Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Eine entwaffnende Frau. von R, Christian Spiel. Copyright © 1995. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Am Morgen entdeckte er in der Schultasche seines Sohnes eine Waffe. Zu seiner Zeit hatte so etwas Ranzen geheißen, aber inzwischen war es eine Aktentasche. Das Schießeisen steckte in einem Wirrwarr von Lehrbüchern, Schulheften mit Eselsohren, zerknülltem Papier und einem Paar Fußballsocken, und für einen kurzen, angsterfüllten Augenblick hielt Martin es für echt. Ungefähr fünfzehn Sekunden lang dachte er, Kevin besitze tatsächlich den größten Revolver, den er, sein Vater, jemals gesehen hatte, noch dazu ein Modell, das zu identifizieren er nicht in der Lage war.
Dann erkannte er, daß es sich um eine Nachbildung handelte. Es hielt ihn aber nicht davon ab, das Ding zu konfiszieren.
»Du kannst dich von dieser Waffe verabschieden, verlaß dich drauf«, sagte er zu seinem Sohn.
Diese Entdeckung machte Martin in seinem Wagen kurz vor neun Uhr morgens, am Montag, dem 13. Mai, auf der Fahrt zur Gesamtschule in Kingsmarkham. Kevins Aktentasche war nicht richtig verschlossen gewesen, und als sie vom Rücksitz glitt, war ein Teil des Inhalts auf den Wagenboden gerutscht. Kevin sah trübselig und stumm zu, wie die Revolverkopie in einer Regenmanteltasche seines Vaters verschwand. Vor dem Eingang der Schule stieg er aus, murmelte noch ein Abschiedswort und warf dann keinen Blick mehr zurück.
Das war das erste Glied in einer Kette von Ereignissen, die schließlich dazu führen sollten, daß fünf Menschen ums Leben kamen. Hätte Martin den Revolver früher gefunden, ehe er und Kevin das Haus verließen, wäre nichts von alledem passiert. Es sei denn, man glaubt, unsere Erdentage seien uns im voraus zugemessen. Wenn man sie in umgekehrter Reihenfolge zählte, vom Tod zur Geburt, hatte Martin den Tag eins erreicht.
Montag, den 13. Mai.
Es war sein freier Tag, dieser Tag eins im Leben von Detective Sergeant Martin. Er hatte früh das Haus verlassen, nicht nur um seinen Sohn zur Schule zu bringen - das ergab sich noch nebenher, wenn er bereits um zehn vor neun aufbrach -, sondern auch, um die Scheibenwischer seines Wagens erneuern zu lassen. Es war ein schöner Morgen, die Sonne schien an einem klaren Himmel, und die Wettervorhersage war verheißungsvoll, aber er wollte es trotzdem nicht riskieren, zusammen mit seiner Frau mit-defekten Scheibenwischern für einen Tag nach Eastbourne hinauszufahren.
Die Leute in der Autowerkstatt verhielten sich, wie eigentlich nicht anders zu erwarten gewesen war. Martin hatte den Termin zwei Tage zuvor telefonisch vereinbart, aber das hinderte die Sekretärin nicht daran, sich aufzuführen, als hätte sie noch nie etwas von ihm gehört. Ebensowenig hielt es den einzigen verfügbaren Mechaniker davon ab, kopfschüttelnd zu sagen, es sei schon möglich, es ließe sich gerade so machen, aber der Kollege sei unerwartet zu einer Unfallstelle gerufen worden, und es wäre besser, wenn Martin zu Hause auf ihren Anruf wartete. Immerhin konnte Martin dem Mann das fragwürdige Versprechen abnötigen, daß die Sache bis halb elf geregelt sein werde.
Er ging durch die Queen Street zurück. Die meisten Läden hatten noch nicht geöffnet. Die Leute, an denen er vorüberging, waren Pendler auf dem Weg zum Bahnhof. Martin spürte den Revolver in seiner Tasche, seine Form und sein Gewicht, das ihn auf der rechten Seite ein wenig nach unten zog. Es war ein großes, schweres Schießeisen mit einem gut neun Zentimeter langen Lauf. Sollten die britischen Polizeibeamten schließlich doch einmal Waffen tragen, würden sie genau dieses Gefühl empfinden. Tag für Tag. Martin fand, daß ebensoviel dafür wie dagegen spräche, aber eigentlich konnte er sich nicht vorstellen, daß eine solche Neuerung das Parlament passieren würde.
