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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Versuch einer Geschichte über ein Ehepaar, das sich nicht vom Tod scheiden lassen wollte,
Rezension bezieht sich auf: Eine exklusive Liebe (Gebundene Ausgabe)
Zwar finde ich nicht, dass es sich, wie man aus dem Titel schließen könnte, um eine Liebesgeschichte (im Sinne der Geschichte einer großen Liebe) handelt - das macht aber nichts."Eine exklusive Liebe" ist die gelungene Auseinandersetzung der Autorin mit dem Schicksal ihrer Großeltern väterlicherseits. Diese waren ungarische Juden, die den zweiten Weltkrieg überlebten, nach dem Scheitern der sozialistischen Reformbewegung 1956 aus Ungarn flohen, in Dänemark eine neue Heimat fanden und sich schließlich 1991 gemeinsam das Leben nahmen, da der Großvater unheilbar krank war und die Großmutter nicht ohne ihn weiterleben wollte. Schon allein diese Eckdaten lassen erahnen, dass die Großeltern bewegte Zeiten mitgemacht haben und dass ihre Lebensgeschichte sicherlich äußerst erzählenswert ist. Das Problem an der Sache ist jedoch, dass die Großeltern zu Lebzeiten wenig über sich und was sie z.B. gegen Ende des zweiten Weltkriegs, als auch in Ungarn hunderttausende von Juden in Vernichtungslager abtransportiert wurden, erlebten, erzählt haben. Der Großvater war selber ein Jahr lang im KZ Mauthausen, lehnte es aber immer ab, davon zu erzählen. Die Großmutter überlebte offensichtlich dank gefälschter Papiere, mehr ist aber auch nicht bekannt. Die Autorin tut ihr Bestes, alte, noch lebende Bekannte ihrer Großeltern aufzusuchen und von ihnen mehr über sie zu erfahren. Wirklich erhellende Informationen bekommt sie allerdings wenig. Aus diesem Grund bleibt die Lebensgeschichte bruchstückhaft und oft ein wenig oberflächlich - das, was die Autorin und auch der Leser nun wirklich gerne erfahren hätte, haben die Großeltern unwiderruflich mit ins Grab genommen. Trotzdem empfinde ich das Erstlingswerk der Autorin aus folgenden Gründen als recht gut gelungen: * Die beiden sich abwechselnden Erzählperspektiven - zum einen wird der Verlauf des letzten Tages im Leben der Großeltern bis hin zum gemeinschaftlichen Selbstmord beschrieben, zum anderen das Leben der Großeltern, über welches die Autorin intensiv recherchiert und diverse "Zeitzeugen" befragt. * Beeindruckend finde ich hier vor allem die Beschreibung des letzten Tagesablaufs - natürlich war niemand dabei, die Autorin kennt ihre Großeltern aber gut genug, um anhand der vorliegenden Fakten diesen letzten Tag sehr authentisch und anrührend zu rekonstruieren. * Die (selbst-)kritische Erzählweise - Johanna Adorján hinterfragt viel und gezielt, sich selbst, was sie macht, die Aussagen der Zeitzeugen, das Bild, was sie selber von ihren Großeltern hat. Was mich an dem Buch letztlich fasziniert, ist gar nicht mal die Geschichte der Großeltern, sondern wie sich die Autorin damit auseinandersetzt, welche Gedanken sie sich dazu macht, wie die Treffen mit den zum Teil sehr alten und bisweilen schrulligen Bekannten ihrer Großeltern verlaufen und wie sie ehrlich und offen ihre eigenen Empfindungen (z.B. als sie von der besten Freundin der Großmutter erfährt, dass die Großmutter trotz ihres souveränen Auftretens zeitlebens ein sehr unsicherer, sich ungeliebt fühlender Mensch war) beschreibt. Herausgekommen ist eine anrührende, intime, authentische und auch immer wieder nachdenklich machende Geschichte. Eine exklusive Liebe Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Tief & Leicht,
Von
Rezension bezieht sich auf: Eine exklusive Liebe (Gebundene Ausgabe)
