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Eine amerikanische Familie
 
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Eine amerikanische Familie [Gebundene Ausgabe]

Matthew Sharpe , Verena von Koskull
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: Aufbau-Verlag; Auflage: 1 (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351030207
  • ISBN-13: 978-3351030209
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 13,6 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 401.757 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Matthew Sharpe
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

“Irgend etwas kann mit der Prozdac-Dosierung für Chris Schwartz’ Vater nicht gestimmt haben, denn als er eines schönen Morgens erwachte, stellte er fest, dass seine rechte Gesichtshälfte taub geworden war.” So könnten Romane beginnen, deren Autoren hoffen, dass die Leser die literarische Anspielung (hier eben auf Franz Kafka) verstehen und darüber bereits so glücklich sind, dass die das Genie des Zitierten mit dem des Zitierenden verwechseln. Romane, die Creative Writing Seminaren entsprungen sind und nach dem fulminant postmodernen, unglaublich intertextuell wirkenden ersten Satz gnadenlos abflachen. Oder grandiose Bücher wie Eine amerikanische Familie von Matthew Sharpe, die eben von einer kafkaesken Welt erzählen, die inmitten der USA Realität geworden ist: von Eltern, die sich betrügen, von beruflich wie privat gescheiterten Vätern, die nur noch in der medikamentösen Betäubung existieren, von drogenexperimentierenden Söhnen und religiös fanatischen Töchtern -- kurz: vom ganz normalen Wahnsinn, der in Bushs Amerika zu kursieren scheint. Wenn man das dermaßen witzig und traurig tut, wie es Sharpe in diesem Roman gelingt, wirft man gern alle Vorurteile über erste Sätze über Bord.

Matthew Sharpe kann bereits mit einer populären Fangemeinde aufwarten. Ann Tyler fand seine Familiengeschichte „frisch, witzig, schräg“, und der Shooting Star der Belletristik-Szene DBC Pierre meinte gar, der Autor und Dozent für Kreatives Schreiben an der Columbia University habe mit einer „brillanten und bewegenden“ Geschichte „das heutige Amerika mitten ins bittersüße Mark“ getroffen. Tatsächlich hat auch die US-amerikanische Kritik Eine amerikanische Familie mit Jonathan Franzens Die Korrekturen verglichen, und auch, wenn man als Franzen-Freund ein derartiges Urteil vielleicht nicht ganz teilen mag, so stimmt es doch: Eine amerikanische Familie ist mit Sicherheit eine der großen Überraschungen des Bücherfrühjahres 2005. --Stefan Kellerer

Pressestimmen

"Matthey Sharpe ist ein Meister der Ironie, der dennoch auch andere Menschen zu mögen scheint." (The New York Times)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Chris Schwartz ist 17, vorlaut und frech und macht zu allem und jedem einen blöden Spruch. Seine ein Jahr jüngere Schwester Cathy unternimmt trotz der jüdischen Wurzeln ihrer Familie gerade einen Ausflug zum Katholizismus. Pubertät wäre mit Blick auf beide ein passendes Stichwort. Vater Bernard schafft es, nachdem seine Frau ihn verlassen hat, kaum noch ohne seine tägliche Dosis Prozac aus dem Bett, während seine mittlerweile von ihm geschiedene Frau Lila nach Kalifornien durchgebrannt ist und dort Karriere macht. Alles ganz normal, bei den Schwartzens. Das ändert sich schon bald, als Bernard versehentlich seine Antidepressiva vertauscht. Er erleidet einen Schlaganfall und fällt ins Koma. Als Bernard aufwacht, geleiten Sohn und Tochter den Vater zurück in den Alltag. Zusammen schlingert die Familie durch so manche kleinere und größere Katastrophe. Die Sprösslinge werden stetig und ohne es recht zu merken erwachsen und während sie ihre Unschuld verlieren, hat Vater Bernard sie wieder zurückgewonnen ...

