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Produktinformation
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Die zwei Menschen, von denen Oz hier spricht, das ist zum einen sein Vater: ein sentimentaler und enthusiastischer Mann, der siebzehn Sprachen lesen und elf sprechen kann (alle mit russischem Akzent), ein Universalgelehrter voll mit Magie und Mystik, und doch nach Ansicht der Mutter rational sogar noch im Schlaf. Die andere Person ist die Mutter des Schriftstellers, Fania Klausner, die am Ende der Geschichte von Liebe und Finsternis verzweifelt den Freitod wählt -- und von der der Ich-Erzähler behauptet, bis zum Schreiben dieser Seiten nie über sie gesprochen zu haben. Ihre tragische Geschichte erzählt das Buch -- und die Geschichte der Überlebenden ihrer Familien, die, dem Holocaust entronnen, in den vierziger Jahren ins gelobte Land nach Palästina ziehen, und die doch auch in der ersehnten Fremde nicht recht glücklich wurden.
Dieses Buch handelt von der enttäuschten Liebe meiner Eltern und Großeltern zu Europa, heißt es bei Oz. Es spürt dem jüdischen Erbe in der europäischen Kultur nach und dem europäischen Erbe in unserer eigenen Kultur. Vor allem aber ist es ein Buch über eine einzelne kleine Familie. Nein, möchte man, eher ergänzend als widersprechend, hinzufügen: Vor allem ist die Geschichte von Liebe und Finsternis ein Stück großer, packender, ehrlicher, grandios erzählter Literatur. --Stefan Kellerer
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So hält diese Beschreibung von Amos Oz' Jugend, deren Wurzeln er bis zu seinen Großeltern zurückverfolgt, über den gesamten Spannungsbogen die Balance zwischen Weinen und Lachen. Bei all dem Traurigen, das der junge Amos in Jerusalem zur Zeit der Staatsgründung Israels erlebt, von der Erschießung eines Nachbarjungen durch einen jordanischen Scharfschützen bis hin zur größten Katastrophe, dem Selbstmord seiner Mutter, schildert er immer auch das Komische, das Absurde, das Skurrile, das er bei seinen Mitschülern, seinen Nachbarn, seinen Eltern und Großeltern erlebt. Nebenbei erfährt man viel über die hebräische Sprache, über israelische Schriftsteller aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und über die Lebensumstände in Jerusalem zur Zeit des ersten Nahostkriegs.
Oz bindet alle diese Ebenen seines Romans, der eher eine Tatsachenerzählung ist, mit großer Kunstfertigkeit zusammen, so dass der Leser nie verwirrt wird, obwohl Oz in den Zeiten und in den Themen beständig hin und her springt. Über den Selbstmord seiner Mutter äußert er sich zum ersten Mal - nie hat er mit seinem Vater, seinen Großeltern, seiner Frau oder irgendjemandem anders darüber gesprochen. Aus jeder Zeile sprechen sein Entsetzen darüber und seine große Liebe, die er für seine Mutter empfand. Von vielen Seiten nähert sich dieser eigentlich unbeschreiblichen Tat, aber immer wieder schweift er ab, als bringe er es nicht über sich, sie hinzuschreiben. Erst auf der letzten Seite überwindet er sich.
Hoch zu loben ist auch Ruth Achlama, die die Übersetzung aus dem Hebräischen besorgt hat. Auch wenn ich das Original nicht kenne und auch gar nicht verstehen würde, merke ich doch, wie sie sich in Oz' Werk hineinversetzt hat und mit welcher scheinbaren Leichtigkeit sie die verschiedenen Stimmen der vielen Menschen, die hier zu Wort kommen und die sich deutlich in Diktion und Sprachfärbung unterscheiden, ins Deutsche überträgt.
Die knapp 800 Seiten sind keine leichte Kost, aber ihre Lektüre ist ohne jeden Abstrich zu empfehlen.