Ein kleines Buch. Ein feines Buch. Ein leises Buch.Die Geschichte von der Spurensuche einer Enkelin zum Selbstmord ihrer jüdischen Großeltern, Überlebende des Holocaust, Flüchtlinge nach dem Ungarn-Aufstand 1956. Zeitzeugen kommen zu Wort, alte Dokumente werden aus alten Kisten gekramt, verstaubte Fotoalben aufgeschlagen, beständig im Wechselspiel mit einer Rekonstruktion der letzten Stunden vor dem Freitod, wie sie evtl stattgefunden haben könnten. Puzzleteile werden zusammen getragen, Mosaiksteinchen zu Mosaiksteinchen gesetzt, und am Ende darf sich der Leser das Bild doch ganz alleine zusammen bauen. Ohne Moralisieren! Ohne Dramatisieren! Wohltuend! Nachhallend! Was bleibt, ist die schlichte Wahrheit: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
38 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Todesfälle und ihre Folgen!,
Rezension bezieht sich auf: Eine exklusive Liebe (Gebundene Ausgabe)
Mit der lakonischen Feststellung, dass ihre Großeltern sich an einem Sonntag im Oktober 1991 umbrachten, beginnt Johanna Adorjan ihre Forschung nach den schon 16 Jahre zuvor verstorbenen Großeltern.Im Wechsel mit der Beschreibung des Alltagslebens der Großeltern, Gesprächen mit Angehörigen und Freunden entsteht das Bild zweier Menschen, die den schlimmsten Verfolgungen im 20. Jahrhunderts ausgesetzt waren. Ursprünglich in Ungarn als Kinder jüdischer Herkunft geboren und aufgewachsen, geraten die beiden schon wenige Jahre nach der Heirat 1941 in die Mühlen der Naziverfolgung. Nach dem Krieg geht das Leben unter kommunistischer Herrschaft weiter, um dann nach dem Ungarnaufstand von 1956 mit der Flucht nach Dänemark den endlichen Schlusspunkt zu erreichen. Wie Adorjan ihre Großeltern schildert, das zeugt einerseits von ihrem neugierigen Forschungsdrang nach den eigenen Wurzeln, ist aber auch die erstaunliche Liebesgeschichte eines außergewöhnlichen Paares. Ungarn mit den Sitten und Umgangsformen der alten k.u.k. Monarchie verströmte den Zeitgeist einer versunkenen Welt. Beide Eheleute siezten sich Zeit ihres Lebens. Der Großvater war ein gut aussehender Herr, galant und eindrucksvoll, die Großmutter eine herausragende Schönheit. Beide gehörten dem assimilierten jüdischen Großbürgertum an und entsprechend war der Lebenszuschnitt; man pflegte kultivierte Geselligkeit, wohnte in anspruchsvollem Ambiente und lebte ein freies und ungebundenes Leben. Wie diese Lebensweise mit der Annektierung des Landes durch Hitlerdeutschland und der Verschleppung und Ausrottung hunderttausender Juden in kurzer Zeit zugrunde ging, das ist mit der einfachen und liebevollen Erinnerung an diese vertriebene Familie hier dokumentiert. Der Ton der Erzählung ist locker und ein wenig amüsiert, wenn es um diverse Charaktereigenschaften der Großeltern geht. Die ernsten Nachrichten über das Davonkommen sind sachlich und ohne bittere Kommentare in den Ausführungen. Johanna Adorjan hat mit der Erforschung ihrer Ahnengeschichte ein Mittel gefunden, um auch der eigenen Identität auf die Spur zu kommen. Als Tochter einer Deutschen und eines in Ungarn geborenen Dänen in München aufgewachsen und mit einem dänischen Pass versehen, ist sie der ungarischen Sprache gar nicht mächtig. Dem Judentum fühlt sie sich innerlich nicht unbedingt verbunden. Dennoch spielt sie mit warmen Worten an mehreren Stellen auf Gefühle der Zugehörigkeit an, die sich im Angesicht Israels oder jüdischer Mitreisender einstellen. Die kosmopolitische Herkunft schließt die Sehnsucht nach eigenen Wurzeln nicht aus, in denen man sich seelisch und geographisch zu Hause fühlen könnte. Das lange und missverständliche Schweigen über die Vergangenheit in der Familie hat der Autorin die Neugierde nach Details zur familiären Herkunft nicht nehmen können. Unter dem Titel einer exklusiven Liebe stellt man sich eine so dramatische Lebensgeschichte zunächst nicht vor. Hier passt jedoch alles zusammen: Lebenslauf, Liebe, Identitätsfragen und Heimatlosigkeit. In wechselnden Szenen erlebt man eines von vielen Schicksalen, die das 20. Jahrhundert ausmachten. Johanna Adorjan schreibt mit unverkennbarer persönlicher Beteiligung, und das ist von lebendiger Überzeugungskraft. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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