Pressestimmen
"Ein Erzählstil, so sanft wie der Nil, dessen Atmosphäre Pullinger verführerisch heraufbeschwört." (The Independent )
Werbetext
Roman in Kanada mehrfach ausgezeichnet Faszinierende Frauengeschichte Vermittelt auf sinnliche Weise Kultur und Landschaft Ägyptens Von der Co-Autorin von Das Piano
Kurzbeschreibung
England, 1862. Als Lady Duff Gordon von ihrem Arzt nach Ägypten geschickt wird, um dort im trockenen, warmen Klima ihre Tuberkulose auszuheilen, bedeutet das auch für ihr Dienstmädchen Sally ein Exil auf unbestimmte Zeit. So begeben sich die beiden, schwankend zwischen Staunen und Angst vor der exotischen Fremde, gemeinsam auf eine Flussfahrt den Nil hinauf. Begleitet werden sie von Omar, einem erfinderischen Dragomanen und begnadeten Koch. Als Lady Duff Gordon in Luxor ihr Korsett gegen Männerkleider eintauscht, Arabisch lernt und zu wöchentlichen Salons einlädt, beginnt auch Sally, eine ungeahnte Freiheit zu genießen. Doch diese Freiheit hat ihre Grenzen ...
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
.
Über den Autor
Kate Pullinger, im kanadischen Cranbook geboren, lebt seit 1982 in London. Sie ist Autorin mehrerer Romane, darunter Das Piano (gemeinsam mit Jane Campion). Eine Liebe in Luxor gewann 2009 den renommierten kanadischen Governor General's Award und war für den Giller Prize nominiert. katepullinger.com
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
KATE PULLINGER
Eine Liebe in Lu xor
Der Ruck, als das Schiff an den Kai stieß, versetzte mir einen kleinen Schlag, einen Lebensfunken: endlich Ägypten. Ich wandte mich meiner Lady zu, die neben mir an der Reling stand und die von Rauch und Hitze verschleierte Stadt betrachtete. »Wir sind da.« Sie lächelte. »Es heißt, Alexandria sei eigentlich gar nicht Ägypten.« »Nicht, Mylady?«, fragte ich enttäuscht, obwohl ich das bereits wusste. »Ein Ort zwischen den Welten, mediterran, afrikanisch, europäisch, voller Phantommonumente, die vor langer Zeit verschwunden sind.« Ich sah meine Lady an, unsicher, was sie meinte; ihr Ton war unerwartet harsch. Unterwegs war es mir vorgekommen, als sei sie ebenso aufgeregt wie ich, an diesen antiken Ort zu reisen. Ich musste ein weiteres Mal daran denken, was sie alles zurückgelassen hatte. Und die Ankunft an unserem fremden Ziel hatte wohl auch sie daran erinnert. »Aber du hast Recht, Sally.« Sie wandte sich mir zu und legte ihre Hand auf meine Schulter, als wolle sie mich beruhigen. »Wir sind da. Ägypten.« Die erste Fahrt durch die Stadt entsetzte uns beide; nichts, was wir im Jahr zuvor am Kap gesehen hatten, hatte uns darauf vorbereitet. Schmutz. Armselig aussehende Kinder, die uns um Geld anbettelten, sobald die Kutsche bremste, was wegen des schrecklichen Gedränges in den engen Straßen häufig der Fall war. Einmal kam ein Kind zu nahe, als die Kutsche weiterfuhr; ich sah einen Mann, der es von der Straße in einen sicheren Torbogen zerrte, wo er es mit einem Pantoffel schlug. Die Sprache rauschte an unseren Ohren vorbei, glatt, sperrig, voller unvertrauter Klänge, Knurr- und Kehllaute. »Ich werde nie ein einziges Wort lernen!