"Eine Kiste explodierender Mangos" ist der erste Roman eines vorher ziemlich unbekannten pakistanischen Journalisten. Er wurde spontan für den Man Brooker Prize nominiert, einem der wichtigsten Buchpreise der englischsprachigen Literatur. Voll und ganz und wirklich zu Recht.
Was Mohammed Hanif, erst Pilot der pakistanischen Luftwaffe, dann Autor von Theaterstücken und Drehbüchern, jetzt unter anderem Korrespondent der BBC in Karachi, hier geschafft hat, ist eine literarische Sensation. Und ein hinreißendes Buch. Der weltberühmte und mit Lob sonst sehr sparsame Thrillerautor John Le Carré nennt es nicht umsonst "Geistreich, elegant und herrlich anarchisch".
Es ist die reine Lesefreude gemischt mit Schrecken, Gelächter, Rührung, Verblüffung, Furcht und wieder schallendem Lachen. Es ist ein Roman über die Diktatur, ihre Geheimdienste, ihre Militärs. "Eine Kiste expldoierender Mangos" ist außerdem ein erstklassig konstruierter Thriller über einen real dokumentierten Flugzeugabsturz, bei dem 1988 nicht nur der pakistanische Diktator Zia umkam, sondern auch der US-Botschafter. Die Ursache wurde nie geklärt, ein Schuldiger nie gefunden. Zumindest nicht offiziell.
Beides, Ursache und Schuldigen, liefert jetzt Mohammed Hanif in Form einer brillanten Satire, nach deren Lektüre es mich wundert, dass der Autor (nach zwölf Jahren in London) in Pakistan leben darf. So boshaft, entlarvend, begeisternd ist das Buch. Der Ich-Erzähler ist ein junger Pilot, der mit seinem Freund Baby O am pakistanischen Nationalfeiertag vor dem Diktator Ziu nicht nur einen spektakulären "silent drill" mit Säbeln und Bajonetten aufführen soll, sondern Ziu ermorden will. Durch Schlangengift? Durch einen Säbelstoß ins Auge? Durch Bandwürmer, die sich langsam in Zius Herz fressen? Durch eine fette Krähe? Durch Gift in einem Flugzeug-Luftverbesserer? Oder doch durch überreife Mangos?
Die Auswahl, die Mohammed Hanif seinen Lesern anbietet, ist groß. Geheimdienstgenberäle konkurrieren um das beste Mordkomplott. Eine liebenswerte Blinde hofft darauf, dass ihre Verfluchtung wenigstens einmal eintrifft. Baby O versucht sich vergeblich an einer Variante, der Ich-Erzähler liefert einige andere. Das sorgt für Spannung. Für das Gelächter und den Schrecken sorgen sehr genau beobachtete und mit lächelnder Grausamkeit beschriebene Details aus dem Drillalltag der Soldaten, der Zusammenarbeit zwischen Amerikanern und Pakistanis, den Allmachtsvorstellungen eines Diktators, einfühlsam-zärtlich geschildertem Sex zwischen dem Erzähler und seinem Rilke übersetztenden Freund, Folter, einer total verrückten und doch total glaubwürdig dargestellten Party in der US-Botschaft, Waffendeals, Drogenphantasien, Festungshaft in lichtlosen Verließen und den Träumen der Krähe.
The New York Times lobte das Buch als "historischen Roman von unheimlicher Aktualität", aber "historisch" stimmt als Kennzeichung nur, weil Hanif seine Satire rund um den Flugzeugabsturz des Diktators Ziu vor 20 Jahren schrieb. Das rücksichtslose Gerangel, der mörderische, interne Krieg um Macht, Geld und Einfluss, die er hier dem erschrockenen Gelächter preis gibt, finden täglich in jeder Diktatur statt. Genau wie die Grausamkeiten, die jungen Soldaten angetan werden, um sie zu Killern zu erziehen und gleichzeitig gegen alle Feinde der herrschenden Macht zu indoktrinieren. Auch in Demokratien.
"Eine Kiste explodierender Mangos" ist das aktuelle Pendant zu Curzio Malapartes "Kaputt" und Joseph Hellers "Catch 22" über den zweiten Weltkrieg. Es entlarvt den Hochmut der Machthaber, ihren Zynismus ebenso wie ihren naiven Glauben an die eigene Überlegenheit, aber wichtiger noch ist:
"Eine Kiste explodierender Mangos" bietet nicht nur exemplarisch gute Satire über ein immer aktuelles Thema. Der Roman von Mohammed Hanif ist einfach grandioser Lesestoff.