Als mir gegen Urlaubsende der Lesestoff ausging, stieß ich auf dieses Buch, dessen Klappentext eine amüsante Lektüre vermuten ließ. Leider ein Trugschluß, wie ich schon bald feststellen mußte. Nicht nur, daß die Handlung an sich schon wenig Überraschungsmomente birgt - auch der Stil der Autorin nötigt einem gehörige Disziplin ab, will man das Buch tatsächlich bis zum (vorhersehbaren) Ende lesen. Da ist also Harriet, die (natürlich trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch) hübsche Witwe von George, die sich auf einmal magisch angezogen fühlt vom Schwiegervater ihres Sohnes - Oliver. Auch Oliver findet die zurückhaltend-bescheidene Harriet unwiderstehlich, die so gar nichts gemein hat mit der ihm angetrauten Gattin, einem herrischen und dominanten Weibsbild. Während eines Besuches bei ihren Kindern in London (die nebenbei noch eine schwere Ehekrise durchleben...) kommen sich die beiden in atemberaubendem Tempo näher und finden in dem Apartment eines Freundes von Oliver auch einen geeigneten Platz für ihre lustvollen Schäferstündchen. Das Ganze mündet dann in einen Showdown auf der Geburtstagsparty des gemeinsamen Enkels - aber mehr verrate ich nicht, denn vielleicht möchte ja doch noch jemand das Buch lesen. Besonders nervtötend fand ich die nicht enden wollenden Seitenhiebe auf berufstätige Frauen und die quasi unausweichliche Vernachlässigung ihrer Pflichten als Hausfrau und Mutter. Da wird das Ideal der Frau, die in ihrer Rolle als Gattin und Mutter völlig aufgeht und ihrem Mann eine Stütze ist so eindringlich beschworen, daß man fast geneigt ist zu glauben, die Autorin wolle satirische Elemente einbringen. Aber dafür ist es dann doch nicht pointiert und witzig genug und am Ende bleibt nur ein fader Beigeschmack und die Erleichterung darüber, daß man die 382 Seiten hinter sich gebracht hat. Immerhin muß man der Autorin zugute halten, daß sie sich nicht in die Riege der HeraLinds, GabyHauptmanns, EvaHellers und sonstiger "Frauenliteratur"-Schreiblerinnen einreiht - aber ein klein wenig origineller hätte es dann doch sein dürfen und die häufige Verwendung von Adjektiven in Beschreibungen macht aus einem faden Stil noch lange keine Literatur.