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Die Geschichte der vier Frauen in vier verschiedenen Realitäten ist offensichtlich auch die Geschichte von Russ selbst und damit ein Bericht aus den 70er-Jahren, der mit seiner Erzählform zu einem der wichtigen Werke des Science Fiction avanciert ist. Dabei ist der viel diskutierte, 1975 erstmals erschienene SF-Roman der Nebula-and-Hugo-Award-Gewinnerin nicht einfach zu lesen -- die Erzählerinnen wechseln unvermittelt, Handlungsorte und Ereignisse springen über das ganze Buch -- doch liegt genau darin die Stärke von Eine Weile entfernt: Es ist schwer zu fassen und deshalb auch nur schwer mit einfachen Anti-Feministinnen-Kommentaren abzutun.
Anspruchsvolle Lektüre mit dem richtigen Hauch Genialität, auf dem die Frage der Geschlechter über das voll ausgeschöpfte Potenzial des Science Fiction ins Gehirn gleitet. --Wolfgang Tress
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wow, das geht ans Hirn,
Rezension bezieht sich auf: Eine Weile entfernt (Taschenbuch)
Gleich eins vorweg: Dies ist kein einfaches Buch. Ich habe der Story (wenn überhaupt) nur mit Mühe und Not folgen können. Man hat echte Probleme damit herauszufinden, wo, wann und in wessen Kopf man sich gerade befindet. Alle vier Protagonistinnen müssen abwechselnd als Ich-Erzähler herhalten (oder doch nur drei oder zwei?), und alle sind sich auf gewisse Weise ähnlich. Auch sind viele Formulierungen und Gedankengänge irgendwie konfus (oder ich war einfach nicht in der Lage, sie zu verstehen). Trotzdem fand ich "The Female Man" (engl. Original) echt klasse. Die Struktur des Romans ist (mir zumindest) völlig neu, und bestimmte Textstellen sind so herrlich bissig (und zeigen doch die traurige Realität), dass ich nicht wusste, ob ich lachen oder weinen soll. Wahrscheinlich lohnt es sich, das Buch (ebenso wie "Die linke Hand der Dunkelheit" von Ursula K. LeGuin) später ein zweites Mal zu lesen. Ich werde es tun, wenn mir irgendwann der Lesestoff ausgeht (und ich dann, reich an Erfahrung, mehr verstehen werde ;-).P.S. Ich bin ein (recht mickriges) Exemplar des männlichen Geschlechts. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Klassiker, jedoch nicht jedermanns Sache,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Eine Weile entfernt (Taschenbuch)
Joanna Russ' "The Female Man" (hier vorliegend in einer ambitionierten Übersetzung) ist ein Klassiker eines hochspeziellen Genres: feministische Science-Fiction. In unserer spaßorientierten Gesellschaft wird mit dem Begriff "Feminismus" normalerweise zunächst Verbitterung, Verbissenheit und Humorlosigkeit verbunden. "Eine Weile entfernt" belehrt eines Besseren: es handelt sich hier um einen kompromißlos avantgardistischen, ungeheuer vielschichtigen Roman, dem es immer wieder gelingt, den Leser zu überraschen. Russ ist der Tradition des "stream of consciousness" verpflichtet, begnügt sich jedoch nicht mit der Innensicht einer einzigen Person. Janet, Joanna und Jeannine sind die drei Hauptakteurinnen des Romans. Sie entstammen nicht etwa bloss verschiedenen Zeitaltern, sondern gleich verschiedenen Raum-Zeit-Kontinuen, parallelen Universen. Joanna, die kaum verhohlen auf der Autorin selbst basiert, lebt im New York "unserer" siebziger Jahre. Sie ist Professorin und versucht, mehr oder weniger erfolgreich in der männerdominierten akademischen Welt zurechtzukommen. Janet ist aus Whileaway, einer zukünftigen Version der Erde, auf der die Männer seit Jahrhunderten ausgestorben sind. Jeannine ist aus einem New York der vierziger Jahre, in dem die grosse Depression nie aufgehört, der zweite Weltkrieg nie stattgefunden hat. In ihrem Kontinuum werden Frauen noch weitaus mehr unterdrückt als in Joannas Welt. Russ lässt diese drei Charaktere (die, so ist zu mutmaßen, möglicherweise alle ein und dieselbe J-Person in verschiedenen Alternativen sind) aufeinandertreffen. Die Verstrickungen und Mißverständnisse, die sich aus dieser Zusammenkunft ergeben, sind originell und humorvoll beschrieben und verdeutlichem dem Leser das Anliegen der Autorin auf unterhaltsame Weise. Joanna Russ, dies wird insbesondere in den Schilderungen des männerlosen Whileaway deutlich, steht nicht für die Ansicht, dass Frauen einfach die besseren Menschen seien. Sie will vielmehr verdeutlichen, wie ungeheuer willkürlich und, von Ferne betrachtet, lächerlich die Bedeutung ist, die wir dem kleinen Unterschied im gesellschaftlichen Umgang miteinander beimessen. Nicht jedermanns Sache ist "Eine Weile entfernt" nicht seines Inhalts oder seiner Intention wegen, sondern weil der Roman literarisch ungeheuer komplex ist. Erzählperspektiven werden, häufig ohne besondere Zuordnung oder Kennzeichnung, gewechselt, von einem stringenten Plot kann kaum die Rede sein. Dies ist zwar, wie zum Schluss deutlich wird, integraler Bestandtteil dieser ganz besonderen Leseerfahrung, mag auf den einen oder anderen jedoch abschreckend wirken. Ein Buch für Leute, die gerne nachdenken!
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