Sharpes Roman ist in erster Linie eine Familiengeschichte. Den Reiz des Romans macht dabei seine Mischung aus. Auf der einen Seite irrsinnig witzig, auf der anderen Seite alles andere als eine Komödie. Sharpe gelingt der Drahtseilakt zwischen Dramatik und Witz, zwischen Humor und Melancholie. Verglichen wird "Eine amerikanische Familie" im Verlagstext mit Sam Mendes' Film "American Beauty". Diese Mischung aus Witz und Melancholie und dieser alles durchdringende Sarkasmus, der im Endeffekt dazu dient, den wahren Kern des heutigen Amerikas zu entblößen, ist beiden Werken gemein.

Sharpe schafft es, trotz der scheinbar eher oberflächlich angelegten Erzählung, trotz des Humors, der zwischen den Zeilen funkelt, ein überraschend tiefes Bild seiner Figuren zu skizzieren. Er entblättert auf so lockere und unterhaltsame Art ihr Innerstes, dass es ein wahrer Genuss ist. Besonders Chris macht mit der Zeit einen Reifungsprozess durch und er ist die heimliche Hauptfigur in Sharpes Roman. Er wandelt etwas haltlos durch seinen Alltag und weckt hier und da Erinnerungen an Holden Caulfield in J.D. Salingers "Der Fänger im Roggen". Was in meinen Augen ein wenig hinkt, ist der Vergleich mit Jonathan Franzens "Die Korrekturen". Beiden gemein ist zwar eine genaue Beobachtungsgabe mit einem Blick für kleine unscheinbare Details und beide haben sicherlich einen Sinn für Humor der eher trockenen Sorte, dennoch ist Sharpes Werk irgendwie lauter und frecher. Wenn Jonathan Franzen Pop ist, dann ist Matthew Sharpe Rock.

Was an der Lektüre so erfrischend ist, ist Sharpes Stil. Voller Wortwitz, raffiniert erzählt, bissig und gespickt mit Pointen, ist "Eine amerikanische Familie" ein Roman der Spaß macht. Sharpes Stil ist eine Stil der schnellen Schnitte. Temporeich treibt er die Geschichte voran, von der der Leser vielleicht manches vorausahnen mag, es dann aber in Sharpes Worten präsentiert zu bekommen, macht diese Transparenz wieder wett.

Ein Buch, das gewitzt, schräg, herzerfrischend, herrlich ironisch und ganz nebenbei so feinfühlig und melancholisch daherkommt, dass man es mitsamt seiner Figuren einfach mögen muss. Für mich eines der bislang unterhaltsamsten Bücher dieses Jahres. Bitte mehr davon!

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
sehr unterhaltsam. Hatte das Buch schnell durchgelesen, da es an keiner Stelle langweilig wird. Die Story ist allerdings mittelmäßig und mir wurde bis zum Schluss nicht klar wo eigentlich der Schwerpunkt jetzt liegen sollte. Der Schlaganfall? Die Tochter mit ihrem Glauben? Die Mutter, die alles hinter sich ließ? Oder der Sohn, der selbst nciht weiß, wer er ist? Trotzdem wars interessant. Einen Punkt Abzug gibts fürs Ende, welches ja wohl total übertrieben war!
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24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von F. Martin
Format:Gebundene Ausgabe
Der in Deutschland mit seinem Roman „Jesus von Texas" schlagartig bekannt gewordene US-Autor DBC Pierre (DBC steht übrigens für ‚Drugs But Clean') bemerkte zu Matthew Sharpes „Eine amerikanische Familie", dass dieser Roman „das heutige Amerika mitten ins bittersüße Mark" treffen würde. Und in den bundesdeutschen Feuilletons wurden denn auch gleich euphorisch Vergleiche zu Jonathan Franzen und Jeffrey Euginedes angestellt. Dabei fiel auch der Name J. D. Salinger (!). Kurzum: Der Roman wurde von Verlag und Presse rasch empor gejubelt. Und mit Lorbeer ausgezeichnet. Der Hinweis auf die zigfach brüske Ablehnung mächtiger US-Konzernverlage zu Sharpes' Manuskript darf auch nicht fehlen. Als knalliger Aufkleber auf dem eingeschweißten Buch ist dieser nur schwerlich zu übersehen. Selbstverständlich ergänzt mit der werbewirksamen Mitteilung, dass dieses Buch „aktuell in den USA das angesagteste Buch sei". Ein starkes Verkaufsargument. Und ein Wink mit dem Zaunpfahl. Also: Kaufen, kaufen, kaufen!

