Und zwar mit Abstand!
Es ist eigentlich kein klassischer Krimi, da diesmal nicht die Frage "Wer war's?" im Vordergrund steht. Der Mörder / die Mörderin ist nämlich schnell gefunden, da er / sie bereitwillig gesteht, jedoch das Motiv nicht verraten will. Es geht also darum, herauszufinden, warum die Tat begangen wurde. Klar ist, der Grund muss so schrecklich sein, dass der 7 die Angeklagte lieber an den Galgen wandern will, als das Geheimnis zu offenbaren.
Hester findet schliesslich heraus, um was es sich handelt, und es erscheint ihr und Oliver Rathbone (dem Verteidiger) so ungeheuerlich, dass sie befuerchten, keiner werde ihnen glauben.
Doch nach und nach stellt sich heraus, dass eine ganze Reihe von Leuten längst Bescheid weiss und ebenfalls eisern geschwiegen hat - so lange, bis der geniale Anwalt im Zeugenstand die Wahrheit aus ihnen herausholt. Der beste Teil des gesamten Romans ist meiner meinung nach das Verhör von Felicia Carlyon (Matriarchin der feinen Familie, Mutter des Mordopfers) durch Rathbone - er bringt sie dazu, zuzugeben, dass auch sie das schreckliche Familiengeheimnis längst kannte.
Gelungen ist auch die Darstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Meine Lieblingsfigur ist Hesters Freundin Edith - eine kinderlose junge Witwe aus guter Familie, die nun den ganzen Tag zu Hause hockt und sich dabei zu Tode langweilt. Wird sie in ihrer Bude versauern? Nein - Hester hat eine tolle Idee...
Werde keine Perry-Krimis mehr kaufen, da ich es geschmacklos finde, dass eine verurteilte Mörderin ihren Lebensunterhalt mit Romanen ueber Mord verdient. Aber da hier ja nicht die Person des Autors bewertet werden soll, sondern nur die schriftstellerische Leistung, gebe ich 5 Sterne.