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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eines der besten von Philip K. Dick, 1. Januar 2007
Philip K. Dick als Science-Fiction-Autor zu bezeichnen, ist eigentlich
eine Falschklassifizierung, obwohl er per Konvention diesem Genre angehört.
Eigentlich ist es offensichtlich, dass er seine Gegenwart thematisiert
und die Stilmittel des SF-Genres nutzt, um zu verfremden und zu
verzerren.
In "Eine andere Welt" geht es um den Fernsehmoderator Jason Taverner,
dessen Realität sich dergestalt verändert, dass niemand mehr ihn
kennt. Es gibt keine Aufzeichnungen über ihn, nicht einmal eine
Geburtsurkunde, seine Fernsehsendungen sind nie gesendet worden, und
seine Freundin kennt ihn nicht.
Die Welt, in der er lebt, ist von staatlicher Kontrolle
dominiert. Ohne gültige Ausweispapiere kann man sich nicht einmal auf
die Straße trauen. So zieht Taverner los, verschafft sich gefälschte
Ausweispapiere und versucht das Rätsel seines Identitätsverlustes zu
begegnen und sich selbst wieder zu "legalisieren". Dabei ist ihm
jedoch bewusst, dass es eigentlich aussichtslos ist: Wer den "Pols"
einmal aufgefallen ist, der hat verloren. Nur Anonymität oder
Berühmtheit schützt vor Verfolgung, und beides hat er verloren, denn
weil er sich nicht legitimieren kann, hat sich die Polizei schon an
seine Fersen geheftet.
Taverner ist das Produkt eines Eugenik-Projekts, ein sogenannter
Sechser. Das sind Menschen mit ausgewählten Genen und besonderen
körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Er ist sehr von sich selbst
überzeugt. Seine Attraktivität für Frauen versucht er gezielt
einzusetzen. Im Verlaufe des Romans begegnet er mehreren sehr
unterschiedlichen Frauenfiguren. Er hat aus kühler Berechnung Sex mit
ihnen oder versucht sie auf andere Weise auszunutzen, um der
Geheimpolizei zu entgehen. Dabei lernen wir mehrere unterschiedliche
Frauenschicksale kennen.
Auch die Polizei ist kein anonymes Machtinstrument, sondern trägt ein
Gesicht. Das ist gerade das Spannende an dem Roman: Es gibt keine
klare Trennung zwischen Gut und Böse. In diesem totalitären Staat sind
eigentlich alle Opfer. Einer der höchsten Polizeibeamten hat ein
inzestuöses Verhältnis mit seiner drogensüchtigen Schwester. Er ist
ein Gefangener dieser fatalen Leidenschaft, genau wie Taverner
letzlich ein Gefangener seiner Überheblichkeit ist.
Deshalb ist diese Utopie völlig anders als die orwellsche Vision des
Totalitarismus. Bei Orwell hat die absolute Macht kein Gesicht, der
"Große Bruder" ist nur ein Bild. Bei Dick dagegen sind die Verfolgten
genau wie die Verfolger denselben Gesetzmäßigkeiten ausgeliefert. Die
Repräsentanten der Macht sind nicht wirklich mächtig: Über ihre
menschlichen Schwächen und ihr egoistisches Streben nach individuellem
Glück werden sie denen, die sie unterdrücken, letztlich gleich.
Über allem liegt der Dunst der Nixon-Ära in den beginnenden Siebzigern
der USA. Unter der Fuchtel staatlichen Kontrollwahns windet sich die
Menschlichkeit, und die Täter sind nur die Opfer aus der zweiten
Reihe.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Schwächeres Werk von Dick, 22. April 2007
Philip K Dick ist vielleicht sogar mein Lieblingsautor. Doch dieses Buch gehört zu den wenigen Werken, die mich eher enttäuscht hatten.
Es ist eines der späteren Bücher von ihm und das macht sich insoweit bemerkbar, als die Thematik, die hier behandelt wird, vom Autor eigentlich längst abgegrast war und kaum noch Neues bieten konnte.