Er überlegte, ob er seiner Frau von dem Revolver erzählen oder gar Chief Inspector Wexford davon berichten solle. Was fängt ein Dreizehnjähriger mit der Nachbildung einer Waffe an, die vermutlich dem Dienstrevolver eines Polizisten aus Los Angeles nachempfunden war? Eigentlich war er schon zu alt für einen Spielzeugrevolver, aber was konnte eine Nachbildung für einen anderen Zweck haben, als andere zu bedrohen und glauben zu machen, das Ding sei echt? Und konnte sich damit etwas anderes als eine kriminelle Absicht verbinden?
Im Augenblick konnte Martin nichts unternehmen. Aber abends mußte er sich Kevin vorknöpfen. Er bog in die High Street ein, von wo aus er die blaugoldene Uhr am Turm von St. Peter sehen konnte. Die Zeiger näherten sich halb zehn. Er schlug die Richtung zur Bank ein, wo er so viel abheben wollte, daß er die Reparatur sowie eine Tankfüllung, Lunch für zwei Personen und ein paar kleinere Ausgaben in Eastbourne bezahlen konnte und trotzdem noch etwas Bargeld für die nächsten Tage hatte. Martin hielt nichts von Kreditkarten; er besaß zwar eine, benutzte sie aber nur höchst selten.
Nicht anders dachte er über Geldautomaten. Die Bank hatte noch nicht geöffnet, die schwere Eingangstür aus Eiche war fest verschlossen. Er hätte sich des Automaten bedienen können, der, Dienst am Kunden, in die Granitfassade eingelassen war. In seiner Brieftasche steckte die Karte, die er immerhin herauszog und ansah. Irgendwo hatte er sich die Geheimzahl notiert. Er versuchte sie sich ins Gedächtnis zu rufen. 5053? 5305? Doch dann hörte er, wie die Riegel zurückgeschoben wurden. Die Eingangstür öffnete sich und gab den Blick auf die innere Glastür frei. Die Bankkunden, die schon vor ihm wartend dagestanden hatten, schoben sich hinein.
Martin ging zu einem der Schalter, wo für die Kunden eine Schreibunterlage und ein Kugelschreiber auslag, der durch eine Kette mit einem imitierten Tintenfaß verbunden war. Er zog sein Scheckheft heraus. Hier brauchte er sich nicht eigens auszuweisen, da er sein Konto in dieser Filiale hatte und allgemein bekannt war. Schon hatte er den Blick einer der Leute hinter den Kassenschaltern aufgefangen und sagte guten Morgen.
Selbst unter seinen Freunden kannte kaum einer Martins Vornamen. Alle Welt nannte ihn Martin, so war es schon immer gewesen. Sogar seine Frau redete ihn mit Martin an. Wexford mußte den Vornamen kennen und natürlich auch die Bank. Er hatte ihn bei seiner Trauung ausgesprochen, und seine Frau hatte ihn wiederholt. Und doch glaubten nicht wenige, Martin sei sein Vorname. Die Wahrheit war ein Geheimnis, das er soweit wie möglich für sich behielt, und als er jetzt den Scheck ausstellte, unterschrieb er ihn wie immer mit »C. Martin«.
Hinter ihren Glasscheiben zahlten zwei Kassierer Bargeld aus und nahmen Einzahlungen entgegen: Sharon Fraser und Ram Gopal. Beide hatten an der Scheibe ein Schildchen mit ihren Namen und oben eine Leuchte, die aufblinkte, wenn sie frei waren. In dem Bereich, der seit kurzem mit verchromten Pfosten und türkisblauen Schnüren für wartende Kunden abgetrennt worden war, hatte sich eine Schlange gebildet.