Nach der Lektüre stelle ich zwar fest, dass Sharpes' „Eine amerikanische Familie" ein grundsolider Familienroman ist. Aber es gibt Besseres. Zum Beispiel die Lektüren der so fix herbeizitierten Herrschaften Franzen und Euginedes. Eine Ausnahme bleibt Salinger. Mit seinem Jahrhundertroman „Der Fänger im Roggen" steht er sowieso allein. Und allzu großspurige Vergleiche in diese Richtung verbieten sich im Grunde schon im Ansatz.

Was passiert nun in Matthew Sharpes' Bellwether, Connecticut, unserer Tage? Auf den ersten Blick nicht viel mehr als im Rest der USA. Nach außen hin ist Amerika eine starke Nation, nach innen geblickt: verschreckt, misstrauisch, verunsichert. Dies spiegelt sich wieder im Lebenslauf der bürgerlichen Familie Schwartz. Vater Bernie liegt nach einem unverträglichen Antidepressiva-Cocktail zeitweise im Koma. Seine Ex-Frau hat leider keine Zeit, da andere Probleme. Und so liegt es an dem 16jährigen Chris seinen Daddy wieder aufzupäppeln. Auf seine Schwester Cathy kann er dabei nur bedingt zählen. Deren zeitintensive Suche nach Gott wird gerade von einer Schwangerschaft unterbrochen. Und so hetzen Chris und Cathy durch die Irrungen und Wirrungen der Pubertät. Und wollen vor allem eines: ihre Jugend effektiv verbringen. Oder noch viel besser: schnellstmöglich hinter sich lassen. Auch wenn sie jetzt schon wissen, dass es später nicht wirklich besser werden wird. Die eigenen Eltern geben ihnen ein mahnendes Beispiel. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Und auch wenn Chris und Cathy es nicht merken: sie lieben das Leben.

Matthew Sharpe geht es vorrangig um die ganz großen Probleme des heutigen Amerikas. Um die grundsätzliche Einsamkeit und Leere der Menschen im Land der unbegrenzten Oberflächlichkeiten. Wo eitler Konsumrausch und schnelle Bedürfnisbefriedigung nicht mehr ablenken können. Das eindimensionale Dasein bleibt stets trist. Öd alles. Und kein Ausweg. Nirgends. Dabei bedient sich Sharpe seiner Familie Schwartz als Plattform. Das reicht nicht immer aus. Die Zeichnung seiner Figuren häufig zu klischeehaft.

Dennoch: die Familiengeschichte ist auch anrührend. Und hin und wieder drollig. So sprüht beispielsweise die Szene, in der Sohnemann Chris seinen im Komaschlaf liegenden Vater mit schwarzen Eddingfilz mehr Profil und Farbe verleihen will, vor Witz und Komik. Aus dem gemalten kleinen Quadrat zwischen Nase und Oberlippe wird schnell ein kleines Hitler-Bärtchen. Nur die zuvor gepinselten Koteletten zerstören das „Gesamtkunstwerk". Und dabei war's ja wirklich nur gut gemeint. Ein herzergreifender Moment. Es gibt derer noch einige mehr im Verlaufe des Romans. Die feinsten Stellen des Buches ohnehin die Szenen zwischen Chris und Bernie am väterlichen Krankenbett mit privat organisierter Therapie im Anschluss. Und hier ist Matthew Sharpe auch wirklich großartig. Wenn er die oberflächliche Typisierung seiner Figuren endlich aufbricht. Und sich Zeit nimmt für eine detaillierte Beschreibung der Szenerie und der Personen. Wir lesen dabei auch sehr viel über Nächstenliebe, tiefe Güte und Warmherzigkeit. Und damit lohnt die Romanlektüre letztlich also doch noch.

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