«, sagte ich. Meine Lady war blass geworden, als ob ihre kostbare Gesundheit, die sie auf der Seereise wiedererlangt hatte, aus ihrem Körper entwichen und aus dem Fenster in den harten blau-weißen Himmel geflogen wäre. Die Wohnung der Rosses war kühl und still. Es fühlte sich eigenartig an, dort allein zu sein - ich schlief jede Nacht im Bett meiner Schwester Ellen, und meine Lady quartierte sich im Schlafzimmer ihrer Tochter ein -, obwohl ich froh war, dass ich nicht von Miss Janet in meine Pflichten eingewiesen wurde wie daheim in England, und ich vermute, meine Lady dachte ähnlich. Aber so war niemand dort, um uns zu begrüßen, niemand, der uns die Umstellung leichter machte; die Rosses hatten in Alexandria keine festen Dienstboten. Miss Janet hatte nicht daran gedacht, eine Hilfe für uns zu finden, und meine Lady hatte nicht daran gedacht, danach zu fragen. Wir würden allein zurechtkommen müssen. Meine Lady ruhte sich in dem Dachgarten aus, den ihr Schwiegersohn angelegt hatte; dort oben konnte sie Briefe nach Hause schreiben, lesen und Landkarten studieren, um unsere Reise den Nil aufwärts zu planen. Ich wusste, dass sie die Überfahrt und die exotische Mischung der Mitpassagiere genossen hatte - eine italienische Operntruppe, vier Damen aus der Levante und ein charmanter spanischer Konsul zu ihrer Unterhaltung -, aber nach unserer Ankunft wurde sie bedrückt und schwermütig. Ich sah, dass sie sich sorgte, was hier in Ägypten aus uns werden sollte, und nach einigen äußerst erfolglosen Ausflügen in den schmutzigen Mahlstrom Alexandrias gab meine Lady auf und zog sich zurück. Neben dem Dachgarten gab es eine Bibliothek, die Miss Janet - Mrs Ross, meine ich - von England hatte herschiffen lassen und in der meine Lady fortan ihre Tage verbrachte, ehe sie abends auf die Dachterrasse kam. Dar- über war ich froh, denn es war offensichtlich, dass die Straßen voller Krankheiten waren, und jedes Mal, wenn ich unterwegs war, hörte ich Husten, der ganz so klang wie der meiner Lady. Alexandria war, wie Mrs Ross uns gewarnt hatte, moderig, die Meerluft überzog die Gebäude der Stadt mit einer Salzkruste. Ich ging durch Straßen mit prächtigen weißen, europäischen Fassaden und warf kurze Blicke in ägyptische Innenräume voller Orange-, Rot-, Gold- und Grüntöne. Mr Ross' Dachgarten war ordentlich, englisch, schattig und grün, während die Gärten in den Höfen, in die ich sah, voller Farben und fremder Bäume mit üppigen Blüten waren, deren süßer Duft den Gestank der Stadt durchdrang. Echte Sehenswürdigkeiten, die man hätte besichtigen können, gab es nicht, weil alle historischen Stätten allein auf Mutmaßungen fußen - »Phantommonumente«, wie meine Lady sagte, nicht mehr und nicht weniger: Hier könnte das Grabmal von Alexander dem Großen gewesen sein; dort stand wahrscheinlich der Leuchtturm des Pharaos, eines der Wunder der antiken Welt; aber es gab nichts zu sehen. Stattdessen herrschte das wildeste Durcheinander von Völkern, das man sich vorstellen kann, und alle wollten etwas verkaufen: ein eleganter italienischer Barbier neben einem syrischen Bäcker mit Lehmofen, eine prächtige französische Patisserie, vor deren polierten