Ernst Tollers Roman "Eine Jugend in Deutschland" aufrichtiges, mitreißendes und leidenschaftliches Buch. Ehrlich und ohne Scheu davor, eigene Fehler zuzugeben, erzählt Toller von seiner Jugend: von seinem nationalistischen Stolz, seiner Begeisterung, mit der er in den Ersten Weltkrieg zog, seiner Umkehr zum Pazifismus und sein leidenschaftlicher Kampf für eine gerechtere Welt. Sein hohe Funktion in der Münchener Räterepublik hätte ihn beinahe mehrmals das Leben und tatsächlich 5 Jahre Gefängnis gekostet. Dieses Buch ist geschrieben von einem Menschen, der kein dogmatischer Kommunist war, sondern ein Mitfühlender, der mit anpacken möchte bei der Gestaltung einer neuen Welt. Was das Buch um so empfehlenswerter macht, ist die Tatsache, daß es sich bei Toller um einen der besten Schriftsteller des Expressionismus handelt, der insbesondere durch seine Theaterstücke bekannt war. Pikant und entsetzlich zugleich, daß Toller das Vorwort an dem Tag der Bücherverbrennung in Nazi-Deutschland vollenden muß. Wer dieses Buch gelesen hat, kann die Verzweiflung nachempfinden, die Toller 1939, sechs Jahre nach diesem Buch, desillusioniert, allein im Exil in New York zum Selbstmord brachte. Sein Werk lebt weiter. Dieses Buch ist aktueller denn je!