Hier beschreibt ein Autor seine wunderbare, anrührende und in einem langen Lebensprozess zur Vollendung gereifte Geschiche.
In differenzierten, feinen Beobachtungen, mit denen er als Kind die Welt und die Erwachsenen um sich herum wahrgenommen hat, läßt uns Amos Oz teilnehmen an dem, was Juden mit der Vertreibung aus ihren Heimatländern widerfahren ist.
Beide Großeltern stammen aus Odessa und Rowno, von wo sie um 1930 herum aufgebrochen sind, um in Israel eine neue Heimat zu finden, geflohen vor Progromen und den heranrückenden Nazis.
Es waren wohlhabende, gebildete Familien, die aus allen Bezügen bürgerlichen Wohlstands und der Teilhabe am kulturellen und wissenschaftlichen Leben herausgerissen wurden. Der Aufbruch in ein neues Land, der nicht gewollt war, vollzog sich unter widrigsten Umständen. In Jerusalem brauchte man Handwerker und benötigte Landwirtschaft, um überhaupt zu einem Aufbau des Landes beitragen zu können. Über beide Fertigkeiten verfügten viele eingewanderte Familien nicht. So blieben Träume und Hoffnungen auf wissenschaftliche Karrieren auf der Strecke, mußte nach dem gewohnten begüterten Leben mit primitivsten Unterkünften Vorlieb genommen werden, galt es, Verzicht auf gewohnten Lebensstandard zu leisten. Nur Bücher bleiben eine unerschöpfliche Quelle des Glücks in der Familie.
Der Junge wird ein liebevoller Beobachter, der seinen Eltern mit Empathie die Unbilden der Einwanderung zu erleichtern versucht. Daß er damit überfordert war, ist nur zu begreiflich.
So ahnt er die Tragödie der Eltern: eines klugen, pedantischen und mühsam das Leben meisternden Vaters, der sich als Bibliothekar den Broterwerb sichert, und einer an schweren Depressionen erkrankten, ebenfalls begabten und klugen Mutter.
In wunderbaren Szenen bekommen wir ein Bild von der frühen Phantasiewelt, mit der der Autor sich eine Welt zusammenspielt, in der er bestehen kann.
Der übergroße Vater, der viel zu viel spricht, weil er das Schweigen nicht erträgt, die stumme und bedrückend kränkelnde Mutter begleiten seine frühesten Kindheitsphasen. Später ertragen Vater und Sohn den Freitod der Mutter nur stumm miteinander. Sie gehen auseinander, als Amos beschließt, sich in einen Kibbuz zu begeben und sein Leben selber in die Hand zu nehmen.
Man bekommt tiefe Einsichten in die Unerschütterlichkeit, mit der Juden ihr Leben in der fremden Umgebung zu meistern versuchten, um endlich eine Heimat zu finden.
Die beschriebenen Charaktere sind vielfältig wie das Leben.
Die Schilderungen sind getragen von liebevoller Mitmenschlichkeit, voller Verständnis, kritischer Selbstreflexion und Dankbarkeit für die Menschen, die dem Erzähler im Leben begegnet sind und ihm weitergeholfen haben. Dazu gehört auch die spätere Ehefrau. Schöner und anrührender kann man eine solche Liebe und Freundschaft nicht beschreiben.
Traditionen in den Familien bleiben das bindende Glied über alle Hürden und Widrigkeiten hinweg. Es gibt aber auch Zerrüttungen, die eine Begegnung zwischen einstmaligen Familienmitgliedern für immer unmöglich werden läßt.
In einer zugleich poetischen und realistischen Sprache wird hier ein Leben zwischen Vergangenheit und Aufbruch beschrieben, voller Lebensweisheit, Weltklugheit und Versöhnlichkeit, ohne daß die bestehende Realität verleugnet wird.
Ich habe lange nicht ein so wunderbares Buch wie dieses gelesen.
Cl.B.
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