Wenn wir an einem Schulhaus oder einem Gerichtsgebäude vorbeigehen, einem Polizisten begegnen oder auf die Uhr schauen, finden wir das völlig selbstverständlich. Doch wie sind diese Dinge eigentlich in unsere Welt gekommen? Sie waren einmal nichts anderes
als Ideen. Martin Burckhardt erzählt uns die Geschichten hinter all jenen Wirklichkeit gewordenen Gedanken. Und so erfährt man, dass der Polizist nur deshalb so heißt, weil die alten Griechen einen Stadtstaat (zum Beispiel Athen) Polis nannten, dass die Vorläufer unseres Münzgelds Fleischspieße waren und was die Demokratie mit dem Alphabet zu tun hat. Verständlich und amüsant zeigt der Autor, wie die Philosophie unseren Alltag bestimmt.
Andreas Altmann
IM LAND DER REGENBOGENSCHLANGE
"Unterwegs in Australien
DuMont
Dieses Buch ist wie jedes meiner Bücher ein Minority Report, ein Bericht für die Minderheit. Es soll jenen gehören, die Reisen (und Leben) als einen Zustand begreifen, der einmalig ist. Der ihnen Gefühle zumutet, die anstrengen und - wenn gemeistert - reich machen. Reicher allemal. im Kopf, im Herz, tief im Bauch. Die YX Seiten sind, auch das ist geblieben, ein vehementes Jawort an die Welt, diesmal an die australische Welt. An ihre Wunder, an ihre wunderlichen Schrecken, ihre Schönheit, ja an all die Möglichkeiten, die sie vor uns ausbreitet. Damit wir etwas über den Kontinent und seine Bewohner erfahren, ihre Geschichten. Und über uns. So wie wir sind. Reisen als Offenbarungseid. Auch das.
Nicht geschrieben wurde das Buch für die Tranigen, die Luxusgeschöpfe, die Glotzer, die Virtuellen, die Langschläfer und alle anderen, die sich vorgenommen haben, der Welt und der Wirklichkeit aus dem Weg zu gehen. Sie werden sich hüten, es aufzuschlagen. Jeder Absatz würde sie daran erinnern, wie sterbensfad sie sich inzwischen in ihrem Alltag, ihrer Allnacht eingerichtet haben. Dösend. Nie plagt sie erhöhte Temperatur. Die Lauwarmen sind immer lau.
Was das Buch nicht ist, nimmer: Ein Reiseführer, mit keiner Zeile werde ich jemanden"führen". Es ist ein Tagebuch, ein Fahrtenschreiber, ein Notizheft, in dem jeden Tag Australien und die Australier auftauchen. Und dazwischen melden sich eigene Gedanken zu Wort, Nebengedanken, Seitenhiebe, Widersprüche, Einsichten, Zweifel, Bewunderung, Wutsplitter, Einsamkeit, Lachanfälle, wieder Bewunderung, wieder Zweifel, wieder Lachen
Natürlich taugt Im Land der Regenbogenschlange auch als Kriegserklärung an die Grauen Herren, jene umtriebigen Hanswurste, die sich vorgenommen haben, die Welt, die Weltbewohner, ihre Träume und ihr Verlangen nach Freiheit und Sinn zu demontieren. Jene global criminals, die uns in verschiedenen Kostümierungen begegnen. Mal als kriegslüsterne Politiker, die im Namen des Friedens morden, morden lassen. Mal als geifernde Hochwürden und Muftis, die uns mit ihren gräulichen Göttern in Atem halten. Mal als Natur abfackelnde Businessmen, die uns ihre höllischen Reden vom Wachstum um die Ohren hauen. Auch ihnen begegnet man in Australien. Wie den weißen Hassern, die sich noch immer der Herrenrasse zugehörig fühlen und bis heute nicht willens sind, den Aborigines - immerhin die ersten Australier - ohne Anmaßung zu begegnen.
Reisen über diesen riesigenErdteil ist kein Ausflug für Zartlinge. Selbst als Leser wird man sich Schrammen und Flecken holen. Doch das wäre durchaus im Sinne des Verfassers. Hat er doch sein"Herz ausgeschüttet". Sein Australien. Und dessen Glanzpunkte und Geheimnisse, dessen Gemeinheiten, Wunden und Niederlagen. Und je inniger die Sprache den anderen berührt, umso inniger die Freude. Bei beiden. Dem Leser einen dicken Brief schreiben, ein Buch eben, das scheint bis zum heutigen Tag das probateste Mittel, um uns von der Welt und dem Staunen über sie zu erzählen."