»Als wären wir Vieh auf einem Markt«, sagte ärgerlich eine Frau vor ihm.
»Es ist aber fairer so«, sagte Martin, der viel auf Gerechtigkeit und Ordnung hielt. »Auf diese Weise kann sich niemand vordrängen.«
Kaum hatte er diese Worte gesprochen, spürte er, daß irgendeine Störung eingetreten war. Das Innere einer Bank zeichnet sich durch eine gleichsam sakrale Atmosphäre aus. Geld ist etwas Ernstes, etwas Stilles. Leichtfertigkeit, Heiterkeit, rasche Bewegungen haben an diesem heiligen Ort des Geldhandels nichts zu suchen. So macht sich die leiseste Stimmungsänderung sofort bemerkbar. Eine erhobene Stimme erregt Aufsehen, das Fallen einer Nadel wird zu einem Klappern. Jede Störung, und sei sie noch so gering, läßt die wartenden Kunden zusammenfahren. Martin spürte einen Luftzug, als die Glastür ungewöhnlich jäh geöffnet wurde. Er bemerkte, wie ein Schatten herabsank, während irgend jemand die Eingangstür, die während der Öffnungszeiten immer an der Wand eingehängt war, sorgfältig und beinahe lautlos schloß.
Er drehte sich um.
Nun ging alles sehr rasch. Der Mann, der die Eingangstür geschlossen und die Riegel vorgeschoben hatte, sagte im Befehlston: »Alle zurück an die Wand! Und schnell, wenn ich bitten darf!«
Martin registrierte den Akzent, unverkennbar aus Birmingham. Als der Mann zu sprechen begann, schrie jemand auf.
Der Mann, der die Waffe in der Hand hielt, sagte in seinem ausdruckslosen, nasalen Ton: »Es passiert Ihnen nichts, wenn Sie tun, was ich sage.«
Sein Komplize, eigentlich noch ein Junge, der gleichfalls bewaffnet war, ging zwischen den türkisfarbenen Schnüren und den verchromten Pfosten auf die beiden Kassenschalter zu. Hinter dem linken Schalter saß Sharon Fraser und hinter dem rechten Ram Gopal. Martin trat, vom Revolver des Mannes in Schach gehalten, zusammen mit allen anderen, die angestanden hatten, zurück an die Wand zur Linken.
Martin war sich ziemlich sicher, daß die Waffe in der Hand des Jungen, der einen Handschuh übergestreift hatte, eine Spielzeugwaffe war. Keine Nachbildung wie die in seiner eigenen Manteltasche, sondern ein Spielzeug. Der Typ wirkte sehr jung, wie siebzehn oder achtzehn, aber Martin wußte, daß er, obwohl selbst noch nicht alt, bereits so alt war, daß er nicht mehr unterscheiden konnte, ob jemand achtzehn war oder vierundzwanzig.
Er prägte sich jedes Detail an dem jungen Burschen ein, aber er konnte nicht ahnen, daß alles, was er sich in diesen Augenblicken merken würde, umsonst war. Mit gleicher Sorgfalt registrierte er die Details an dem anderen. Der Junge hatte einen seltsamen Ausschlag im Gesicht, möglicherweise Akne. Martin hatte noch nie etwas Derartiges gesehen. Der Ältere war dunkelhaarig und hatte tätowierte Hände. Er trug keine Handschuhe.
Die Waffe in der Hand des Mannes war vielleicht auch nicht echt. Es ließ sich unmöglich sagen. Während Martin den jungen Typen beobachtete, dachte er an seinen eigenen Sohn. Hatte Kevin etwas Derartiges im Sinn gehabt? Martin tastete nach dem Revolver in seiner Tasche und begegnete den Augen des Mannes, die ihn fixierten. Er zog die Hand heraus, hob sie und umklammerte die andere.
Der Junge hatte etwas zu der Kassiererin, Sharon Fraser, gesagt, aber was, das hatte Martin nicht mitbekommen. Sie mußten hier doch eine Alarmanlage haben. Er mußte sich eingestehen, daß er nicht wußte, wie sie beschaffen sein könnte. Ein Knopf, der auf Fußdruck reagierte? Wurde vielleicht jetzt, just in diesem Augenblick, im Polizeirevier Alarm ausgelöst?
