Pressestimmen
Bücher, die Zeitgeschichte über die biographisch-persönliche Ebene erfahrbar machen wollen, boomen zurzeit. Gegen diesen Trend ist nichts einzuwenden vor allem nicht, wenn so sorgfältig vorgegangen wurde wie beim Buch „Eine Hitler-Jugend“ von Waltraud Kannonier-Finster. Der von der Michael-Gaismair-Gesellschaft herausgegebene Band untersucht am Beispiel eines 1925 geborenen Oberösterreichers die Sozialisation eines Jugendlichen in der NS-Diktatur. Als Quelle dienen u. a. Tagebücher und Interviews. Thematisiert wird auch das Fortwirken der in der Jugend erworbenen Erfahrungen und Mentalitäten im Erwachsenenleben. „Eine Hitler-Jugend“ zeigt, wie spannend eine historisch-soziologische Studie sein kann. Tiroler Tageszeitung, 15. Jänner 2005 "Die Soziologin Waltraud Kannonier-Finster legt mit ihrem Buch eine Studie vor, die nicht nur auf der Vermittlung von Daten und Ereignissen aufbaut, sondern untersucht, wie Einzelne sich mit der Ideologie und den Organisationen des NS-Regimes identifizieren konnten. Damit geht sie einen wenig beschrittenen Weg in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem 'kollektiven Gedächtnis' zu diesem Teil unserer Vergangenheit. Sie gibt einen differenzierten Einblick in Strukturen und Mechanismen des NS-Regimes und der Sozialisierung von Jugendlichen durch die HJ. Anhand der Geschichte von Alois Hauser wird greifbar, wie Jugendliche an die Ideologie des Nationalsozialismus gebunden werden konnten. Damit schafft die Autorin einen Anstoß, der eine grundlegende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit vorantreiben kann." AEP Informationen, Alexandra Weiss "Das vorliegende Buch macht die Bedeutung der geschichtlichen Verhältnisse und Prozesse am Beispiel der Lebensgeschichte und den Erzählungen einer konkreten Person anschaulich und fassbar. Grundsatz der Studie von Waltraud Kannonier-Finster ist es, die in zahlreichen Interviews wiedergegebene persönliche Lebenserfahrung, jeweils aus den geschichtlichen und sozialen Strukturen der jeweiligen Zeit zu verstehen und zu erklären. Die Soziologin macht in ihrer Studie weitverbreitete Verhaltens- und Argumentationsmuster einer ganzen Generation sichtbar. In „Alois Hauser“ werden manche Leserinnen und Leser Argumentations- und Verhaltensmuster der eigenen Eltern, Großeltern, Verwandten oder Bekannten wieder zu erkennen glauben. Die Autorin nimmt aber keine Verurteilungen vor, sondern versucht mit wissenschaftlicher Akribie zu erklären, weshalb die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus gerade in Österreich lange auf sich warten ließ und zu einer so großen Polarisierung in der Wahrnehmung dieser Zeit innerhalb der Gesellschaft und besonders zwischen den Generationen geführt hat." Lesen in Tirol
Kurzbeschreibung
Anhand der Lebensgeschichte von Alois Hauser, eines 1925 in einer österreichischen Landgemeinde geborenen Mannes, wird die Hitler-Jugend als Sozialisationsraum anschaulich beschrieben und kritisch analysiert.
Die Studie macht verständlich, wie Jugendliche die NS-Zeit als eine Phase der persönlichen Entfaltung erleben konnten, obwohl ihnen zugleich jedes Streben nach Freiheit und Individualität abgewöhnt wurde. Sie zeigt auch, wie in den Nachkriegsjahren das "österreichische Gedächtnis" die Erinnerung an die Hitler-Jugend und den Krieg eingefroren hat.
Am Fall von Alois Hauser werden die Konsequenzen dieser gesellschaftlichen Bedingung sichtbar: Sie ermöglichen einerseits die Neutralisierung der persönlichen Jugenderfahrungen, andererseits tragen sie zur Aufrechterhaltung der in der Jugend erworbenen Mentalitäten bei.