Ryu (Rinko Kikuchi - Babel, Naokos Lächeln) führt zwei Leben, beide jedoch zurückgezogen und in Einsamkeit. Nachts arbeitet sie auf dem Tokioter Fischmarkt, dazu führt sie Aufträge als Killerin aus.
Als der Geschäftsmann Nagara seine Tochter verliert und die Schuld an ihrem Tod deren Geliebtem, dem spanischen Weinhändler David (Sergi López - Pans Labyrinth), zuschiebt, setzt er Ryu auf ihn an. Doch kaum, dass sie David kennenlernt, gerät ihre emotionslose Profession ins Wanken ...
Ich hatte mich bereits seit längerer Zeit auf den Film gefreut; mag sein, dass meine Erwartungen daher etwas zu hoch waren, doch konnte mich der Film leider nicht gänzlich überzeugen. Dennoch bleibt er sehenswert - sofern man stille und langsame Filme mag.
Am Anfang sind die Szenenwechsel etwas schnell und ruppig, das Gezeigte ist sehr ausschnittartig, was sich nicht so ganz in das still Erzählte einfügen lässt. Das gibt sich aber im weiteren Verlauf des Films bzw. man gewöhnt sich daran.
Die Annäherung zwischen Ryu und David geschieht sehr schnell und widerstandslos, was Ryu als Profikillerin nicht ganz glaubhaft erscheinen lässt. Dennoch spielt Rinko Kikuchi ihre Rolle gut; Ryu ist eine schön dargestellte melancholische Figur und vielleicht die größte Stärke des Films. David konnte mich dagegen nicht so recht interessieren, im Duett mit Ryu kann er aber dennoch überzeugen.
Dazu vermittelt der Film an der einen oder anderen Stelle doch ein recht japanisches Gefühl; seien das Eindrücke, die man nebenher vom Fischmarkt bekommt, oder Aufnahmen in Vogelperspektive des nächtlichen Tokios.
Interessant war auch die Erzählperspektive des Films - ein alter Toningenieur, mit dem sich Ryu auf einer etwas seltsamen, distanzierten und schweigsamen Ebene anfreundet, erzählt ihre Geschichte; ein wenig in Form eines Voyeurs per Ohr. Das führt dazu, dass Ryus Textpassagen teilweise von ihm übernommen werden und sie somit noch ein Stück weit unnahbarer und schweigsamer erscheint.
Die weder dezenten noch expliziten Liebes- bzw. Sexszenen pendeln zwischen leidenschaftlich (ohne dabei idealisiert und romantisiert zu werden) und unmotiviert, sind aber nicht nur Selbstzweck, sondern dienen als eine Art Motor für die recht langsame Geschichte und als Gefühlsspiegel.
Fazit: Wer langsame, melancholische Filme und die Stadt Tokio mag, sollte »Eine Karte der Klänge von Tokio« eine Chance geben; der Film ist allerdings wirklich für Geduldige. Action gibt es hier keine ...