Er kam nicht auf die Idee, sich irgendwelche äußeren Merkmale an seinen Schicksalsgenossen einzuprägen, den Leuten, die sich da zusammen mit ihm geduckt an die Wand preßten. Wie die Sache dann ausging, hätte es auch nichts genützt. Er hätte lediglich sagen können, daß keiner von ihnen alt, aber alle bis auf eine einzige Ausnahme erwachsen waren. Die Ausnahme war das Baby in einer Schlinge an der Brust seiner Mutter. Die Leute waren Schatten für ihn, ein namen- und gesichtsloses Publikum.
In seinem Innern stieg der Drang auf, irgend etwas zu unternehmen, zu handeln. Eine gewaltige Empörung hatte sich seiner bemächtigt, wie er sie, angesichts eines Verbrechens, immer empfand. Wie konnten sie es wagen? Was erdreisteten sie sich? Mit welchem Recht kamen sie hier herein, um sich zu nehmen, was ihnen nicht gehörte? Es war der gleiche Zorn, der ihn ergriff, wenn irgendein Land ein anderes überfiel. Wie konnten sie es wagen, etwas so Empörendes zu tun?
Die Kassiererin gab Geldscheine heraus. Martin glaubte nicht, daß Ram Gopal Alarm ausgelöst hatte. Gopal sah dem ganzen Geschehen starr zu, vor Schreck versteinert oder auch nur mit einer unergründlichen Gelassenheit. Er beobachtete Sharon Fraser, wie sie auf die Tasten des automatischen Kassentresors neben sich tippte, aus dem dann Geldscheine, bereits zu Fünfzigern und Hunderten gebündelt, herausfielen. Mit unverwandtem Blick verfolgte er, wie Bündel um Bündel unter der gläsernen Trennscheibe durch die metallene Furche in die gierige handschuhbekleidete Hand geschoben wurde.
Der junge Typ nahm das Geld mit der Linken, schob es zu einem Häufchen zusammen und verstaute es in einer Leinentasche, die er um die Taille hängen hatte. Dabei zielte er mit der Waffe, dem Spielzeugrevolver, auf Sharon Fraser. Der Ältere hielt währenddessen die anderen Anwesenden, einschließlich Ram Gopals, in Schach. Von der Stelle aus, wo er stand, war dies ein leichtes, da der Schalterraum klein war und die Bankkunden dicht nebeneinander standen. Martin hörte das Weinen einer Frau, leise Schluchzer, ein unterdrücktes Wimmern.
Seine Empörung drohte ihn zu übermannen. Aber noch war es nicht soweit, nicht ganz. Wenn die Polizei ermächtigt worden wäre, Waffen zu tragen, wäre er inzwischen vielleicht schon so daran gewöhnt, daß er einen echten Revolver von einem unechten unterscheiden könnte. Der Bursche stand jetzt vor Ram Gopal. Sharon Fraser, eine pummelige junge Frau, deren Familie Martin flüchtig kannte, da ihre Mutter mit seiner Frau zur Schule gegangen war, saß mit geballten Fäusten da, und die langen, roten Fingernägel gruben sich ihr in die Handflächen. Ram Gopal hatte unterdessen seinerseits begonnen, unter der gläsernen Trennscheibe Bündel von Geldscheinen durchzuschieben. Im nächsten Augenblick würde alles vorbei sein, und er, Martin, hatte nichts unternommen.
Er beobachtete, wie der dunkelhaarige, untersetzte Mann sich in Richtung Tür zurückzog. Das besagte nicht viel, denn seine Waffe hielt alle nach wie vor in Schach. Martin schob vorsichtig die Hand hinab zur Manteltasche und spürte dort Kevins riesige Knarre. Der Mann sah die Bewegung, reagierte aber nicht. Er mußte die Eingangstür öffnen, damit sie das Weite suchen konnten.
