Es gab im Prinzip nur zwei Regisseure, die Western-Bestleistungen aus Guiliano Gemma herauskitzeln konnten: Duccio Tessari und Michele Lupo.
Hier nun also der erste Italo-Western des Duos Tessari/Gemma, der den Startschuss für eine äußerst erfolgreiche Karriere des damals noch jungen Schauspielers Gemmas darstellen sollte.
Er übernimmt hier die Rolle des Ringo genannt "Angel Face", eines Revolverhelden, der sich in eine mexikanische Bande von Geldräubern und Kidnappern einschleusen lässt, da er auf diesem Weg einer Verurteilung (er sitzt gerade wegen eines Verbrechens ein, dass er natürlich als Unschuldiger nicht begangen hat) entgehen möchte.
Mit Witz (der manchmal ein wenig albern herüber kommt) und Härte treibt er ein doppeltes Spiel und trickst die Banditen (Fernando Sancho in seiner ersten (?) Rolle als mexikanischer Bandenchef - also eine weitere Premiere) aus.
Der Film stammt aus der Frühzeit des Genres, was vor allem an der Inszenierung, der Ausgestaltung der Charaktere und der Musik auffällt.
Den Filmen Gemmas fehlte eigentlich immer das letzte Quentchen der brutalen Härte anderer Genrefilme. Auch der wunderbare Soundtrack Morricones ist eher eine langsam vorgetragene (gesungene (!)) Weise, als ein flottes Orchesterstück, was man vom Meister eigentlich gewohnt ist.
Wer einen gut gemachten Western mit einer originellen Handlung, einigen Überraschungen und gut aufgelegten Schauspielern sucht, ist hier genau richtig.
Wer es gern etwas härter mag, dem sei zugleich der Nachfolger "Ringo kehrt zurück" empfohlen, der zwar vom Namen und den Akteuren (Regisseur, Schauspieler, Komponist) her am hier besprochenen Film anknüpft, aber punkto Regie und Story einen völlig anderen Weg beschreitet.
Nichtsdestotrotz sollte jeder Kenner diesen Film zumindest einmal gesehen haben.