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Eine blaßblaue Frauenschrift
 
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Eine blaßblaue Frauenschrift [Broschiert]

Franz Werfel
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Produktinformation

  • Broschiert: 160 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 19 (31. Dezember 1990)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596293081
  • ISBN-13: 978-3596293087
  • Größe und/oder Gewicht: 18,9 x 11,9 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 63.723 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Franz Werfel
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Leonidas, aus kleinen Verhältnissen zum Sektionschef im Wiener Unterrichtsministerium aufgestiegen - nicht zuletzt durch die Ehe mit der reichsten Erbin der Stadt -, erhält im Herbst 1936 einen Brief von Vera Wormser. Die Tochter eines jüdischen Arztes, mit der er vor 18 Jahren, bald nach seiner Heirat, den 'einzigen echten Liebesrausch im Leben' erfahren hat, bittet ihn, einem Jungen zu helfen, der im nationalsozialistischen Deutschland nicht länger das Gymnasium besuchen darf.

Klappentext

»Leonidas war betäubt. Nach einer Ewigkeit von achtzehn Jahren hatte den allseits Gesicherten die-Wahrheit doch eingeholt. Es gab keinen Ausweg mehr für ihn und keinen Rückzug. Er konnte sich der Wahrheit, die er in einer Minute der Schwäche eingelassen hatte, nicht mehr entziehen. Nun war die Welt für ihn von Grund auf verwandelt, und er für die Welt.«

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33 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eine der besten Novellen, 4. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Eine blaßblaue Frauenschrift (Broschiert)
Leonidas, der „Held“ der Novelle, sitzt zufrieden am Frühstückstisch, als beim Sortieren der Post sein Auge auf die blaßblaue Frauenschrift auf einem Briefumschlag fällt. Schlagartig und mit Erschrecken erinnert er sich an eine vergangene Liebesaffäre und flüchtet mit dem Brief erst einmal auf die Toilette.
Werfel hat eine exemplarische Novelle geschrieben. Im Verlauf des so anfangenden Tages bündeln sich die schicksalhaften Episoden, Entscheidungen und zufälligen Weichenstellungen im Lebenslauf der Hauptfigur. Dabei wirft Werfel einen illusionslosen Blick auf das Innenleben des Protagonisten. Dieser steht vor der Entscheidung, ob er Wahrheit in sein Leben bringen oder ob er in der Lüge verharren will. Die Art und Weise, wie er zu seiner Entscheidung kommt, berührt die grundsätzliche Frage, was der Charakter eines Menschen ist und was ihn ausmacht. Werfel entwirft ein zutiefst skeptisches Menschenbild. Was ein Mensch tut und sagt, ist nicht etwa das Resultat seiner gefestigten Überzeugungen, seiner Persönlichkeit oder seines Charakters. Er erweist sich vielmehr als eine reine Echokammer, aus der solche Worte zu vernehmen sind, wie sie in einer bestimmten, sich mehr oder weniger zufällig entwickelnden Situation eben schicklich oder angemessen erscheinen.
Ein ganz besonderer Vorzug der Novelle liegt dabei darin, wie unaufdringlich diese individuelle Problematik mit der politischen Situation 1936 verknüpft wird. So wird Werfels Text ganz nebenbei eine Studie über das Entstehen des Totalitarismus und die psychologischen Voraussetzungen des Antisemitismus. – Für mich eine der besten Novellen überhaupt.
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Erzählkunst vom Feinsten, 30. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Eine blaßblaue Frauenschrift (Broschiert)
Manchmal im Sommer ist der Himmel an der Schleswig-Holsteiner Küste blassblau. Hoch, entrückt, unfassbar. Blassblau eben und unaufdringlich Unleugbar. Immer wenn ich diesen Himmel sehe, fällt mir Franz Werfels blassblaue Frauenschrift ein. Ich liebe diese Erzählung.

Sie handelt von Leonidas, der es weit gebracht hat. Mit fünfzig Jahren ist er Sektionschef im Wiener „Ministerium für Kultus und Unterricht" und hat die reichste Erbin der Stadt geheiratet. Am Morgen seines Geburtstags - im Herbst 1936 - stapeln sich die Gratulationsbriefe. Die blassblaue Handschrift einer Frau leuchtet mahnend daraus hervor. Leonidas wird aschfahl.

Der Brief kommt von Vera Wormser, der Frau, mit der er den einzigen echten Rausch der Liebe erfahren hat. Das war vor achtzehn Jahren, kurz nach seiner Heirat. Seitdem leugnet er beharrlich ihre Existenz. Vera Wormser, Jüdin und auf dem Weg ins Exil, bittet Leonidas um Hilfe für einen begabten, jungen Mann, der im nationalsozialistischen Deutschland nicht die Schule beenden darf.

Für einen Tag gerät Leonidas aus dem Gleichgewicht. Sein Leben ist eine gekonnte Inszenierung. Erhaben, nobel und nonchalant sind die Tugenden, die er sich als Anstrich gibt. Er allein weiß um seine innere Unaufrichtigkeit, aber er hat sich gut mit ihr eingerichtet. Ihm wäre wohler ohne Wahrheit, vor allem ohne die Wahrheit, die ihn nun einzuholen scheint. Nichts fürchtet er mehr als den Verlust des Reichtums, den er wie nebenbei genießt. Die angenehme Sattheit, sich keinen Wunsch verwehren zu müssen, steht gegen das Bekenntnis zu seinem Sohn. Denn dafür hält er den jungen Mann. Nach langem Zögern trifft er Vera Wormser und sichert ihr die erbetene Hilfe zu.

Seine Welt bleibt in den Fugen, doch am Abend sitzt er in der Oper: „Während er unter der drückenden Kuppel dieser stets erregten Musik schläft, weiß Leonidas mit unaussprechlicher Klarheit, dass heute ein Angebot zur Rettung an ihn ergangen ist, dunkel, halblaut, unbestimmt, wie alle Angebote dieser Art. Er weiß, dass er daran gescheitert ist. Er weiß, dass ein neues Angebot nicht wieder erfolgen wird."

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eine gute Charakterstudie, 19. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Eine blaßblaue Frauenschrift (Broschiert)
Ich war ganz überrascht, auf dieses kleine wunderbare Buch von Franz Werfel zu stoßen. Was für eine gute Charakterstudie. Meine Empfehlung ist, öfter ein paar solche Bücher lesen, als diese Psychoverschnitte, die heute so vielfältig verlegt werden.
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