Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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42 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was für ein wunderbares Buch!, 24. April 2005
Auf 765 Seiten breitet Amos Oz ein Panorama von "Liebe und Finsternis" aus, und keinen Moment wird es langweilig. Das vielleicht zentrale Zitat steht auf S. 126: "Wenn du keine Tränen mehr zum Weinen hast, dann weine nicht. Lache."So hält diese Beschreibung von Amos Oz' Jugend, deren Wurzeln er bis zu seinen Großeltern zurückverfolgt, über den gesamten Spannungsbogen die Balance zwischen Weinen und Lachen. Bei all dem Traurigen, das der junge Amos in Jerusalem zur Zeit der Staatsgründung Israels erlebt, von der Erschießung eines Nachbarjungen durch einen jordanischen Scharfschützen bis hin zur größten Katastrophe, dem Selbstmord seiner Mutter, schildert er immer auch das Komische, das Absurde, das Skurrile, das er bei seinen Mitschülern, seinen Nachbarn, seinen Eltern und Großeltern erlebt. Nebenbei erfährt man viel über die hebräische Sprache, über israelische Schriftsteller aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und über die Lebensumstände in Jerusalem zur Zeit des ersten Nahostkriegs. Oz bindet alle diese Ebenen seines Romans, der eher eine Tatsachenerzählung ist, mit großer Kunstfertigkeit zusammen, so dass der Leser nie verwirrt wird, obwohl Oz in den Zeiten und in den Themen beständig hin und her springt. Über den Selbstmord seiner Mutter äußert er sich zum ersten Mal - nie hat er mit seinem Vater, seinen Großeltern, seiner Frau oder irgendjemandem anders darüber gesprochen. Aus jeder Zeile sprechen sein Entsetzen darüber und seine große Liebe, die er für seine Mutter empfand. Von vielen Seiten nähert sich dieser eigentlich unbeschreiblichen Tat, aber immer wieder schweift er ab, als bringe er es nicht über sich, sie hinzuschreiben. Erst auf der letzten Seite überwindet er sich. Hoch zu loben ist auch Ruth Achlama, die die Übersetzung aus dem Hebräischen besorgt hat. Auch wenn ich das Original nicht kenne und auch gar nicht verstehen würde, merke ich doch, wie sie sich in Oz' Werk hineinversetzt hat und mit welcher scheinbaren Leichtigkeit sie die verschiedenen Stimmen der vielen Menschen, die hier zu Wort kommen und die sich deutlich in Diktion und Sprachfärbung unterscheiden, ins Deutsche überträgt. Die knapp 800 Seiten sind keine leichte Kost, aber ihre Lektüre ist ohne jeden Abstrich zu empfehlen.
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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mir fehlen die Worte, 11. August 2007
Jeden Satz, den man zur Beurteilung von "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" niederschreibt, empfindet man als profan.
Ich versuche es dennoch, da ich mich geradezu verpflichtet fühle fünf Sterne zu vergeben.
Regelrecht benommen war ich als ich das Buch nach der letzten Seite zuschlug. Benommen und ergriffen.
Selten ist ein Romantitel so treffend gewählt: "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis". Ein vielschichtiger Roman bei dessen Lektüre man wünscht er möge nie enden.
So atmosphärisch beschreibt er in einer Leichtigkeit als würde Amos Oz neben einem sitzen und die Geschichte seiner Jugend erzählen. Springt von Anekdote zu Anekdote, macht einen kurzen Rückgriff oder Sprung in die Zukunft um dann wieder den Faden aufzunehmen. Immer wieder muss man innehalten und die Sätze nachklingen lassen. Sei es wegen des meisterhaften Erzählstils, sei es wegen einer empathisch geschilderten kleinen oder großen Tragödie, sei es wegen einer weiteren Lebensweisheit.
Die "Geschichte von Liebe und Finsternis" ist humorvoll, ist traurig, ist amüsant, manchmal bedrückend, subtil, intelligent und vor allem - voller Liebe.
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wunderbarer Lesegenuss für den anspruchsvolle Leser..., 4. März 2008
... ist diese Familiengeschichte, die zugleich die Entstehung des israelischen Staates und die Entwicklung der hebräischen Sprache erzählt. Auf über 800 Seiten fließen viele wunderbar beobachtete Szenen und genau beobachtete Details aus dem Alltagsleben in Jerusalem in den vierziger Jahren zu einem breiten Strom der Zeitgeschichte zusammen. Darum empfehle ich, dem Buch einen Platz in der Hausbibliothek einzuräumen, und auch weil man die heutigen Konflikte um den Staat Israel so besser verstehen kann.
Man sollte sich Zeit nehmen, und das Buch langsam lesen, weil seine Sprache so schön ist. Zwar sind die letzten Nuancen und die präzisesten Einzelheiten wohl nur im hebräischen Originaltext zu verstehen, doch was die großartige Übersetzung ins Deutsche möglich macht, genügt immer noch für den Lese-Rausch. Es finden sich auch wunderbare Gedichte im Text und Querverweise auf klassische Literatur. Jeder Vielleser und auch wer intellektuelle Literatur schätzt, wird dieses Buch lieben. Es gibt viele packende Stellen in dieser Geschichte, aber es ist kein Reißer, der einen diktatorisch an sich fesselt. Eher ein einfühlsamer Erzähler der kleinen, miteinander verwobenen Einzelgeschichten, der geduldige Verführer zu dem man immer wieder gerne zurückkehrt.
Das Gefühlsleben des kleinen Amos Klausner und seiner Familie ist in dem Buch so beschrieben, dass man hier von einem Entwicklungsroman sprechen kann, aber es gibt auch immer wieder literarische, philosophische und politische Betrachtungen des erwachsenen Erzählers aus seiner heutigen Perspektive - der des inzwischen über sechzig Jahre alten und mittlerweile erfolgreichen Autors. Wer das Schreiben guter Literatur lernen will, kann dadurch von diesem Buch profitieren. Es ist eine wahre Fundgrube von weiteren Leseempfehlungen.
Wie großartig und qualitativ hochwertig geschrieben dieser autobiographische Roman ist, habe ich zuletzt daran gemerkt, dass er mir den Geschmack an einem netten aber etwas seichten Kriminalroman verdarb, den ich danach anfangen wollte.
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