...und natürlich auch noch im Dezember...
schon der Schutzumschlag verheißt ein Kamin- und Kakao-Buch und genau das ist "Eine Hochzeit im Dezember" auch!
Ein Buch, in das man eintauchen kann und das den Leser - oder viel mehr die Leserin - graues Nieselwetter vergessen lässt.
Um die Amerikanerin Anita Shreve, die mit so schönen Büchern wie "Das Gewicht des Wassers", "Die Frau des Piloten" oder auch "Olympia" eine große Fangemeinde erfreut hat, war es in den letzten Jahren ein wenig still geworden.
Nun ist bei Piper ihr neues Buch erschienen, das eine bitter-süße Geschichte erzählt, die vom Erwachsenwerden und von den Geheimnissen, die jeder mit sich herumträgt, erzählt.
Es ist ungewöhnlich warm in jenem Dezember 2001 in Neu-England: Sieben Menschen, alle Mitte vierzig und einander seit mehr als zwanzig Jahren verbunden, treffen sich im Hotel von Nora, die die Hochzeit ihrer alten Studienfreunde Bridget und Bill ausrichtet. Teilweise hatten die Freunde engen Kontakt, doch in dieser Konstellation treffen sie sich seit mehr als zwanzig Jahren erstmals wieder.
Bill und Bridget waren schon zu College-Zeiten ein Paar, verloren sich aus den Augen und verliebten sich erneut ineinander. Nun wollen sie ihren Bund besiegeln und haben dazu die alte Clique eingeladen. Doch über dem Fest liegen tiefe Schatten: Bridget ist todkrank und beide trauern um die vielen getrennt voneinander verbrachten Jahre.
Aus allen Teilen Amerikas reisen die alten Freunde an und begegnen sich doch wie Fremde.
Schnell wird klar, das jeder der sieben sich schuldig fühlt an einem Abwesenden, der dennoch in der ganzen Geschichte überdeutlich präsent ist. Was geschah mit Stephen? Und werden die sorgsam gehüteten Geheimnisse und die mühsam unterdrückten Animositäten an diesem Wochenende aufbrechen?
Anita Shreve erzählt elegant und atmosphärisch von den Ereignissen dieses Hochzeitswochenendes.
Ihr gelingen sehr anrührende Schilderungen und ohne je seicht zu werden wird sie jedem ihrer Protagonisten auf besondere Art gerecht.
"Eine Hochzeit im Dezember" ist ein besonderer Schmöker. Er wird sicher allen Freundinnen gepflegter Unterhaltungsliteratur gut gefallen, die Autorin unterfordert aber auch gewiss keinen Literatur-Interessierten!
In diesem Herbst habe ich noch kein vergleichbar anspruchsvoll-unterhaltendes Buch gefunden.