Der Roman ist in vier Teile unterteilt und spielt von 1913 bis Ende 1915. Also kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bis in die Anfänge des Weltkrieges hinein. Die Haupthandlungsorte sind Wien und London, eine kurze Episode spielt in Genf.
Vor diesem Hintergrund wird eine Spionagegeschichte aufgebaut, die, ich muss es leider sagen, nicht sonderlich überzeugt.
Sie wirkt sehr konstruiert und gerade in der englischsprachigen Literatur gibt es deutlich besseres: ich möchte nur an die Richard-Hannay-Romane von John Buchan (z.B.:
Die neununddreißig Stufen) oder auch an den
Einzelgänger, männlich: Er jagte den Tyrannen von Geoffrey Household erinnern.
Vermutlich werden also die Leser von Spionageromanen enttäuscht werden.
Interessanter könnte dieses Buch für diejenigen sein, die in Büchern gerne etwas bereits einmal gelesenes entdecken. Da ist bei Boyd reichlich zu finden: gerade im ersten, im Wiener Teil wird viel mit der österreichischen Literatur des beginnenden 20. Jahrhunderts gespielt: Schnitzlers
Leutnant Gustl hat sicher Pate gestanden für den Leutnant Rozman, auch die Kakanier aus Musils
Der Mann ohne Eigenschaften: Band 1: Erstes und Zweites Buch. Band 2: Aus dem Nachlaß: 2 Bände. wurden übernommen.
Manchmal wird auch stark verfremdet und man fragt sich warum? So etwa bei der Oper
Andromeda und Perseus - die gibt es wirklich. Nur eben nicht von Toller, sondern von Michael Haydn, dem Bruder Joseph Haydns.
Weiter gibt es sehr viele Anspielungen auf das Werk Shakespeares. Lysander aus dem Sommernachtstraum sei hier erwähnt, aber der König Lear kommt nicht zu kurz.
Dies alles ist manchmal amüsant, aber es trägt die Geschichte nicht so richtig und öffnet auch keine weiteren Ebenen.
Zurück bleibt ein etwas schales Gefühl. Sicher ist es ein lesbarer Spionageroman, aber nichts, was dauerhaft in Erinnerung bleiben wird.
Gelungen finde ich die deutsche Titelwahl. Auf den ersten Blick verwundert sie, heißt das Buch im Original doch 'Waiting for sunrise'. Aber so wie der Originaltitel eine Anspielung auf ein Lied von Ernest Seitz ist, spielt der deutsche Titel auf den Roman
Aus großer Zeit: Roman' von Walter Kempowski an.
Ich persönlich empfehle, eher die Bücher zu lesen, auf die im Buch angespielt wird oder die vielleicht als Vorbild gedient haben mögen.