Die Auflösung (Vorsicht Spoiler!) der für Dick-Leser nicht neuen Geschichte, daß die Hauptfigur sich in einer Situation befindet, in der seine ihm bekannte Welt völlig fremd geworden und seine Identität scheinbar ausgelöscht ist, wirkt fast schon abgedroschen: Eine Droge, deren Konsum die eigene Wahrnehmung der Umwelt verändert und unbeteiligte Dritte ohne ihr Zutun in diese Veränderung mit hineinreißt werden, ist enttäuschend, weil fast schon ein Dick-Klischee.
Doch die eigentliche Intention des Werks, nämlich die Entwicklung der USA zu einem faschistischen Polizeistaat, wird fast nur gestreift, ist eine reine Randerscheinung.
Besonders enttäuschend ist aber, daß viele im Buch entwickelte Konflikte im letzten Kapitel einfach so im Vorübergehen abgearbeitet werden. Die ganze Geschichte mit den beteiligten Figuren hat sich zu einem großen Konfliktpotential entwickelt, wird dann jedoch einfach nur im Vorübergehen aufgelöst.
Offenbar hatte der Stoff beim Niederschreiben eine Dimension angenommen, der Dick nicht mehr Herr wurde. Oder das Buch wurde im Zeitdruck geschrieben. Vielleicht durfte auch ein gewisser Umfang nicht überschritten werden - was auch immer.
Es löst sich jedenfalls alles so einfach im Wohlgefallen auf und man ist als Leser verstimmt darüber, das eine Menge potentieller Konfliktstoff, der bis zum Ende des Romans noch gar nicht richtig behandelt wurde, einfach so praktisch vom Tisch gefegt wird.
Das hinterläßt jedenfalls einen sehr unbefriedigenden Eindruck und nährt den Verdacht, daß Dick sich bei diesem Werk völlig verschätzt hatte.
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4.0 von 5 Sternen
Starke Charaktere, etwas zähe Story, 15. März 2010
Jason Taverner tritt jede Woche vor 30 Millionen Fernsehzuschauern auf. Am Morgen nach seiner jüngsten einstündigen Sendung, erwacht der charismatische und wohlsituierte Entertainer jedoch in einem billigem, ihm unbekannten Hotel, ohne jegliches Identifikationsdokument. Außerdem erkennt ihn Niemand mehr, nicht einmal sein Agent oder Heather Hart, die Frau, mit der er mehr Geheimnisse und Gemeinsamkeiten teilt, als mit jedem anderen Menschen. Die Flucht nach vorn antretend, besorgt er sich neue Papiere und erweckt schon dadurch das Interesse der Pol's - der ständig kontrollierenden Gewalt, im weltumspannenden totalitärem System.
"Eine andere Welt" ist mein bisher finsterster Dick-Roman.
In dieser Welt, in der man ohne Papiere sofort als "Unperson" eingestuft wird und im schlimmsten Fall in ein Zwangsarbeitslager gelangt, macht sich, Jason Taverner, auf die Suche nach seiner verlorengegangenen Existenz. Dabei begegnet er den verschiedensten Menschen, die entweder zufrieden oder in perversesten Abgründen ihr Dasein fristen.
Der Entertainer selbst, ein Produkt genetischer Experimente, ist auch nach dem Existenzverlust noch derart von sich überzeugt, das er sich im Grunde alles erlaubt und außer an seinem bisherigem Leben kaum Zweifel verspürt.
Die Kreation der sehr unterschiedlichen und tiefgreifenden Charaktere standen für Philip K. Dick wohl eher im Mittelpunkt, als die Möglichkeiten "Big Brother" näher zu beleuchten. Denn bis auf den näheren Kontakt zu Polizeigeneral Buckman, bleibt Dick hinter seinen herausragenden Möglichkeiten, eine komplette andere Welt zu inszenieren.
Dennoch bietet der Autor einen beängstigenden Einblick, in eine Zukunft zwischen Drogenkonsum, Inzest und Korruption, bis hin zur totalen Überwachung, die uns hoffentlich erspart bleibt.
Die spannende Frage, warum Taverner nun plötzlich außerhalb seiner gewohnten Umgebung erwachte, wird eigentlich nur durch das etwas zähere Voranschreiten (besonders der ersten 100 Seiten) der Erzählung ein wenig beeinträchtigt.
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