"Eine Geschichte des amerikanischen Volkes", vom amerikanischen Historiker und Politikwissenschaftler Howard Zinn gehört für mich zu einem der wichtigsten Geschichtsbücher der Vereinigten Staaten.
In Amerika 1999 in einer Auflage von mehr als einer Million erschienen, gehört das Buch darüberhinaus in vielen Universitäten mittlerweile zum Lehrplan der Landesgeschichte.
Zinn, der die Auffassung vertritt, dass die führenden, meistgelesenen Geschichtsbücher Amerikas die Greueltaten, Völkermorde und Ungleichheiten der Staaten in einem unakzeptabelen Maße beschwichtigen, schönreden, verzerren oder gar verleugnen, versucht mit seinem bekanntesten Buch die Tatsachen gerade zu rücken. Dafür wechselt er die Perspektive der Darstellung, indem er aus der Sicht der Eroberten, Unterdrückten, Armen, Sklaven und Frauen schreibt.
"Meine Einstellung zur Beschreibung der Geschichte der Vereinigten Staaten ist..., dass wir die Erinnerungen der Staaten nicht als unsere eigenen hinnehmen dürfen. ... Die Geschichte jedes Landes ... verbirgt bittere Interessenkonflikte zwischen Eroberern und Eroberten, Herren und Sklaven, Kapitalisten und Arbeitern, rassisch oder sexuell Dominierten und Dominierenden. Und in einer solchen Welt von Opfern und Henkern, ist es, wie Albert Camus gesagt hat, die Aufgabe der denkenden Menschen, nicht auf der Seite der Henker zu stehen."
Meiner Ansicht nach schreibt Zinn sehr ausführlich und versteht es auf sehr deutliche Art und Weise die Dinge beim Namen zu nennen.
Sehr erfreulich ist, dass die Übersetzung ins Deutsche dieses Jahr erschien, wobei die Bände nicht von der allergrößten Qualität zeugen. Der Inhalt lässt einem das allerdings verzeihen, wird man doch Zeuge, der 'wahren' Geschichte Amerikas.
"To ask why we turned from bad to worse, is to ignore from which we came", sagte Tupac Shakur (erfolgreichster Rapper aller Zeiten) vor einem knappen Jahrzehnt und meinte damit eigentlich die damals (& im Grunde auch noch heute) vorherrschende Situation der Schwarzen. Das Zitat lässt sich aber wunderbar auch auf die derzeitige Menschheitsgeschichte übertragen: Wer sich fragt, warum alles so besch***** ist, wie es im Moment ist, der sollte am besten zuallerst einmal in der Vergangenheit suchen, um zu verstehen.
Genau das kann man mit dem vorliegenden Werk Zinns erreichen. Vieles macht plötzlich Sinn, so ist die Politik der 'sogenannten' Vereinigten Staaten von heute doch nur eine Fortsetzung der historischen Ereignisse der letzten Jahrhunderte.
Für mich zeigt Howard Zinns Neuschreibung der amerikanischen Geschichte allerdings neue Möglichkeiten für die Zukunft auf. Sie entblößt zum einen nicht nur die 'Henker' der Geschichte sondern deckt zum anderen die Macht der Opfer im Kollektiv auf, die sich über die Jahrhunderte immer wieder im Widerstand oder in der Rebellion niederschlug.
Wer auf Wandel oder Verbessungen der Weltpolitik hofft, muss zwangsläufig nach Amerika schauen. Und um die Umstände in diesem riesengroßen Land zu verstehen, sollte sich gut mit dessen Geschichte befassen.
Dafür empfehle ich mit 5 Sternen Howard Zinn's 'A People's History of the United States' (oT)!!!!!
Für alle Denkenden, die nach Wahrheiten suchen und die Hoffnung auf bessere Tage noch nicht aufgegeben haben.