouladenrezept, das ich bislang kennengelernt habe. Am liebsten würde ich es hier für alle wortgetreu wiedergeben. Wirklich sehr delikat!
Die Orte des nördlichen und südlichen des rätischen Limes bleiben auch nicht ausgespart. Gunzenhausen und Nördlingen sollte man besuchen aus historischen und kulinarischen Gründen, aber auch den "Gutshof Schloss Dennenlohe" in Unterschwaningen. Dort,wo man speist, standen einst rassige Pferde. Eine tolle Atmosphäre ! Dem Schloss schließt sich übrigens ein Landschaftspark an, den man sich an den Gartentagen nicht entgehen lassen sollte.
Sehr hübsch ist das "Café am Münster" in Dinkelsbühl. Sich dort mit" Araberschnitten" zu verwöhnen ist eine süße Sünde, die man ohne Reue begehen darf, besonders, wenn man anschließend einen ausgiebigen Spaziergang durch Dinkelbühls Altstadt unternimmt.
Bayerisch Schwaben ist wirklich eine pittoreske Gegend, mit vielen kulinarischen Besonderheiten. Eine Reise lohnt sich.
Wer eine Reise in diese Region plant, sollte zuvor das Buch lesen, um ganz gezielt schöne Punkte anzusteuern.