Der niederländische Autor Richard Sanders, gut 60jährig, kehrt zu einer Buchvorstellung nach Paris zurück, der Stadt, in der er als junger Mann am Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn einige Zeit gelebt hat. Er bewohnte damals zusammen mit seinem Freund Tovers, der inzwischen ein international anerkannter Künstler ist, eine winzige Wohnung.
Kaum in Paris angekommen, spricht ihn vor seinem Hotel eine Frau an, die ihn aus früheren Tagen kennt: sie haben sich in Antwerpen geliebt. Peinlicherweise kann Richard sich überhaupt nicht erinnern. Es bedarf der Aufklärung durch die Frau, Sacha van Muster, die ihm bei einer erneuten Begegnung eine überraschende Mitteilung macht.
Er trifft sich nach Jahren erstmals mit Tovers. Nach dieser Begegnung fragt er sich, ob die Bezeichnung Freund noch zutreffend ist, da sie außer der gemeinsamen Zeit in Paris nichts verbindet, ihre Lebensgestaltung verlief völlig konträr.
Diese beiden Ereignisse bilden den Ausgangspunkt für eine innere Rückschau auf sein Leben. Er reflektiert seine Karriere, seine Beziehungen, seine Ehe, sein Verhältnis zum Vater und eng damit verknüpft seine Jugendjahre. Dabei spürt man eine gewisse Melancholie, vielleicht hätte er aus heutiger Sicht das eine oder andere anders entschieden. Schmerzlich wird ihm bewusst, dass er kein junger Mann mehr ist. Am schlimmsten empfindet er die plötzlich gefüllten Erinnerungslücken, ausgelöst durch die Begegnung mit Sacha. Wie kann man nur eine Liebe vergessen, fragt er sich schuldbewusst. Möglicherweise steht Richard nun noch einmal an einem Wendepunkt in seinem Leben.
Es ist beklemmend, wie punktgenau Campert ein Leben mit Höhen und Tiefen auf wenigen (150) Seiten entstehen lässt. Das ist sehr nachhaltig und zieht Gedanken über das eigene Leben zwangsläufig nach sich. Die Reduktion dieses Romans auf eine Liebesgeschichte, wie auf dem Klappentext geschehen, finde ich unzureichend und irreführend. Wer eine Liebesgeschichte erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein. Dieses Buch ist viel mehr als eine bloße Liebesgeschichte. Insofern finde ich den Titel (auch im niederländischen Original) nicht glücklich gewählt. Welche Liebe in Paris ist gemeint? Die zu Sacha doch nicht, mit ihr lebte er in Antwerpen.