Martin hatte angenommen, daß Kevins Waffe nicht echt war. Genauso kam er durch Beobachtung nun zu dem Schluß, daß das Schießeisen dieses Burschen ebenfalls eine Imitation war. Die Uhr an der Wand über den Kassenschaltern, hinter dem Kopf des Jungen, zeigte 9.42, Uhr an. Wie rasch das alles gegangen war! Erst eine halbe Stunde vorher war er in der Autowerkstatt gewesen. Erst vierzig Minuten vorher hatte er den nachgemachten Revolver in Kevins Schultasche entdeckt und konfisziert.
Er fuhr mit der Hand in die Tasche, packte Kevins Revolver und brüllte: »Laßt eure Knarren fallen!«
Der Mann hatte sich für einen Sekundenbruchteil umgedreht, um die Eingangstür zu entriegeln. Er stellte sich rasch mit dem Rücken dagegegen und packte seine Waffe mit beiden Händen wie ein Filmgangster. Der Junge nahm den letzten Packen Geldscheine und fegte ihn in seine Tasche.
Martin wiederholte: »Laßt eure Knarren fallen!«
Der junge Bursche drehte langsam den Kopf zu ihm hin und sah ihn an. Eine Frau gab einen erstickten, wimmernden Laut von sich. Die lächerliche, kleine Waffe in der Hand des Jungen schien zu zittern. Martin hörte, wie die Eingangstür krachend gegen die Wand schlug. Er hörte den Mann zwar nicht hinausgehen, den mit dem echten Revolver, aber er wußte, daß er fort war. Ein Windstoß fuhr durch die Schalterhalle. Die Glastür fiel laut ins Schloß. Der junge Typ stand da und starrte Martin mit einem merkwürdig unergründlichen Blick an. Vielleicht stand er unter Drogeneinfluß. Er hielt seine Waffe so, als könnte er sie jeden Augenblick fallen lassen, als wollte er testen, wie weit er den Griff lockern konnte, ehe sie zu Boden fiel.
Jemand betrat die Bank. Die Glastüre schwenkte nach innen. Martin brüllte: »Zurück! Rufen Sie die Polizei! Sofort! Hier findet ein Bankraub statt.«
Er machte einen Schritt nach vorne, auf den Jungen zu. Es ist bestimmt einfach, sagte er sich, es ist einfach, die wirkliche Gefahr ist vorüber. Seine »Waffe« war auf den Burschen gerichtet, und dieser zitterte. Martin dachte: Mein Gott, gleich hab ich's geschafft, ich ganz allein!
Da drückte der Junge ab und traf ihn mitten ins Herz.
Martin stürzte. Er kippte nicht nach vorne, sondern sank zu Boden, da seine Knie einknickten. Aus seinem Mund kam Blut. Außer einem schwachen Husten gab er keinen Ton von sich. Sein Körper krümmte sich wie in Zeitlupe zusammen, die Hände griffen in die Luft, aber mit schwachen, anmutigen Bewegungen. Langsam sackte er zusammen, bis er regungslos dalag, die Augen nach oben gerichtet, blicklos zu der gewölbten Decke der Bank hinaufstarrend.
Einen Augenblick lang war es ganz still gewesen, dann brach Lärm los - Rufe, schrille Schreie. Die Leute drängten sich um den Sterbenden. Brian Price, der Filialleiter, eilte aus dem Büro im Hintergrund, gefolgt von Mitarbeitern. Ram Gopal war bereits am Telefon. Das Baby begann herzzerreißend zu schreien, als seine Mutter aufkreischte, unverständliche Worte von sich gab und die Arme um das Tragetuch mit dem kleinen Körper schlang. Sharon Fraser, die Martip gekannt hatte, rannte in die Schalterhalle und kniete sich neben ihn auf den Boden. Händeringend schrie sie nach Gerechtigkeit und Vergeltung.
»Großer Gott im Himmel, was haben sie mit ihm gemacht? Was ist mit ihm passiert? Helfen Sie, irgend jemand, lassen Sie ihn doch nicht sterben...«
Doch mittlerweile war Martin tot.
[Leseprobe, S. 7-16] -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.