Als eine grausam zugerichtete Frauenleiche am Strand gefunden wird, ist es mit Maresciallo Santomauros Sommerruhe vorbei. In vielen Gesprächen mit den sogenannten Freundinnen und Freunden des Opfers entspinnt sich das Bild einer fast hermetischen Gesellschaft, die Jahr für Jahr den Sommer in ihren mehr oder wenigen noblen Anwesen am Meer verbringt und die Zeit totschlägt mit Strandleben, Klatsch, Kartenspiel, Seitensprüngen und noch mehr Klatsch. Die Frauen sind gefangen in den Konventionen dieser Gesellschaft und einem sehr stark körperzentrierten Weltbild, in dem eine gute Figur, Schönheit, Kleidung, Sex und die allumfassende "bella figura" das Leben vollständig bestimmen, während das Innenleben der Damen alles andere als schön und sehenswert ist. Sie nutzen jede sich bietende Gelegenheit, um schlecht über die anderen zu reden, ganz besonders über das Opfer, so dass ein möglichst großer Verdächtigenkreis geschaffen wird, hinzu kommen die diversen verflossenen Liebhaber des Opfers.
Den Fortgang des Krimis empfand ich teilweise als langatmig und die Handlung dreht sich nicht selten im Kreis, doch sind die Damen dieser gehobenen, italienischen Sommergesellschaft so gut getroffen, dass eine gewisse grausige Faszination von ihnen ausgeht. Durch die Ereignisse und Gespräche sowie vielen kleinen Hinweisen kann der Leser zudem gut mitraten, "whodunnit". Mir drängte sich die Lösung schon relativ bald auf, so dass ich etwa ab der zweiten Hälfte stellenweise etwas genervt war von den unnötigen Kreisen der Ermittlung.
Ich fand den Krimi insgesamt sehr stimmig und trotz der Längen lesenswert und bin gespannt, was noch von der Autorin kommt.