Zwar finde ich nicht, dass es sich, wie man aus dem Titel schließen könnte, um eine Liebesgeschichte (im Sinne der Geschichte einer großen Liebe) handelt - das macht aber nichts.
"Eine exklusive Liebe" ist die gelungene Auseinandersetzung der Autorin mit dem Schicksal ihrer Großeltern väterlicherseits. Diese waren ungarische Juden, die den zweiten Weltkrieg überlebten, nach dem Scheitern der sozialistischen Reformbewegung 1956 aus Ungarn flohen, in Dänemark eine neue Heimat fanden und sich schließlich 1991 gemeinsam das Leben nahmen, da der Großvater unheilbar krank war und die Großmutter nicht ohne ihn weiterleben wollte.
Schon allein diese Eckdaten lassen erahnen, dass die Großeltern bewegte Zeiten mitgemacht haben und dass ihre Lebensgeschichte sicherlich äußerst erzählenswert ist. Das Problem an der Sache ist jedoch, dass die Großeltern zu Lebzeiten wenig über sich und was sie z.B. gegen Ende des zweiten Weltkriegs, als auch in Ungarn hunderttausende von Juden in Vernichtungslager abtransportiert wurden, erlebten, erzählt haben. Der Großvater war selber ein Jahr lang im KZ Mauthausen, lehnte es aber immer ab, davon zu erzählen. Die Großmutter überlebte offensichtlich dank gefälschter Papiere, mehr ist aber auch nicht bekannt.
Die Autorin tut ihr Bestes, alte, noch lebende Bekannte ihrer Großeltern aufzusuchen und von ihnen mehr über sie zu erfahren. Wirklich erhellende Informationen bekommt sie allerdings wenig. Aus diesem Grund bleibt die Lebensgeschichte bruchstückhaft und oft ein wenig oberflächlich - das, was die Autorin und auch der Leser nun wirklich gerne erfahren hätte, haben die Großeltern unwiderruflich mit ins Grab genommen.
Trotzdem empfinde ich das Erstlingswerk der Autorin aus folgenden Gründen als recht gut gelungen:
* Die beiden sich abwechselnden Erzählperspektiven - zum einen wird der Verlauf des letzten Tages im Leben der Großeltern bis hin zum gemeinschaftlichen Selbstmord beschrieben, zum anderen das Leben der Großeltern, über welches die Autorin intensiv recherchiert und diverse "Zeitzeugen" befragt.
* Beeindruckend finde ich hier vor allem die Beschreibung des letzten Tagesablaufs - natürlich war niemand dabei, die Autorin kennt ihre Großeltern aber gut genug, um anhand der vorliegenden Fakten diesen letzten Tag sehr authentisch und anrührend zu rekonstruieren.
* Die (selbst-)kritische Erzählweise - Johanna Adorján hinterfragt viel und gezielt, sich selbst, was sie macht, die Aussagen der Zeitzeugen, das Bild, was sie selber von ihren Großeltern hat.
Was mich an dem Buch letztlich fasziniert, ist gar nicht mal die Geschichte der Großeltern, sondern wie sich die Autorin damit auseinandersetzt, welche Gedanken sie sich dazu macht, wie die Treffen mit den zum Teil sehr alten und bisweilen schrulligen Bekannten ihrer Großeltern verlaufen und wie sie ehrlich und offen ihre eigenen Empfindungen (z.B. als sie von der besten Freundin der Großmutter erfährt, dass die Großmutter trotz ihres souveränen Auftretens zeitlebens ein sehr unsicherer, sich ungeliebt fühlender Mensch war) beschreibt.
Herausgekommen ist eine anrührende, intime, authentische und auch immer wieder nachdenklich machende Geschichte.
Eine exklusive Liebe