Keiner aus der Klinik konnte sie leiden, und so scheint es auch niemandem wirklich leid zu tun, daß Miss Bolam ermordert wurde. Niedergeschlagen mit einer kleinen Statue und erstochen. Der Kreis der Verdächtigen ist klein, scheint es doch unwahrscheinlich, daß der Mörder sich einfach tagsüber in die gut bewachte Klinik schlich. Es kann also nur einer von den Ärzten oder Schwestern gewesen sein.
Das alles hat das Zeug zum spannenden Krimi à la "10 kleine Negerlein", und doch bleibt die Spannung, bis auf eine kleine Ausnahme kurz vor Schluß, einfach weg. Die Befragungen der Verdächtigen verlaufen routinemäßig, die Verdächtigen selbst liefern auch keinen Stoff zum Aufhorchen - hier eine geheime Affäre, dort kaum verdeckter Haß gegen das Opfer; alle bewährten (falschen) Fährten werden in altbekannter Form heruntergespult. Selbst das Ende ist, obwohl überraschend, doch seltsam unspannend. Der Mörder wird gefaßt, aber man verspürt kaum diese Gefühl der Erleichterung, mit dem man gute Krimis nach der letzten Zeile zur Seite legt und mit der Welt wieder zufrieden ist (obwohl meist mir der Überzeugung, daß sie schlecht ist). Schließlich weiß man vorher, daß es nur eine Formsache ist, den Mörder zu entlarven, trauert doch niemand um das Opfer; und da die Autorin es nicht schafft, Mitgefühl für Miss Bolam zu erwecken oder dem Leser Detective Dalgliesh so ans Herz wachsen zu lassen, daß man ihm den Erfolg wünscht, ist dieses Buch eine netter Zeitvertreib aber kein wirklich empfehlenswerter Krimi.