Glastüren eine Schar schnatternder Bauersfrauen Apfelsinen verkaufte. So ganz auf mich gestellt, unternahm ich Ausflüge auf die Straßenmärkte und in die Läden, musste mich jedoch allzu oft geschlagen geben und mit leeren Händen heimkehren, eine Meute ausgelassener Kinder auf meinen Fersen. Wenn die Leute mich auf der Straße sahen, lächelten sie, und ich wusste nicht, ob sie mich grüßten oder auslachten. Nie zuvor war ich irgendwo so wahrhaft fremd gewesen wie an diesem Ort. Eines Tages, als ich mich gerade für einen weiteren Streifzug über den Markt fertig machte - vielleicht würde ich es ja dieses Mal tatsächlich schaffen, ein oder zwei Kartoffeln zu kaufen -, standen unerwartet zwei Freunde von Mr Ross vor der Tür: Mr Hekekyan Bey, ein Armenier, der in England studiert hatte, in einem englischen Anzug und mit einem roten Fes mit blauer Quaste auf dem Kopf, eine außergewöhnliche Kombination, die ihm aber irgendwie stand, und Mr William Thayer, der amerikanische Generalkonsul, jung und gut aussehend, mit einem offenen, freundlichen Gesicht. Sie waren sehr amüsiert von den Geschichten meiner Lady über unser Unvermögen, uns anzupassen und einzuleben; ich beobachtete, wie meine Lady sich, getragen von ihrer Belustigung, über ihre Unpässlichkeiten erhob, und wurde erneut gewahr - wie hatte ich es vergessen können? -, dass sie genau das zum Aufblühen braucht: andere Menschen. In Gesellschaft ist sie in ihrem Element; sobald die beiden eintrafen, begann sie, freier zu atmen. Jemand, mit dem man reden und debattieren, jemand, den man befragen kann; jemand, der das Leben interessanter macht. Und hier waren nicht nur ein, sondern gleich zwei Gentlemen, die sich überaus bereitwillig unterhielten und unterhalten ließen. Als Mr Thayer meine Lady fragte, was sie von Alexandria hielt, erwiderte sie: »Ist dies nicht die Stadt, in der Kleopatra sich das Leben nahm?« Beide Männer lachten. »Was Sie brauchen, Lady Duff Gordon, ist ein Dragoman«, erklärte Mr Thayer. »Ein was?«, fragte meine Lady. »Ein Dolmetscher, ein Führer, ein Faktotum«, sagte er und betonte das letzte Wort besonders. »Oh«, erwiderte meine Lady, »werden wir uns dann weniger « - sie sah mich an, als ich das Kaffeetablett abstellte - »verloren fühlen?« »Ja«, erklärte Mr Thayer bestimmt. »Sie können in diesem Land unmöglich ohne einen Ägypter an Ihrer Seite reisen. Ich kenne da den perfekten Burschen.« Und ehe meine Lady Zeit hatte, sich zu fragen, ob sie so etwas wirklich brauchte oder es sich überhaupt leisten konnte, kehrte Mr Thayer noch am selben Tag mit einem jungen Ägypter zu- rück. »Madam«, erklärte er mit einer Verbeugung, »Mr Omar Abu Halawy. Vater der Süßigkeiten.« »Verzeihung«, erwiderte meine Lady belustigt. »Der Süßigkeiten? « Mr Omar Abu Halawy wirkte leicht verdutzt, und ich fragte mich, wie viel von dem, was besprochen wurde, er verstand. Er beobachtete Mr Thayer und meine Herrin aufmerksam, was mir die Gelegenheit gab, ihn genauer zu betrachten. Er war ein wenig jünger als ich, vielleicht Mitte zwanzig, obwohl das schwer zu sagen war. Er war schlank - alle ägyptischen Männer sind schlank, es sei denn, sie sind...
