Simone de Beauvoir, die "Tochter aus gutem Hause", hat den Durchbruch als Schriftstellerin mit ihren beiden existenzialistischen Romanen "Sie kam und blieb" und "Das Blut der anderen" geschafft. Ihr Welterfolg "Das andere Geschlecht" erschien 1949.
"Eine gebrochene Frau" gehört mit zum Besten, was je über ein klassisches Frauenleben geschrieben wurde. Es handelt sich um drei Frauenschicksale, die ihre ausweglose Situation eindrucksvoll beschreiben. Ob Erzählung, Monolog oder Tagebuchaufzeichnung, alle Geschichten haben so unendlich viele Reflexionsebenen und fordern den Leser zum intensiven Nachdenken auf.
Die Titel gebende Geschichte handelt von einer 44 jährigen Frau. Für die damalige Zeit, das Buch erschien 1967 zum ersten Mal, galt die Frau in diesem Alter schon als "alt". Sie hat zwei Kinder, hat ihren Beruf aufgegeben, um die Rolle als Mutter und Ehefrau vollends erfüllen zu können. Sie hat einen erfolgreichen Mann, der sie auch scheinbar uneingeschränkt liebt. Alles scheint bestens in Ordnung zu sein, eben "Heile Welt". Doch dann kommen die ersten Anzeichen, die auf Untreue hindeuten. Sie will es zunächst nicht wahrhaben, fängt an um ihren Mann zu kämpfen. Die Frau mit der er sie betrügt ist noch nicht einmal jünger, aber sie ist erfolgreich im Beruf und sie ist für ihn attraktiver. Und nun beschreibt Simone de Beauvoir in sehr eindrucksvoller Weise den inneren Monolog den diese Frau mit sich führt. Sie versucht Toleranz nicht nur walten zu lassen, sondern bemüht sich auch Verständnis für das Verhalten ihres Mannes aufzubringen. Wir können aber als Leser schon ahnen, wie schrecklich alles schließlich ausgehen wird. Am Ende steht eine grenzenlose Leere und Einsamkeit. Dem Ich fehlte das Du.
Das Buch erschien zu einem Zeitpunkt als die Frauenbewegung wieder in Bewegung kam und schildert diese typischen Frauenschicksale mit einer bis dahin nicht gekannten Eindringlichkeit und einem unglaublichen Einfühlungsvermögen in solche Lebensabläufe. Das hatte man eigentlich von der großen "Theoretikerin des Feminismus"nicht erwartet. Auch vierzig Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches empfiehlt sich diese Lektüre.