"So oder so ist das Leben,
so oder so ist es gut.
So wie das Meer ist das Leben,
ewige Ebbe und Flut."
Hildegard Knef hat diesen Text gesungen, die Musik schrieb Theo Mackeben schon 1934. Ein Klassiker des deutschen Chansons, den Nylon auf ihrem zweiten Album neu interpretieren. In diesen Gewässern schippern sie gerne. Das Berliner Quintett liebt die Melancholie schummriger Seefahrerkneipen, in denen einsame Herzen ein bisschen Heimat suchen. Viel Wahrheit steckt in den Liedern. Viel Leben, versüßt mit einem Schuss Kitsch, hingehaucht von Sängerin Lisa Bassenge mit umwerfendem Kleinmädchencharme.
"Es geht in den Songs darum, im täglichen Trott Romantik zu finden", erläuterte die Sängerin in einem Interview. Wo sich Nylon mit ihrem überraschenden Erstling "Die Liebe kommt" noch ganz der Großstadtromantik hingaben, mit Friedrich Hollaender bis Ideal das Leben zuhause in Berlin besangen, stechen sie nun mit Eigenkompositionen in See. Windschnittiger sind sie geworden, die gute alte Grammophonzeit ist fast vergessen.
Wie perfekt deutsche Texte, Herzpochen und Elektro-Groove zusammenpassen, haben schon 2raumwohnung bewiesen. Das funktioniert - mit kleinen Abstrichen - auch bei Nylon. "Wir bleiben weiterhin Soundtüftler, die modern arbeiten", sagt Bassist Paul Kleber über die Entstehung des zweiten Albums. Ein bisschen mehr Zeit hätten sie sich allerdings nehmen können. Manche Feinheit in der Produktion ging unter, das E-Piano im Stück "Kurze Weile" klingt gar falsch. Erfolgsdruck?