Ehrlich gesagt: die ganzen Jubelstürme, die laut Klappentext das Buch ausgelöst hat, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Sicherlich: an guten Ideen fehlt es nicht, aber insgesamt kommt das Buch sehr schwer in die Gänge.
Das Problem des Werkes ist, dass die Mitte extrem ausgedehnt ist. In diesem Mittelteil passiert nämlich für den Plot leider nicht all zuviel, sondern im Grunde nur eines: die Fraktionen belauern einander.
Wobei die Betonung ganz klar auf "belauern" liegt - die Protagonisten warten ab, gehen langsam in Position für das Finale.
Dieses ganze Belauern im langen Mittelteil liest sich nicht wirklich kurzweilig. Vernor Vinge schreibt als solches gut, aber es fehlt meiner Ansicht nach ganz klar an einem: Handlung!
Damit meine ich nicht Action (wer auf Action steht sollte das Buch ohnehin ganz klar meiden), sondern ein Voranschreiten des Plots. Es passiert einfach mitunter kapitelweise wenig bis gar nichts, was auf Dauer der Entwicklung der an sich guten Story deutlich schadet.
Es läuft daher im wesentlichen auf eines heraus: die Menschen belauern die Aliens, zwei Fraktionen der Menschen und zwei Fraktionen der Aliens belauern sich außerdem noch untereinander. Alle Beteiligten warten darauf, dass etwas passiert... genau wie der Leser, der sich zwangsläufig mehr und mehr fragt, ob die Geschichte irgendwann mal eine Wendung macht, an Tiefe gewinnt oder in Fahrt kommt.
Positiv muss nach all der Kritik aber klargestellt werden, dass dieses Buch ohne wenn und aber einige ganz phantastische Ideen enthält.
Die Aliens werden beispielsweise sehr interessant geschildert - wobei gesagt werden muss das es Spinnen sind, die anfangs sehr vermenschlicht geschildert wirken... bis man mit der Zeit immer mehr merkt, dass sie eben doch nicht wie Menschen denken und handeln, aber wohl doch die Sympatieträger und Identifikationspersonen des Buches sind (ausgerechnet Spinnen...).
Auch in der Schilderung des "Ein/Aus-Sterns" und der Technologie wartet Vinge mit interessanten Ideen (z.B. die Orter, der Fokus etc.) auf, ebenso wie es ihm gelingt, die beiden agierenden Menschenfraktionen plastisch zu beschreiben und ihre Unterschiede gut herauszuarbeiten.
Alles in allem ein recht lesenswertes Buch, welches aber dann doch etwas langatmig geraten ist und schwachbrüstig in punkto Handlung daherkommt. Ich könnte mir denken das dieses Buch um Längen besser wäre wenn Vinge den Mittelteil schlichtweg um die Hälfte gekürzt hätte.
Für Fans von Hard SF sicherlich durchaus eine mögliche Anschaffung, aber ein Meisterwerk vermag ich persönlich nicht zu erkennen - und schon gar nicht DEN SF-Mythos des 21sten Jahrhunderts, wie es auf dem Klappentext behauptet wird.