Zuerst liest man vielleicht zehn, zwanzig Seiten, das Thema ist ernst, die Gedanken an das düsterste Kapitel deutscher Geschichte bitter. Danach liest man vermutlich noch einmal zehn zwanzig Seiten, da hat jemand so detailreich recherchiert, das berührt, ist nah, geht unter die Haut, ist passiert und doch so schrecklich irreal. Und dann, später, nimmt man das Buch, kann es nicht mehr aus der Hand legen, erst irgendwann, ausgelesen und dann ganz vorsichtig, damit ja nichts drankommt an jene zarten und gleichzeitig starken Gefühle, die trotz der Hölle von Auschwitz möglich waren. 19 Jahre ist Jerzy als er in Auschwitz landet: politischer Häftling. Über vier Jahre wird er hier bleiben und hier auch die Jüdin Cyla kennen lernen. Die Liebe zueinander lässt die beiden die bestialische Unmenschlichkeit der Nazis überstehen und überleben. Das, was schier unmöglich klingt und es schwer macht, an einen Tatsachenbericht zu glauben, das ist die Flucht der beiden aus dem Lager unter abenteuerlichen Umständen. Und doch ist es so passiert.Sie fliehen, werden getrennt, sich aber wiederfinden. Thilo Thielke, Spiegel- Redakteur hat die Geschichte von Cyla und Jerzy fünf Jahre lang recherchiert und sie auf gut 200 Seiten niedergeschrieben, so, wie es war, nach Berichten, Briefen, Erzählungen, mit Dokumenten und Bildern. Entstanden ist daraus ein höchst beeindruckendes Stimmungsbild, das stellenweise arg an die Nieren geht, aber auch ans Herz und vor allem ans Gewissen: ob miterlebt oder nicht, die Zeit der Nazi-Greueltaten u.a. in Vernichtungslagern wie Auschwitz dürfen nie vergessen werden.