Eine Liebe in Lu xor
Der Ruck, als das Schiff an den Kai stieß, versetzte mir einen kleinen Schlag, einen Lebensfunken: endlich Ägypten. Ich wandte mich meiner Lady zu, die neben mir an der Reling stand und die von Rauch und Hitze verschleierte Stadt betrachtete. »Wir sind da.« Sie lächelte. »Es heißt, Alexandria sei eigentlich gar nicht Ägypten.« »Nicht, Mylady?«, fragte ich enttäuscht, obwohl ich das bereits wusste. »Ein Ort zwischen den Welten, mediterran, afrikanisch, europäisch, voller Phantommonumente, die vor langer Zeit verschwunden sind.« Ich sah meine Lady an, unsicher, was sie meinte; ihr Ton war unerwartet harsch. Unterwegs war es mir vorgekommen, als sei sie ebenso aufgeregt wie ich, an diesen antiken Ort zu reisen. Ich musste ein weiteres Mal daran denken, was sie alles zurückgelassen hatte. Und die Ankunft an unserem fremden Ziel hatte wohl auch sie daran erinnert. »Aber du hast Recht, Sally.« Sie wandte sich mir zu und legte ihre Hand auf meine Schulter, als wolle sie mich beruhigen. »Wir sind da. Ägypten.« Die erste Fahrt durch die Stadt entsetzte uns beide; nichts, was wir im Jahr zuvor am Kap gesehen hatten, hatte uns darauf vorbereitet. Schmutz. Armselig aussehende Kinder, die uns um Geld anbettelten, sobald die Kutsche bremste, was wegen des schrecklichen Gedränges in den engen Straßen häufig der Fall war. Einmal kam ein Kind zu nahe, als die Kutsche weiterfuhr; ich sah einen Mann, der es von der Straße in einen sicheren Torbogen zerrte, wo er es mit einem Pantoffel schlug. Die Sprache rauschte an unseren Ohren vorbei, glatt, sperrig, voller unvertrauter Klänge, Knurr- und Kehllaute. »Ich werde nie ein einziges Wort lernen!«, sagte ich. Meine Lady war blass geworden, als ob ihre kostbare Gesundheit, die sie auf der Seereise wiedererlangt hatte, aus ihrem Körper entwichen und aus dem Fenster in den harten blau-weißen Himmel geflogen wäre. Die Wohnung der Rosses war kühl und still. Es fühlte sich eigenartig an, dort allein zu sein - ich schlief jede Nacht im Bett meiner Schwester Ellen, und meine Lady quartierte sich im Schlafzimmer ihrer Tochter ein -, obwohl ich froh war, dass ich nicht von Miss Janet in meine Pflichten eingewiesen wurde wie daheim in England, und ich vermute, meine Lady dachte ähnlich. Aber so war niemand dort, um uns zu begrüßen, niemand, der uns die Umstellung leichter machte; die Rosses hatten in Alexandria keine festen Dienstboten. Miss Janet hatte nicht daran gedacht, eine Hilfe für uns zu finden, und meine Lady hatte nicht daran gedacht, danach zu fragen. Wir würden allein zurechtkommen müssen. Meine Lady ruhte sich in dem Dachgarten aus, den ihr Schwiegersohn angelegt hatte; dort oben konnte sie Briefe nach Hause schreiben, lesen und Landkarten studieren, um unsere Reise den Nil aufwärts zu planen. Ich wusste, dass sie die Überfahrt und die exotische Mischung der Mitpassagiere genossen hatte - eine italienische Operntruppe, vier Damen aus der Levante und ein charmanter spanischer Konsul zu ihrer Unterhaltung -, aber nach unserer Ankunft wurde sie bedrückt und schwermütig. Ich sah, dass sie sich sorgte, was hier in Ägypten aus uns werden sollte, und nach einigen äußerst erfolglosen Ausflügen in den schmutzigen Mahlstrom Alexandrias gab meine Lady auf und zog sich zurück. Neben dem Dachgarten gab es eine Bibliothek, die Miss Janet - Mrs Ross, meine ich - von England hatte herschiffen lassen und in der meine Lady fortan ihre Tage verbrachte, ehe sie abends auf die Dachterrasse kam. Dar- über war ich froh, denn es war offensichtlich, dass die Straßen voller Krankheiten waren, und jedes Mal, wenn ich unterwegs war, hörte ich Husten, der ganz so klang wie der meiner Lady. Alexandria war, wie Mrs Ross uns gewarnt hatte, moderig, die Meerluft überzog die Gebäude der Stadt mit einer Salzkruste. Ich ging durch Straßen mit prächtigen weißen, europäischen Fassaden und warf kurze Blicke in ägyptische Innenräume voller Orange-, Rot-, Gold- und Grüntöne. Mr Ross' Dachgarten war