William Blake (1757-1827) war ein exzentrischer Einzelgänger, hervorragender Maler, Dichter und Visionär und entblößte seine Zeit durch die Radikalität seiner Ansichten zu Religion, Gesellschaft und Sexualität. Seine Gedichte (siehe Rez: Die Hochzeit zwischen Himmel und Hölle) hatten Einfluss, gar Inspiration auf Eliot, Jim Morrison und Jim Jarmusch. Sein (JJ) Film Dead Man Walking" ist bekannt. Am 28. November jährt sich Blakes Geburtstag zum 250. Mal. Grund genug, sich einem seiner unbekannten Werke zu widmen, welches erstmals in deutscher Übersetzung gerade (10/2007) erschienen ist.
1784 geschrieben bedarf es dennoch keiner historischen Einbettung, dieses Stück ist zeitlos. Blake: "the people are so much alike and their language so much the same that you would think you was among your friends."
In der Tat, die Erde ist voll von staunenden Studenten, unsensiblen Lehrer, betrunkenen Künstlern oder gar Pseudo-Intellektuellen. Ebenso von Modesklaven, religiösen Fanatikern und Sex-Besessenen oder -Unterdrückten. Also können Sie erwarten, dass diese Geschichte auf dem Mond eine einzige Persiflage, ein Sarkasmus per Excellance, eine vortreffliche Ironie darstellt. Absurdes Theater a la Beckett können Sie sich vorstellen. Auf dem Mond, ja weil Zeus sich die besser wissenden Philosophen zum Mond wünschte und so sind sie dort und schwafeln über das Denken (a bottle of wind), spinnen über Verstand, Vernunft, über Descartes, Voltaire, über die Menschlichkeit und Religion. Der Versuch über den menschlichen Verstand wird zu Huming, John Locke wird direkt in der Wortschöpfung Huming dem späteren David Hume zugeordnet, der nahezu gleichnamiges Werk verfasst hatte. Allein die Songs , Gedichte geben einen Stand im visionären Diesseits wieder. Blake hat Teile davon in seinen späteren Gedichten verwendet.
Insgesamt befindet man sich in einem Dialog zwischen Personen, deren Namen an sich schon witzig sein sollen, zugeben, etwas gekünstelt. Die Dialoge sind Statements, Fragen und Antworten im diffusen Zusammenhang und doch ins ganze Wissen eingebettet. Anspielungen auf Geschichte, Philosophie bleiben nicht aus, nein, sind vielmehr Programm. Homer, Shakespeare, Milton sind die großen an denen sich immer gemessen wird. Eigentlich ist diese Satire ein Symposion wie in der Antike, Philosophen werden bei Blake zu sanften Irren. Sie bekräftigen ihre Art, sich nicht der Realität zu stellen. Wie Marionetten fliegen sie auf fixen Ideen. Banale und sinnlose Übergänge in der Konversation sind schon die Vorboten des undefinierten Dadaismus. Jeder ist sich selbst der Rausch, weit von der Erde entfernt, da wo alles möglich, nichts eingeschränkt ist.
Im Internet finden Sie hier die Aufführung in Englisch: (ca. 48 Minuten)
http://www.ibiblio.org/jsviscom/island/videoLow.html
Ein interessanter guter Beitrag zur Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Die Fassung in Englisch / Deutsch gibt Gelegenheit, sich dem Originaltext zu widmen.
Ein modernes Stück ob der Zeitlosigkeit.