"Eine Stadt aus Worten" ist eigentlich eine Vorlesungsreihe, die Alberto Manguel 2007 in Kanada gehalten hat. Wie der Titel schon andeutet, steht das Wort im Mittelpunkt, und zwar das geschriebene und dann gelesene Wort. Manguel geht weit zurück, um der Bedeutung dieses Wortes auf die Spur zu kommen. Zwar scheint Sprache schon seit ca. 500 000 Jahren zu existieren, die Schriftsprache aber erst und trotzdem immerhin seit etwa 5000 Jahren. Und diese Schriftsprache ist schon immer gefährlich gewesen, weil sie den Menschen und damit die Gesellschaft formt, ja sogar schafft. Das beeinflusst auf der einen Seite die Gegenwart, auf der anderen Seite aber auch die Zukunft. Geschichten sind das Gedächtnis der Menschheit und bilden das Fundament unserer Zivilisation.
Das alles und noch viel mehr zeigt Manguel anhand des Gilgamesh Epos, anhand des Don Quijote, am Beispiel von Jack London und Homer. Was er schreibt, ist äußerst fundiert. Hier schreibt ein wirklicher Leser. Zwar kommt es manchmal etwas trocken rüber, doch kurz darauf überzeut Manguel wieder durch eines seiner interessanten Beispiele. Mit Kritik spart er nicht. Gerade die letzten Seiten des Buches tun gut. Da geht es um seine Betrachtungen des Literaturbetriebs, in dem Leser immer mehr zu infantilen Konsumenten gemacht werden. Mir spricht er aus der Seele. "Eine Stadt aus Worten" empfehle ich gern, verweise aber noch lieber auf Manguels Bücher "Die Bibliothek bei Nacht" und "Die Geschichte des Lesens".