ordentlich, englisch, schattig und grün, während die Gärten in den Höfen, in die ich sah, voller Farben und fremder Bäume mit üppigen Blüten waren, deren süßer Duft den Gestank der Stadt durchdrang. Echte Sehenswürdigkeiten, die man hätte besichtigen können, gab es nicht, weil alle historischen Stätten allein auf Mutmaßungen fußen - »Phantommonumente«, wie meine Lady sagte, nicht mehr und nicht weniger: Hier könnte das Grabmal von Alexander dem Großen gewesen sein; dort stand wahrscheinlich der Leuchtturm des Pharaos, eines der Wunder der antiken Welt; aber es gab nichts zu sehen. Stattdessen herrschte das wildeste Durcheinander von Völkern, das man sich vorstellen kann, und alle wollten etwas verkaufen: ein eleganter italienischer Barbier neben einem syrischen Bäcker mit Lehmofen, eine prächtige französische Patisserie, vor deren polierten Glastüren eine Schar schnatternder Bauersfrauen Apfelsinen verkaufte. So ganz auf mich gestellt, unternahm ich Ausflüge auf die Straßenmärkte und in die Läden, musste mich jedoch allzu oft geschlagen geben und mit leeren Händen heimkehren, eine Meute ausgelassener Kinder auf meinen Fersen. Wenn die Leute mich auf der Straße sahen, lächelten sie, und ich wusste nicht, ob sie mich grüßten oder auslachten. Nie zuvor war ich irgendwo so wahrhaft fremd gewesen wie an diesem Ort. Eines Tages, als ich mich gerade für einen weiteren Streifzug über den Markt fertig machte - vielleicht würde ich es ja dieses Mal tatsächlich schaffen, ein oder zwei Kartoffeln zu kaufen -, standen unerwartet zwei Freunde von Mr Ross vor der Tür: Mr Hekekyan Bey, ein Armenier, der in England studiert hatte, in einem englischen Anzug und mit einem roten Fes mit blauer Quaste auf dem Kopf, eine außergewöhnliche Kombination, die ihm aber irgendwie stand, und Mr William Thayer, der amerikanische Generalkonsul, jung und gut aussehend, mit einem offenen, freundlichen Gesicht. Sie waren sehr amüsiert von den Geschichten meiner Lady über unser Unvermögen, uns anzupassen und einzuleben; ich beobachtete, wie meine Lady sich, getragen von ihrer Belustigung, über ihre Unpässlichkeiten erhob, und wurde erneut gewahr - wie hatte ich es vergessen können? -, dass sie genau das zum Aufblühen braucht: andere Menschen. In Gesellschaft ist sie in ihrem Element; sobald die beiden eintrafen, begann sie, freier zu atmen. Jemand, mit dem man reden und debattieren, jemand, den man befragen kann; jemand, der das Leben interessanter macht. Und hier waren nicht nur ein, sondern gleich zwei Gentlemen, die sich überaus bereitwillig unterhielten und unterhalten ließen. Als Mr Thayer meine Lady fragte, was sie von Alexandria hielt, erwiderte sie: »Ist dies nicht die Stadt, in der Kleopatra sich das Leben nahm?« Beide Männer lachten. »Was Sie brauchen, Lady Duff Gordon, ist ein Dragoman«, erklärte Mr Thayer. »Ein was?«, fragte meine Lady. »Ein Dolmetscher, ein Führer, ein Faktotum«, sagte er und betonte das letzte Wort besonders. »Oh«, erwiderte meine Lady, »werden wir uns dann weniger « - sie sah mich an, als ich das Kaffeetablett abstellte - »verloren fühlen?« »Ja«, erklärte Mr Thayer bestimmt. »Sie können in diesem Land unmöglich ohne einen Ägypter an Ihrer Seite reisen. Ich kenne da den perfekten Burschen.« Und ehe meine Lady Zeit hatte, sich zu fragen, ob sie so etwas wirklich brauchte oder es sich überhaupt leisten konnte, kehrte Mr Thayer noch am selben Tag mit einem jungen Ägypter zu- rück. »Madam«, erklärte er mit einer Verbeugung, »Mr Omar Abu Halawy. Vater der Süßigkeiten.« »Verzeihung«, erwiderte meine Lady belustigt. »Der Süßigkeiten? « Mr Omar Abu Halawy wirkte leicht verdutzt, und ich fragte mich, wie viel von dem, was besprochen wurde, er verstand. Er beobachtete Mr Thayer und meine Herrin aufmerksam, was mir die Gelegenheit gab, ihn genauer zu betrachten. Er war ein wenig jünger als ich, vielleicht Mitte zwanzig, obwohl das schwer zu sagen war. Er war schlank - alle ägyptischen Männer sind schlank, es sei denn, sie sind...