Endlich, endlich auf DVD - A Foreign Affair. Wie man einen dermaßen wilden Genre-Mix hinzaubern kann, ohne sich hoffnungslos zu verrennen, das muss man dem Wilder erst einmal nachmachen. Das Ding ist saukomisch, Polit-Satire, hochromantisch, nachdenklich, ein hellwaches Stück Zeitgeschichte noch zudem, ein Feuerwerk an Sprüchen und visuellen Einfällen. Hier stimmt alles, das Drama, die Witze, die Darsteller, die Erzähltechnik. Eine US-Kongreßabgeordnete (Arthur) möchte einem Hallodri-GI (Lund) auf die Spur kommen, der mit einem "Frollein" (Dietrich) was hat und ihr großzügig durch die Entazifizierung im Berlin des Jahres 1948 hilft. Dies führt zu einer sehr genauen und gleichzeitig spaßigen Beobachtung des Schwarzmarktes, der "Fraternisierungen", der Bemühungen, aus Kommißköppen Menschen zu machen - und zu einer herzzerreißenden Liebesgeschichte. Der Hallodri muss der Arthur zunächst vorgaukeln, in sie statt in die Dietrich verliebt zu sein, und irgendwann schlägt das ganz allmählich in Realität um, das ist bei aller Burleske sehr behutsam und zart erzählt, wunderbar. Es gibt einen ganzen Sack voller komischer und tragikomischer Höhepunkte, und es gibt kluge Doppelungen. So kommen, um nur ein Beispiel zu nennen, in dieser Geschichte zwei lustige, etwas plumpe Soldaten vor, die stets Frolleins angraben wollen. Die haben dann eine urkomische Szene mit der Arthur, da sie nicht wissen, dass sie Amerikanerin ist und jedes Wort versteht... Gegen Ende tauchen die wieder auf und nehmen reißaus vor der Frau, die gerade in ihrem niedergeschlagensten Moment denken muss, nicht einmal die plumpsten GIs wollen noch was von mir. Überhaupt ist dies ein Film der kleinen Details, die nie im Sande verlaufen, sondern immer irgendwann wieder aufgegriffen werden oder sonstwie ihren Sinn und Zweck haben, und sei es das Ablachen. Der Lund bekommt eine Torte mit der Aufschrift "I love you, I love you, I love you" von der Verlobten aus den Staaten, tauscht diese sofort auf dem Schwarzmarkt gegen eine Matratze ein (und wir ahnen, als er sie der Dietrich bringt, warum), aber das war's noch nicht: Die Torte taucht in einer Bar wieder auf, in der ausgerechnet die Arthur ihre Inspektionen durchführt, und die (sie hatte dem Lund die Torte überbracht) ist not amused... So geht das die ganze Zeit, das ist wirklich eine messerscharfe und gut durchkomponirte Komödie, die oft weit über das Komödiantische hinausweist. Daneben sei erwähnt, dass, wer die Dietrich mag, voll auf seine Kosten kommt, incl. dreier schmissiger Lieder (und wenn sie dabei von dem Friedrich Holländer eine Zigarette nimmt, so Wilder, dann kann man denken, sie hätte mit ihm geschlafen, und das glaube ich sofort). Da es sich um eine Geschichte um Amis unter Deutschen in Deutschland handelt, lohnt hier auch der O-Ton, es ist schon witzig und interessant zu beobachten, wie sich deutsche Wörter ins Amerikanische einschleichen und vor allem, wann mal O-Ton Deutsch gesprochen wird.
Zum Drama: Der Film stellt alle Hauptpersonen auf eine Probe, die Konflikte kann man ernst nehmen, sie sind glaubhaft und nicht hergesucht, haben z.T. mit der politischen, zum Teil mit der menschlich-allzumenschlichen Stuation zu tun, und bei der Lösung hat man überhaupt nicht das Gefühl, durch sprunghafte oder moralinsauer erzwungene Wandlungen über den Tisch gezogen worden zu sein. Nein, hier finden durchaus Veränderungen bei den Personen statt, aber diese passieren peu à peu, nicht eindimensional, und doch ist am Ende alles anders. Mehr wird über diesen genialen Film nicht verraten!