In "Eine Mittelgewichtsehe" werden vier Charaktere beschrieben, deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als auch deren Sexleben auf Irvingsche-weise miteinander verwoben sind. Es geht um Partnertausch mit allen erdenklichen irrwitzigen Fantasien, der anfänglich anregend für die eigene Beziehung sein soll, im Verlauf jedoch einerseits zu einer Abhängigkeit führt andererseits sich als Beziehungskiller entpuppt. Neben diesen grotesken Details beschreibt Irving das ganz normale Familienleben dieser vier Protagonisten, die Angst um ihre Kinder und ihre Liebe zu ihnen. Im Kontrast zu dieser biederen Seite wirken ihre ungewöhnlichen Vorlieben, den Partner zu tauschen, als könnten sie so davor bewahrt werden, erwachsen zu sein. Und auch die Charaktere an sich sind wieder einmal schillernder als man sich vorstellen kann. Auf der einen Seite der Ich-Erzähler, ein schwacher und farbloser Mann, der seine Frau nicht halten kann. Utsch seine Frau, ein von einem Russen in Wien aufgezogenes etwas eigenwilliges, aber dadurch sehr interessantes Mädchen. Edith, eine junge Schriftstellerin am Anfang ihres Erfolges, rauchend und gelangweilt. Und schlussendlich der eigentliche Mittelpunkt des Romans, Severin, das Abbild von Owen Meany (lies Irving 'Owen Meany). Insgesamt finden sich sehr viele Themen in "Eine Mittelgewichtsehe", die sich wie ein roter Faden durch Irvings Romane ziehen.
"Eine Mittelgewichtsehe" ist ein sehr früher Roman Irvings, der stilistisch fast noch konstruiert wirkt. Aber gerade dieses stilistische Konstrukt bildet den Kontrast zu dem völlig unkonventionellen Inhalt und macht Irvings Genialität aus. In den ersten vier Kaptieln werden die Charaktere systematisch vorgestellt. Es folgen sechs weitere, in denen sich die Viererbeziehung auf einen Höhepunkt entwickelt und dann wieder abflaut. Und das Ende ist selbst mir als überzeugter Irving-Fan auch nach vielem Nachdenken, Drehen und Wenden komplett unverständlich. Es macht sehr viel Spaß, die verborgenen Winkel dieses Romans zu entdecken.